Contracting hebt Effizienzpotenziale in der Energieversorgung

  • Dr. PH Christoph Winter, Geschäftsführer: „Die Modernisierung unserer Energieversorgung im Rahmen eines Contractings versetzte uns in die Lage, eine hocheffiziente und zukunftsweisende Anlagentechnik einzusetzen.“ (Foto: RWE ED).Dr. PH Christoph Winter, Geschäftsführer: „Die Modernisierung unserer Energieversorgung im Rahmen eines Contractings versetzte uns in die Lage, eine hocheffiziente und zukunftsweisende Anlagentechnik einzusetzen.“ (Foto: RWE ED).
  • Dr. PH Christoph Winter, Geschäftsführer: „Die Modernisierung unserer Energieversorgung im Rahmen eines Contractings versetzte uns in die Lage, eine hocheffiziente und zukunftsweisende Anlagentechnik einzusetzen.“ (Foto: RWE ED).
  • Thomas Menzel, Fachhandwerksbetrieb Erich Bender, erläutert Dr. PH Christoph Winter und Hermann Hanfeld, Technischer Leiter der Euregio-Klinik, die Funktionsweise der modernisierten Energieversorgung (v. l. n. r.) (Foto: RWE ED).
  • Im Rahmen des Contractings wurde auch die Dampfversorgung in der Euregio-Klinik mit zwei neuen Kesseln und einer Gesamtleistung von 2,5 t Dampf pro Stunde modernisiert (Foto: RWE ED).
  • Die Euregio-Klinik in Nordhorn entstand 2007 durch einen Zusammenschluss zweier selbstständiger Krankenhäuser mit dem Ziel, die Behandlungs- und Versorgungsqualität für die Grafschafter Bevölkerung zu verbessern und zu sichern (Foto: Euregio-Klinik).

Krankenhäuser müssen heutzutage an vielen Stellschrauben drehen, um ihre Kosten zu senken und die Effizienz zu erhöhen. Viele Aufgaben lassen sich dabei an externe Spezialisten übertragen. Das gilt auch für die Energieversorgung, die im Rahmen eines Contractings ausgelagert werden und die Einrichtung so spürbar entlasten kann. Ein gelungenes Beispiel für ein derartiges Contracting-Projekt ist die Euregio-Klinik der Grafschaft Bentheim in Nordhorn.

Der Landkreis Grafschaft Bentheim im Südwesten von Niedersachsen an der Grenze zu den Niederlanden und seine mit rund 53.000 Einwohnern größte Stadt Nordhorn verfügten viele Jahrzehnte über zwei selbstständige Krankenhäuser an zwei Standorten im Nordhorner Stadtgebiet. Beide Einrichtungen waren für die Grund- und Regelversorgung zuständig und konnten auf eine lange und traditionsreiche Geschichte zurückblicken. Im Jahr 2007 schließlich wurden die 1902 erbaute, ursprünglich evangelische und später zum Kreiskrankenhaus für die Grafschaft Bentheim umgewandelte Klinik und das seit 1927 bestehende Katholische Marienkrankenhaus unter dem gemeinsamen Dach der Euregio-Klinik Grafschaft Bentheim Holding in Nordhorn zusammengeführt. Diese Fusion war nicht nur Anlass für umfangreiche organisatorische Umstrukturierungen und vielfältige Baumaßnahmen, um die medizinische Versorgung der Region auf hohem Niveau zu gewährleisten. Gleichzeitig nahmen die Verantwortlichen die Wärme-, Strom- und Dampfversorgung sowie die bestehenden Energieerzeugungsanlagen unter die Lupe.

Modernisierung ohne ­Investitionen

„Der zunehmende Kostendruck im Gesundheitswesen sowie die umfangreichen Baumaßnahmen haben uns veranlasst, sich stärker mit Gesichtspunkten der Gebäudebewirtschaftung und -technik sowie der Energieversorgung zu beschäftigen", erläutert Dr. PH Christoph Winter, Geschäftsführer der Euregio-Klinik. „Denn hier lassen sich mit den richtigen Maßnahmen erhebliche Effizienzpotenziale nutzen. Dies gilt insbesondere für den Bereich Wärme. Hinzu kommen aber auch die Stromversorgung und die Dampferzeugung für Küchen und Sterilisationseinheiten." Dabei sollten nicht nur rein wirtschaftliche Gesichtspunkte, sondern auch weitere Rahmenbedingungen in die Betrachtung mit einbezogen werden. Dazu zählen etwa die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Energieversorgung - vor allem für besonders sensible medizinische Bereiche wie die Chirurgie oder die Intensivstation - sowie Aspekte des Klima- und Umweltschutzes.

Um die Investitionen in eine neue, energieeffiziente und zuverlässige Anlagentechnik möglichst gering zu halten und gleichzeitig die genannten Bedingungen zu erfüllen, entschlossen sich die Verantwortlichen der Euregio-Klinik für eine Modernisierung der Energieversorgung im Rahmen eines Contractings. Das bedeutet, das Krankenhaus hat diese Aufgabe an ein spezialisiertes Unternehmen, den sog. Contractor, übertragen. Die genauen Konditionen sind vertraglich geregelt.

„Der wohl interessanteste Aspekt des Contractings für uns als Krankenhausbetreiber ist, dass wir eine moderne Anlagentechnik erhalten, ohne eigene Investitionsmittel aufbringen zu müssen", so Winter. „Gleichzeitig wollten wir mit den Maßnahmen, die Teil eines im Vorfeld erarbeiteten Gesamt-Energiekonzeptes sind, spürbare Effizienzverbesserungen hinsichtlich der Energieerzeugung und -verteilung erzielen und den Verbrauch nachhaltig senken."

Bei der Suche nach dem richtigen Partner haben sich die Verantwortlichen nach einem umfangreichen Auswahlverfahren für die Fachleute der RWE Energiedienstleistungen (RWE ED) entschieden. Diese konnten nicht nur durch ihr technisches Know-how im Bereich Energieeffizienz und Anlagentechnik sowie die langjährigen Erfahrungen, sondern auch durch eine hohe Transparenz und eine sorgfältig ausgearbeitete Kalkulationsgrundlage überzeugen. Die Contracting-Spezialisten übernahmen neben der Finanzierung der Modernisierung ebenfalls die Planung und den Einbau eines hocheffizienten Blockheizkraftwerks (BHKW) sowie die Erneuerung der vorhandenen Dampferzeugung. Die Umsetzung erfolgte in enger Abstimmung mit der technischen Leitung der Euregio-Klinik sowie dem Ingenieurbüro für Krankenhaustechnik Potthoff aus Erkrath.

Der Dortmunder Energiedienstleister ist darüber hinaus für die Betriebsführung, Wartung und Instandsetzung der gesamten Anlage zuständig und trägt die damit verbundenen finanziellen und technischen Risiken. Als Vertragslaufzeit wurden 10 Jahre für die Wärmeversorgung und das BHKW sowie 15 Jahre für die Dampfkessel vereinbart. Während dieser Zeit entrichtet das Krankenhaus für die Wärme-, Strom- und Dampflieferung einen Grundpreis, der die Investitionen sowie auch die Energie-, Wartungs- und Instandhaltungskosten beinhaltet, und einen verbrauchsbezogenen Arbeitspreis an den Contractor.

Wärme- und Stromerzeugung mit BHKW

Bisher übernahmen in Nordhorn zwei Niedertemperatur-Erdgaskessel (NT-Kessel) mit einer thermischen Leistung von 1.750 und 1.725 kW die Wärmeversorgung, während die benötigte elektrische Energie aus dem öffentlichen Netz bezogen wurde. Im Zuge der Modernisierung kam ein erdgasbetriebenes BHKW mit einer Leistung von 140 kW elektrisch und 207 kW thermisch ergänzend hinzu. Mit einem Gesamtwirkungsgrad von über 90 Prozent erzeugt das Gerät äußerst effizient neben Wärme auch Strom direkt vor Ort und vermeidet im Vergleich zur konventionellen, getrennten Wärme- und Stromerzeugung erhebliche Transport- und Umwandlungsverluste. Das BHKW ist dabei auf eine Jahresgesamtlaufzeit von 6.000 Betriebsstunden ausgelegt und für die Abdeckung der Grundlast verantwortlich. Die vorhandenen NT-Kessel wurden als Reserve für Spitzenlastzeiten beibehalten. Das BHKW ist wärmegeführt, d. h., seine Leistung wird entsprechend des jeweiligen Heiz­energiebedarfs des Krankenhauses geregelt. Die dabei erzeugte elektrische Energie deckt zudem etwa ein Drittel des jährlichen Eigenbedarfs der Einrichtung von insgesamt 2.500 MWh ab und hat aufgrund der vereinbarten günstigen Konditionen gegenüber dem konventionellen Strombezug ebenfalls Kosteneinsparungen zur Folge. Nicht im Krankenhaus verbrauchter Strom aus dem BHKW wird hingegen in das öffentliche Netz eingespeist.

Darüber hinaus benötigt die Euregio-Klinik Reindampf für die Sterilisation medizinischer Instrumente und die Luftbefeuchtung in sensiblen Bereichen wie etwa Operationssälen sowie Prozessdampf für Teile der klinikeigenen Großküche und die Wäscherei. Aufgrund der hohen Leistung sowie des Alters der zwei bestehenden Dampfkessel für die Prozessdampferzeugung entschieden sich die Fachleute hier für eine Erneuerung der Anlage. Die neuen Dampferzeuger verfügen über eine Gesamtleistung von 2,5 t Dampf pro Stunde sowie eine thermische Leistung von je 877 kW. Zwei Abgasschalldämpfer, zwei Economiser, ein Speisewasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von 1.500 l sowie ein übernommener Reindampferzeuger komplettieren die Gesamtanlage.

Installation unter erschwerten Bedingungen

„Sowohl das Blockheizkraftwerk als auch die neuen Dampfkessel mussten während des laufenden Betriebs eingebracht und installiert werden", erklärt Thomas Menzel vom verantwortlichen Nordhorner Fachhandwerksbetrieb Erich Bender GmbH & Co. KG. „Der Aufstellraum für das BHKW im Untergeschoss war durch die notwendige Zu- und Abluftführung vorgegeben. Aus statischen Gründen konnten wir das Gerät jedoch nicht über die Treppe einbringen." Das neue BHKW wurde schließlich mit einem Kran über ein Bodenfenster in das Untergeschoss und per Flaschenzug zum endgültigen Standort in der Heizzentrale eingebracht. Um einen möglichst ruhigen Betrieb des BHKW zu gewährleisten, ist dieser auf einem die Motorschwingungen abfedernden Betonpodest positioniert. Die Montagearbeiten umfassten des Weiteren die Installation dreier neuer Pufferspeicher mit einem Volumen von jeweils 1.000 l, die bei geringem Wärmebedarf vom BHKW geladen werden und auf diese Weise eine gleichmäßigere Fahrweise des Gerätes ermöglichen. Die hydraulische und elektrische Einbindung der neuen Komponenten sowie die Erneuerung zweier vorhandener Trinkwasserspeicher rundeten die Maßnahmen in der Heizzentrale ab.

Auch der Austausch der Dampfkessel erforderte besonderes logistisches Geschick. Rund um ihren Aufstellraum mussten die Rettungs- und Anfahrtswege für Krankentransporte und Medikamentenlieferung stets freigehalten werden. Um die Einbringung und die Installationsarbeiten hier während des laufenden Betriebs durchführen zu können, wurde in einem Außencontainer zunächst ein Provisorium errichtet, das die Dampferzeugung zeitweilig übernahm. Anschließend erfolgten die Demontage der Altanlage und die Installation der neuen Dampfkessel. Nach Abschluss dieser Arbeiten fand schließlich der Abbau des Provisoriums statt. Trotz der erschwerten Rahmenbedingungen konnte die Erneuerung der Dampfkesselanlage nach nur eineinhalb Wochen abgeschlossen werden.

Hohe Effizienz und Versorgungssicherheit

Für die Euregio-Klinik hat sich die Modernisierung der Energieversorgung gleich mehrfach gelohnt. „Gerade die Umsetzung als Contracting-Projekt mit moderner BHKW-Technologie hat uns überzeugt", resümiert Winter. „Wir waren dadurch in der Lage, eine hocheffiziente und zukunftsweisende Technik einzusetzen, ohne eigene Investitionen tätigen zu müssen. Indem der Contractor das benötigte Kapital in das Projekt einbrachte, konnten wir diesen finanziellen Spielraum für unser Kerngeschäft erhalten." Die Umlage der Investitionen auf einen Zeitraum von 10 bzw. 15 Jahren hat zudem langfristig sicher kalkulierbare Kosten und damit eine höhere Planungssicherheit zur Folge.

Ein weiterer wichtiger Vorteil - insbesondere hinsichtlich eines Imagegewinns als Einrichtung im Blickpunkt der lokalen Öffentlichkeit - ist die verbesserte CO2-Bilanz durch die Senkung des Primärenergieverbrauchs. Denn die Wärme- und Stromerzeugung mit dem neuen BHKW sowie die Modernisierung der Dampferzeugung reduzieren die CO2-Belastung um rund 116 t pro Jahr. Gleichzeitig findet durch das Contracting eine Entlastung des eigenen technischen Personals statt, da die gesamte Betriebsführung auf einen erfahrenen Energiedienstleister ausgelagert wird. „RWE ED stellt den hocheffizienten Betrieb der Anlage über die gesamte Vertragslaufzeit sicher und übernimmt hier das Risiko eines Ausfalls", so Winter abschließend. „Eine 24-Stunden-Fernüberwachung sorgt für eine zuverlässige und unterbrechungsfreie Energieversorgung. Eventuelle Störungen werden vom Bereitschaftsdienst innerhalb kürzester Zeit behoben, ohne dass wir uns einschalten müssen."

Mehr Informationen auf der Microsite   Energie.

 

 

 

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