Die Hygieneanforderungen im Krankenhaus, meistens durch glatte und harte Oberflächen im Innenausbau sichergestellt, generieren ein Lärmproblem und stellen so höchste Anforderungen an die Raumakustik. Der Lärmpegel in Kliniken liegt oft bei bis zu 68 dB, im OP-Bereich teilweise bis zu 110 dB und führt zu Problemen bei der Wahrnehmung und einer Reizüberflutung.
Die Ursachen der Schallquellen sind vielfältig und entstehen durch Alarm- und Rufsysteme, technische Geräte, Patienten und Personal. In Operationssälen und Intensivstationen muss das Alarmmanagement den komplizierten Abläufen der Patientenüberwachung gerecht werden und dabei die akustische und optische Wahrnehmungsschwelle von Chirurgen und Anästhesie möglichst personalisierbar erlebbar machen. Störgeräusche während der Operation wie Bohren oder Sägen dürfen den Alarm nicht übermäßig maskieren.
Während im Einzel-OP das Signalmanagement in den letzten Jahren verbessert wurde, verlangt der Trend zum Großraumoperationssaal neue akustische Ansätze, sollen akustischen Reizüberflutungen verhindert werden.
„Auch wenn es in einem Großraum-OP relativ ruhig zugehen kann, kann der sogenannte ‚Cocktail-Party-Effekt‘ für Irritationen sorgen", erläutert Psychoakustiker Dr. Friedrich E. Blutner. „Dieser tritt im räumlich hörbaren Geräuschumfeld bei verschiedenen Lärmquellen wie bei einer Unterhaltung von 20 Personen oder eben im OP auf, hier verursacht durch Geräte, Maschinen und Werkzeuge." Das hat negative Auswirkungen auf die Konzentration und kostet den Chirurgen mentale Power. „Ob nach einem mehrstündigen OP-Tag eine akustische Überforderung beispielsweise auch zu Links-Rechtsverwechselung führen kann, wird derzeit in der Fachwelt diskutiert. Zur Optimierung der Akustik bei Großraum-OPs wäre es sinnvoll, komplexe Schalllandschaften zu schaffen, die sowohl dem OP-Team als auch dem Patienten Vorteile bringen. Zwar fehlt es derzeit an entsprechenden Studien, doch Akustikdesigner gehen z. B. davon aus, dass der Patient den Schall - je nach Betäubung - physisch und mental wahrnimmt. „Weniger Lärm im Großraum-OP würde somit die Selbstheilkräfte der Patienten stärken", so Blutner.
Gratwanderung zwischen Wahrnehmung und Akzeptanz
Nach dem Vorbild der Züricher Schulthess-Klinik nahm im Mai 2009 der erste deutsche Großraumoperationssaal mit vier Tischen seinen Betrieb auf.
Während alle Eingriffe ein hohes Maß an Konzentration erfordern und Umgebungslärm oft störend wirkt, kommt es in Großraumoperationssälen durch einen noch stärkeren Teamgeist zu einem disziplinierenden Effekt, der auch einen leiseren OP-Ablauf ermöglicht, so die ersten Erfahrungen. „Dennoch war eine anfängliche Skepsis der Belegschaft vorhanden", erinnert sich Prof. Dr. Thorsten Gehrke, Ärztlicher Direktor, Endo-Klinik Hamburg. „Der Lärmpegel ist fühlbar geringer als in normalen OP-Sälen. Oft erzeugen die Werkzeuge einen größeren Lärm als das OP-Team. Die Teams arbeiten ruhiger und haben sich nach anfänglichen Gewöhnungsproblemen auf die neue Situation hervorragend eingestellt und profitieren bei schweren Fällen mittlerweile auch teamübergreifend", führt Gehrke weiter aus.
Patientenmonitoring und Alarmmanagement
Lebenswichtige Alarmmeldungen gehören bei Anästhesie und Intensivstationen zum sicherheitsnotwendigen Alltag. Die Wahrnehmung durch das verantwortliche Krankenhauspersonal erfolgt über optische und akustische Signale. Über die Alarmlautstärke muss die Erkennbarkeit eines spezifischen Problems an einem Bett sichergestellt werden, sodass dieser Alarm sozusagen im Wettbewerb mit der Geräuschkulisse sowie mit einer Vielzahl der unterschiedlichen Alarme und Alarm-Anzeigen an anderen Betten steht. Modernes Alarmmanagement muss daher künftig in der Lage sein, eine ausgewogene Signalisierung zu ermöglichen, überflüssige Alarme zu reduzieren und innovative Möglichkeiten z. B. der Fernüberwachung zu nutzen.
Das Alarmmanagement, erst seit einigen Jahren standardisiert, soll künftig durch modernes Signalmanagement eine Wiedererkennung bestimmter zugeordneter Alarme erlauben und dabei den Lärmpegel geringer halten. In der Norm IEC 60601-1-8 - derzeit in der Überarbeitung - werden Alarmtöne als „hörbar" mit Lautstärken von 45-85 dB empfohlen, den Geräteherstellern sind außerdem in der Klangauswahl bzw. Tonfolge Grenzen gesetzt. Hier bestehen Zielkonflikte bei der Tonwahrnehmung, die sich in einer Gratwanderung zwischen Lärmentstehung und Akzeptanz der Wahrnehmung bewegt.
Abgehört
In jedem System gibt es einen eindeutige Alarmtonfolge. Alle Alarme eines Arbeitsplatzes, beispielsweise am neuen Anästhesiegerät Zeus IE, werden hierarchisch sortiert, erst dann nach Priorität ausgelöst. Verschiedene Dauer und Intervalle der Töne signalisieren je nach Priorisierung die Schwere der Störung, oft auch mit optischem Feedback.
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