Daten, Daten, Daten. Und an den Patienten denken!

Hessischer Krankenhaustag beleuchtet die Digitalisierung des Gesundheitswesens

  • v.l.n.r.: Rainer Greunke (Geschäftsführender Direktor HKG), Dieter Bartsch (Geschäftsführer Main-Kinzig-Kliniken und Vizepräsident HKG), Gesundheitsminister Stefan Grüttner, Prof. Dr. Dr. Reinhard Wabnitz  (Präsident der HKG)v.l.n.r.: Rainer Greunke (Geschäftsführender Direktor HKG), Dieter Bartsch (Geschäftsführer Main-Kinzig-Kliniken und Vizepräsident HKG), Gesundheitsminister Stefan Grüttner, Prof. Dr. Dr. Reinhard Wabnitz (Präsident der HKG)

Mit dem Smartphone kann man heute nicht nur Schritte und Kalorien zählen, Blutzucker und Sehstärke bestimmen, sondern sogar den eigenen Schlaf analysieren.

Die technischen Möglichkeiten, das Private zu vermessen, scheinen grenzenlos. Ganz anders stellt sich dabei bisher die Digitalisierung in den Institutionen des deutschen Gesundheitswesens dar. Hier scheinen die Verantwortlichen noch in der guten analogen Zeit verortet zu sein. Das zeigt beispielsweise der neue bundeseinheitliche Medikationsplan, der erst 2018 auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden soll. Bis dahin liegt dieser nur in Papierform vor. Wie steht es also wirklich um die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens?

Beim diesjährigen Hessischen Krankenhaustag beleuchteten Referenten aus Forschung, Politik und Praxis aktuelle Entwicklungen. Dabei durften natürlich auch mahnende Worte nicht fehlen. Denn trotz der großen Chancen, die die Digitalisierung bietet, gilt es vor allem unter dem Gesichtspunkt des Datenschutzes Entwicklungen kritisch zu betrachten. „Daten, Daten, Daten. Und an den Patienten denken“, erinnerte Prof. Dr. Dr. Reinhard Wabnitz, Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft, daher die rund 200 Gäste in seiner Eröffnungsrede.
Auch an die Politik hatte er eine Botschaft. Diese spreche zwar oft von dem großen Potenzial der Digitalisierung und der Notwendigkeit, dieses auf Krankenhausebene auszuschöpfen, komme aber der dafür notwendigen Investitionsverpflichtung nicht zu genüge nach. So fehlten alleine den Krankenhäusern in Hessen im Jahr 2017 rund 150 Mio. €. In der Folge könnten viele Kliniken nicht die notwendigen Investitionen, beispielsweise in eine leistungsfähige IT-Infrastruktur, tätigen. Eine moderne IT-Struktur sei jedoch essentiell, um neue digitale Entwicklungen in den Klinikalltag zu integrieren und in die Fläche zu tragen. Das Problem sei bekannt und werde zunehmend aufgegriffen, echte große Lösungen sind aber noch nicht erkennbar. „Statt in 52 kb sollten die Krankenhäuser den notwendigen finanziellen Rückhalt erhalten, um Projekte in Highspeed voranzutreiben“, betonte Prof. Dr. Dr. Wabnitz.

Eine weitere Herausforderung seien die immer noch existierenden Sektorengrenzen im Gesundheitswesen, die sich auch auf IT-Ebene manifestierten.

Dies erschwere eine sinnvolle Vernetzung zum Wohle der Patienten zusätzlich. „Es sollte ein Anliegen aller im System agierender Gesundheitspartner sein, hier eine Einheitlichkeit herzustellen, damit wir uns nicht selbst von der digitalen Entwicklung abhängen. Unsere österreichischen Nachbarn machen es mit der elektronischen Patientenakte ELGA vor. So etwas sollte auch in Deutschland zu schaffen sein“, so der Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft.
Lobende Worte fand er für den Hessischen Gesundheitsminister Stefan Grüttner. Dieser, so Wabnitz, mache sich seit vielen Jahren auf Bundesebene für die Krankenhäuser stark und treibe auch jetzt das Thema E-Health und die Investitionsförderung mit Vehemenz nicht nur auf Landesebene voran. Insofern sei Hessen im Vergleich zu anderen Bundesländern auf einem guten Weg, da die Verantwortlichen den Handlungsbedarf erkannt hätten.

„Die Telemedizin bietet eine große Chance, die Menschen gesundheitlich noch besser zu versorgen. Die Hessische Landesregierung hat mit ihrer im März 2016 verabschiedeten Strategie ‚Digitales Hessen‘ dafür den Grundstein gelegt. Gemeinsam werden wir den erfolgreichen Weg der Verbesserung der medizinischen Versorgung durch Telemedizin weiter fördern, um diese allen Regionen in Hessen zugänglich zu machen. Dabei stehen Patientennutzen und der Datenschutz immer im Mittelpunkt“, erklärte der Hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner. Grüttner ergänzte, dass die Landesregierung seit diesem Jahr im Rahmen des neuen Landesprogramms „Förderung von Innovationsprojekten in Telemedizin und E-Health“ die Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger Innovationsprojekte fördere. Das für 2018 geplante Kompetenzzentrum wird hessische Initiativen bündeln und bei der Implementierung neuer, bedarfsgerechter Versorgungsformen unterstützen. Hierfür stelle das Land für 2017 rund 1,5 Mio. € und ab 2018 bis zu 6 Mio. € jährlich zur Verfügung.
Auf der jährlichen Zentralveranstaltung der Hessischen Krankenhausgesellschaft treffen sich seit über 20 Jahren Vertreter der Gesundheitswirtschaft und der Politik. Zugegen war in diesem Jahr wieder der Hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner, der den anwesenden Gästen die E-Health Strategie des Landes vorstellte.

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