Qualitätsnetz Bellevue (QNB): Virtuelles Data Warehouse für Nachweis höchster Qualitätsstandards. Auch wer auf höchstem Niveau operiert, kann sich immer noch weiter verbessern. Unter diesem Motto haben Klinikchef Prof. Detlef Uthoff und seine Kollegen von der Kieler Augenklinik Bellevue eine konzertierte Aktion für mehr Qualität, Sicherheit und Transparenz in der Augenheilkunde ins Leben gerufen. Diese setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Augenärzten. Für die systematische Auswertung der in diesem Qualitätsnetz Bellevue (QNB) gesammelten Daten sorgen die schnelle Objektdatenbank Caché von InterSystems und das darauf aufbauende Analysewerkzeug VisualCockpit.
Mit mehreren tausend Operationen im Jahr 2007 ist Bellevue längst eine der größten privaten Augenkliniken Europas. Entsprechend straff ist die Organisation aller Abläufe innerhalb der weißen Gründerzeitvilla an der Kieler Förde. Bei nur 28 Betten und 6 Ambulanzliegen sowie einem Team von 20 Ärztinnen und Ärzten sind die Zimmer meist mehrmals am Tag belegt, die Auslastung der Behandlungsräume perfekt optimiert. „Da geht es um logistische Meisterleistungen“, sagt Uthoff. „Wenn irgendein Detail nicht stimmt, bricht der ganze Tagesablauf zusammen.“
Damit eben das nicht geschieht, betreibt seine EDV-Abteilung eine ausgefeilte IT-Infrastruktur, deren zentrales Element das Krankenhaus-Informations-System fd klinika bildet. Es läuft unter Microsoft SQL-Server auf einem Windows 2003-Server mit 50 angeschlossenen Clients. Ergänzt wird das KIS durch eine passende Finanzbuchhaltung von GDC, die Dienstplanungs- und Zeiterfassungssoftware WORP sowie durch das Dokumenten-Management und Intranet von 3M. Das KIS soll bis zum Jahresende mit einem umfassenden digitalen Archiv ausgebaut werden. „Auf dem Weg zur perfekten Verzahnung der Organisation ist Papier nur hinderlich“, findet EDV-Leiter Patrick Marholz. „Schließlich befindet es sich im Zweifelsfall immer gerade am falschen Ort.“
Gemeinsam zu mehr Qualität
Einen wichtigen Schritt zu dieser Verzahnung ist die Augenklinik mit der Gründung des Qualitätsnetz Bellevue (QNB) Ende 2005 vorangekommen.
Inzwischen sind aus 12 Gründungsmitgliedern 48 niedergelassene Augenärzte an 35 Standorten in Schleswig-Holstein geworden, die sich mit den Bellevue-Ärzten zusammengeschlossen haben, um die Qualität der gemeinsamen Arbeit zu dokumentieren und wo möglich noch zu verbessern. „Das geht nur gemeinsam. Schließlich sehen wir die Patienten nur am ersten Tag und können oft gar nicht beurteilen, wie es nach der Operation weitergegangen ist“, erläutert Uthoff. Auch die Ärzte haben naturgemäß großes Interesse daran, die Ergebnisse insgesamt, vor allem aber ihren persönlichen Qualitätsbericht zu erhalten.
Während die Anbindung anfangs noch offline durch Übersendung der ausgefüllten Excel-Spreadsheets erfolgte, sind die Praxen heute mittels DSL-Anschluss und sicherer VPN-Verbindung direkt an das Bellevue-eigene Netzwerk angeschlossen. Auf den Praxiscomputern läuft eine von der EDV-Abteilung geschriebene Erfassungs-Software, die zur Nachschau für jeden OP-Typ die passenden, von Bellevue eigens entwickelten Befundbögen abbildet. Auch eine Online-OP-Anmeldung steht zur Verfügung. Der Vergleich der Messwerte mit den präoperativ in der Klinik erhobenen bildet bereits eine wichtige Zusatzinformation, die früher kaum zur Verfügung stand.
Die gesammelten objektiven und subjektiven Befunddaten werden zu Schulnoten zusammengefasst und ergeben einen tagesaktuell berechneten Qualitätsindex. „Natürlich macht jeder Augenarzt Nachkontrolle, aber anderswo bleiben die Daten dann einfach in der Praxissoftware und werden nicht zusammengeführt oder ausgewertet“, weiß Uthoff. Im QNB dagegen werden die ärztlichen Befunde noch von den Patienten selbst ergänzt – bei jedem Nachschautermin in einer kleinen Patientenbefragung im Wartezimmer sowie einmal im Jahr in einer großen Patientenbefragung per Post.
Der Datenflut Herr werden
Zur Auswertung der so gesammelten Daten setzte das EDV-Team anfangs einfach auf Excel und den direkten Zugriff auf die QNB-Datenbank im SQL-Server. Die so erstellten Grafiken wurden dann in Powerpoint zu einem Qualitätsbericht zusammengestellt. Allerdings wuchsen rasch die Begehrlichkeiten: Bald waren Querverbindungen zum KIS gefragt, etwa zur Aufschlüsselung der Operationen nach Einzugsgebieten. Damit war die hausgemachte Lösung jedoch ebenso überfordert wie mit der rapide wachsenden Datenmenge.
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