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Sind telemedizinische Verfahren auf einem guten Weg?

28.10.2011
Telemedizinische Verfahren werden seit rund 30 Jahren weltweit erprobt. Ziel ist es, die räumliche Trennung von Arzt und Patient sowie Facharzt und Allgemeinmediziner zu überwinden (nicos/Fotolia).
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Telemedizinische Verfahren werden seit rund 30 Jahren weltweit erprobt. Ziel ist es, die räumliche Trennung von Arzt und Patient sowie Facharzt und Allgemeinmediziner zu überwinden.

In medizinisch gut versorgten Gebieten wird Telemedizin mit dem Ziel der Qualitätsverbesserung genutzt, beispielsweise durch Einholung einer Zweitmeinung oder zur Verbesserung der Lebensqualität der Patienten durch eingesparte Wege zum Arzt und zur Vorbeugung von Notfällen durch apparative Beobachtung. Daneben kann Telemedizin auch einen Beitrag zur Verbesserung der Aus-, Fort- und Weiterbildung leisten. Ein Nachteil ist häufig das Fehlen therapeutischer Möglichkeiten, da der Facharzt vor Ort fehlt.

Bis heute haben die Verfechter der Telemedizin in Deutschland mit komplexen Vorbehalten wirtschaftlicher, organisatorischer, rechtlicher, medizinischer, technischer und vielfach auch subjektiver Art zu kämpfen. Ein Blick auf die interaktive e-health@home-landkarte (www.iat.eu/ehealth/) zeigt, dass bundesweit knapp 260 telemedizinische Dienste und Projekte in über 110 Städten und Gemeinden angesiedelt sind. Die meisten sind mit Bundesmitteln gefördert und finden sich in den Bereichen Forschung und Entwicklung. Knapp ein Drittel der Angebote zielt konkret auf die Patientenversorgung ab.

„Die Studienlage deutet darauf hin, dass die Telemedizin das Potential haben könnte, diese Versorgung zu verbessern und gleichzeitig Kosten zu senken", äußert sich Dr. Jennifer Meyer, Bereichsleiterin eHealth und Gesundheitsökonomie im Strategiezentrum Gesundheit NRW. „Jetzt gilt es, genauer nachzuweisen, in welchen Situationen, für welche Patienten und in welchem Gesamtprogramm Telemedizin sinnvoll ist."

Gesamtprogramm Telemedizin

Einzelne Kostenmodelle existieren bereits. Dennoch werden diese Programme meist nicht umfangreich von den Leistungserbringern aufgenommen. Um Telemedizin in die Umsetzung zu verhelfen, ist es vor allem wichtig, entsprechende Inhalte und Praktika auch in die Curricula der Hochschulen und Ausbildungsprogramme aufzunehmen. Gesamtprogramme, die kooperativ individuelle Konzepte mit telemedizinischer Unterstützung bieten - z.B.

zwischen ambulanten Pflegediensten, Krankenhäusern, Haus- und Fachärzten, Apotheken und Physiotherapeuten -, können den Patienten helfen, sich in der Versorgungslandschaft besser zurechtzufinden.

Telemedizin darf dabei jedoch langfristig nicht in den zweiten Gesundheitsmarkt „abgleiten". Sie sollte auch jenen Menschen zugängig sein, die dies privat nicht finanzieren können.

„Informations- und Kommunikationstechnik soll nicht nur die vielfältigen Prozesse im Gesundheitswesen schneller, effizienter und kostengünstiger verwalten helfen; mit telemedizinischen Dienstleistungen können auch Leistungen für die Gesunderhaltung und Heilung über große Distanzen hinweg zeitnah und patientenorientiert erbracht werden", berichtet Priv.-Doz. Dr. Josef Hilbert, Leiter des Instituts für Arbeit und Technik (IAT).

Verbesserte Diagnose - direkte Unterstützung bei der Therapie

Lange Zeit standen beim Thema Telematik im Gesundheitswesen Elektronische Gesundheitskarte und Elektronische Patientenakte im Vordergrund. In den letzten Jahren ist jedoch die Aufmerksamkeit und das Engagement für die Telemedizin deutlich gestiegen, sprich für Leistungen, die als verbesserte Diagnose oder Therapie direkt beim Patienten ankommen oder die ihn bei der Gesunderhaltung unterstützen. Niedergeschlagen hat sich dies vor allem in vielfältigen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, die allerdings selbst von Fachleuten kaum noch zu überblicken waren.

„Königsdisziplin der Telemedizin ist bislang die Kardiologie", erklärt Hilbert. „Adressaten der Angebote sind in allererster Linie chronisch Erkrankte und ältere Patienten. Ärzte- und Pflegeorganisationen standen der Telemedizin lange Zeit skeptisch gegenüber. Zum Teil übertrugen sie die technischen, finanziellen und datenschutzrechtliche Vorbehalte, die unter ihren Mitgliedern gegen die elektronische Gesundheitskarte und -akte weit verbreitet waren, auch auf die Telemedizin; zum Teil hatten sie sogar die Befürchtung, Telemedizin können ihre Betätigungsmöglichkeiten einschränken. Seitdem mehr und mehr bekannt wird, wie Telemedizin umgesetzt wird und dass sie nur im Verbund mit niedergelassenen Medizinern und mit kompetenten Pflegekräften vernünftig zu realisieren ist, steigt auch bei diesen Berufsgruppen das Interesse."

Ein großes Plus für die Telemedizin sind auch Patienten, die an Telemedizinprojekten beteiligt sind. Oft berichten sie begeistert von dem Plus Sicherheit und Lebensqualität, was durch die neuen Angebote möglich wird. Langfristig könnte dies dazu führen, dass sich weder Leistungsanbieter noch Kostenträger leisten können, auf telemedizinische Angebote zu verzichten - andernfalls drohen Wettbewerbsnachteile.

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