Klinikum Dachau führend in der Behandlung von Myomen

  • Dr. Matthias Matzko, Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Dachau (Foto: Klinikum Dachau).Dr. Matthias Matzko, Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Dachau (Foto: Klinikum Dachau).
  • Dr. Matthias Matzko, Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Dachau (Foto: Klinikum Dachau).
  • Über 400 Patientinnen wurden am Klinikum Dachau erfolgreich mit dem „ExAblate ONE“-System behandelt. Im MRT: Sabine Kornprobst, Barbara Hermann, MRTA (Foto: Klinikum Dachau).

Vor drei Jahren wurde am Klinikum Dachau als einer der ersten Kliniken in Deutschland ein „MRgFUS-Center" zur Behandlung von Gebärmuttermyomen mit fokussiertem Ultraschall (MRgFUS) etabliert. Seitdem hat Dr. Matthias Matzko, Chefarzt der Diagnostischen und Interventionellen Radiologie, über 400 Patientinnen behandelt - und gilt damit als der Arzt mit der größten Erfahrung in der Anwendung dieser Methode in Europa.

Die guten Behandlungsergebnisse haben dazu geführt, dass die Kosten am Klinikum Dachau von zwei großen Krankenkassen (AOK und TK) übernommen werden. Mittlerweile steht am Klinikum Dachau eine Weiterentwicklung der Technik zur Verfügung, das „ExAblate ONE", das für die Behandlung von Frauen mit Kinderwunsch und zur Behandlung der Adenomyose zugelassen ist.

ExAblate ONE verbessert Rezidivrate

Die Behandlung des erkrankten Gewebes erfolgt mit der Hälfte der bisher nötigen Hautenergiedosis und verdoppelter Schallenergieeffizienz. Damit ist die Myomtherapie mit einer besonders geringen Rezidivrate möglich und kann auch bei Frauen zum Einsatz kommen, die bisher nicht mit fokussiertem Ultraschall behandelt werden konnten. „MRgFUS ist ein großer Gewinn für die Myomtherapie und besonders attraktiv für junge Frauen, die sich zum Beispiel wegen eines bestehenden Kinderwunsches nicht operieren lassen möchten", so Matzko.

Uterusmyome, gutartige Tumore der Gebärmutter, sind nach wie vor die häufigste Tumorerkrankung, die insbesondere junge Frauen betrifft: Etwa 15 bis 20% aller Frauen zwischen 35 und 55 Jahren haben ein Myom. Myome können starke Blutungen und Unterleibsschmerzen auslösen und sind in vielen Fällen die Ursache für unerfüllten Kinderwunsch. Rund 100.000 Patientinnen müssen in Deutschland jedes Jahr aufgrund von Uterusmyomen stationär behandelt werden. In der Regel stehen dabei die operativen Verfahren im Vordergrund. Doch die Frauen wünschen zunehmend den Einsatz schonender Therapien und - insbesondere bei bestehendem Kinderwunsch - eine Myombehandlung, bei der die Gebärmutter erhalten bleibt.

Diese Möglichkeit bietet der fokussierte Ultraschall. Das Myom wird unter Einsatz von hochenergetischen, gebündelten Ultraschallwellen zerstört.

Die Behandlung findet unter Echtzeit-Kernspin (MR)-Kontrolle statt, sodass Fortschritt und Behandlungserfolg direkt kontrollierbar sind. Dreieinhalb bis vier Stunden dauert eine MRgFUS-Behandlung, während der die Patientin in Bauchlage im MR liegt. Um das lange Liegen zu erleichtern, erhält sie ein Schmerz- und Beruhigungsmittel. Nebenwirkungen treten kaum auf. „Die Patientinnen können in der Regel kurz nach der Behandlung wieder nach Hause gehen, ein Krankenhausaufenthalt ist nicht nötig", fasst Matzko zusammen.

Die Behandlungsergebnisse sind sehr gut, weshalb die AOK und die TK die Kosten übernehmen - bisher nur am Klinikum Dachau. Seit November 2010 steht dem Radiologen eine technische Weiterentwicklung des MRgFUS zur Verfügung, bei der die Hautenergiedosis halbiert wird - und die es ebenfalls nur am Klinikum in Dachau gibt. „Das „ExAblate ONE" bietet für die Patientinnen noch einmal deutliche Vorteile", betont Matzko.

Behandlung größerer Myome möglich

Durch die höhere Effizienz ermöglicht es auch die Behandlung größerer Myome: „Wir können jetzt Myome bis zu einem Durchmesser von zehn bis zwölf Zentimetern behandeln", so Matzko. Durch die niedrigere benötigte Schallenergie ist zudem eine der möglichen Nebenwirkungen - die Verbrennung von Haut oder Fettgewebe - deutlich seltener. Deshalb können auch Patientinnen mit bestehenden Narben im Bauchraum therapiert werden - da das Narbengewebe sehr empfindlich ist, war für diese Frauen bisher eine MRgFUS-Behandlung nicht möglich.

Besonders vielversprechend sind die langfristigen Ergebnisse der Behandlung. Bei einer operativen laparoskopischen Myomentfernung geht man von einer Rezidivrate von rund zehn Prozent nach einem Jahr aus. „Mit dem bisherigen MRgFUS-System haben wir etwa dieselbe Rezidivrate, etwa sechs bis zehn Prozent, beobachtet", so Matzko, „mit dem neuen System liegen wir wahrscheinlich darunter." Die genauen Ergebnisse werden derzeit im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie ausgewertet.

Methode auch bei Adenomyosis anwendbar

Auch andere Anwendungen für den fokussierten Ultraschall sind denkbar. Etabliert ist am Klinikum Dachau bereits die Behandlung der „Adenomyosis", einer Sonderform der Endometriose. Auch hier können durch den fokussierten Ultraschall die Schleimhautwucherungen bei Erhalt der Gebärmutter entfernt werden. Doch die Anwendung des MRgFUS ist nicht auf die Frauenheilkunde beschränkt: „Die Behandlung von Knochentumoren und -metastasen mit dem MRgFUS könnte in absehbarer Zeit möglich sein", so Matzko.

Der Radiologe ist von der Leistungsfähigkeit des fokussierten Ultraschalls überzeugt: „Gerade auch für Frauen mit Kinderwunsch ist dieses Verfahren attraktiv, da die Gebärmutterwand nicht verletzt wird und Risiken in Bezug auf eine Schädigung der Gebärmutter während der Schwangerschaft deutlich reduziert werden."

 

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