Ein fahrender Zug - Building Information Modelling (BIM) auch im Gesundheitswesen

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  • Building Information Modelling: Projekt-ablauf von Start bis Inbetriebnahme

Das Thema BIM ist in den Medien schon lange mehr als präsent. In der baulichen Realität dagegen wird die BIM-Methode noch zögerlich eingesetzt. Nicht zuletzt die skeptische Haltung der Bauherren führt zu einem verhaltenen Einsatz, wo doch das dreidimensionale Gebäudemodell dem Investor und dem Betreiber viele Vorteile versprechen würde. Nicht umsonst ist in der englischsprachigen und skandinavischen Welt das „Building Information Modeling“ längst zum Standard geworden. Verpassen wir einen Zug der bereits fährt und versäumen das Aufspringen? Ein Beitrag von Marc Rehle, Geschäftsführer RRP Architekten + Ingenieure und Mitglied im Vorstand der AKG.

Die Realisierung der schönen neuen Welt des Building Information Models ist über die 3-D Planungsprogramme bereits seit vielen Jahren erprobt und professionalisiert. Das Know-how des Planers entscheidet über den erfolgreichen Einsatz von BIM. Der Übergang von der konventionellen 2-D Planungsmethode zum 3-D BIM gleicht dem Wechsel von der Propellermaschine zum vierstrahligen Airbus, eine Driving-Licence dafür gibt es aber nicht. Daher ist die Auswahl des geeigneten Planungsteams beim Einsatz von BIM noch entscheidender als bisher: Gibt es denn Erfahrungen in dieser Methodik und welche Referenzen liegen vor? Was kann ich und was muss ich von meinem Planungsteam verlangen? Welche Kosten sind damit verbunden?

Beauftragung von BIM
Den meisten klinischen Baumaßnahmen geht ein öffentliches Vergabeverfahren (sogenanntes VgV) voran, in dem der koordinierende Architekt und das Fachplanerteam in einem nachvollziehbaren Wettbewerb ausgewählt werden. Bereits zu diesem Zeitpunkt muss festgelegt sein, ob BIM eingesetzt werden soll. Es muss auch bereits der Umfang der BIM-Bearbeitung definiert sein, damit alle Teilnehmer kalkulieren können und vergleichbar bewertet werden können. In sehr vielen Vergabeverfahren fehlen diese Festlegungen, was die Wahl des „Richtigen“ verunsichert und die möglichen Vorteile der dreidimensionalen Planungsmethode aufs Spiel setzt.

Die Vereinigung der Krankenhausplaner AKG (www.akg-architekten.de) hat aus diesem Grund einen Leitfaden initiiert, der über die Planerauswahl für den BIM-Einsatz informiert und eine sichere Vergabegrundlage für beide Seiten anbietet, ohne das Vergabeverfahren damit zu komplizieren.

Die Grundidee wurde von Building Smart als weltweitem Entwickler von BIM fachlich ausgearbeitet und als „KIA“ (= Klinik-Informations-Anforderungen) veröffentlicht, um den BIM-Einsatz im Gesundheitswesen zu fördern. Als schmale zwanzigseitige Broschüre ist der Leitfaden über beide Institutionen erhältlich.

Sechs mögliche Elemente des BIM-Einsatzes und deren Vorteile werden in der KIA  kurz und knapp erläutert, um die Auswahl zu erleichtern. Zusätzlich werden tabellarisch der Leistungsumfang sowie der jeweilige Honorarbedarf von jedem Paket dargestellt. Da die im AKG vertretenen Klinikplaner mit diesem Leitfaden vertraut sind, kann dieser als Standard für VgV-Verfahren genutzt werden und somit eine sichere und einvernehmliche Vergabelösung schaffen.  

Sechs Pakete  
Im Paket 1 nutzt das Planungsteam die BIM-Methode, also das dreidimensionale Verfahren, ohne dass der Bauherr bzw. Betreiber sich damit beschäftigen muss. Im Idealfall hilft BIM, ein qualitativ besseres Gebäude zu gesicherten Kosten in einem definierten Zeitrahmen zu realisieren. Mit der Wahl von Paket 1 im Vergabeverfahren fallen keine Mehrkosten für das Projekt an, auch kein Mehrhonorar zur konventionellen Planungsmethode.

Im Paket 2 entwickelt das Planungsteam in enger Abstimmung mit Bauherr und  Betreiber ein technisches Raumbuch, in dem alle Qualitäten, Anforderungen, Ausstattungen, Materialien und Zahlenwerte definiert werden (z. B. maximaler Energieverbrauch; Geräteausstattung je Raum). Dieses dient als verbindliche Planungsgrundlage, wird fortgeschrieben und stellt nach Fertigstellung die Grundlage für den Bauunterhalt und die effektive Gebäudenutzung (z. B. Room-sharing) dar.

Das Paket 3 setzt die BIM-Planung für die erweiterte Visualisierung im Abstimmungsprozess ein. Oberflächen, Raumfarben, Ausstattungen, Beleuchtungen werden naturgetreu simuliert als Bilder oder als Film oder als virtuelle Durchwegung.  Damit werden Entscheidungen zwischen alternativen Ausführungen erleichtert.

Das Paket 4 konzentriert sich auf die Kostenermittlung. Die Kosten werden durch die Massengenerierung aus dem 3-D Modell erzeugt, wodurch Kostenvergleiche zwischen Entwurfsvarianten wesentlich zuverlässiger möglich sind.

Das Paket  5 nutzt das 3-D Modell für die Bauzeitplanung. Gerade bei Baumaßnahmen im laufenden Klinikbetrieb müssen komplexe Ablöseprozesse unter Beachtung von Brandschutz und Hygiene entwickelt werden, die über das 3-D-Modell besser visualisiert und mit allen Beteiligten optimal abgestimmt werden können.

Im Paket  6 werden die zahllosen Material- und Produktinformationen so abrufbereit in das 3D-Modell integriert, dass eine optimale Voraussetzung für ein wirtschaftliches Facility Management gegeben ist. Die FM-Wünsche können von Anfang an im Planungsprozess berücksichtigt und aufgenommen werden.

Es gibt noch ein Paket   7, das oft beschworene „As-built-Modell“. Hier werden alle technischen Einbauten, vom Bodengully bis zur Druckwasserpumpe als 3-D-Modell in das Gesamtmodell integriert. Dieses Ziel stellt sich momentan noch als Vision dar. Die dafür notwendige Schnittstelle zu den bauausführenden Firmen steckt noch in den Kinderschuhen. Derzeit ist diese Lösung noch nicht realisierbar, bzw. die Anbieterzahl wäre so gering, dass damit kein Wettbewerb zustande käme.   

Resümee
Die dreidimensionale Planungsmethode ist unabhängig von Werbeversprechen ein besserer Weg, um kostensicher und qualitätsorientiert zu effektiveren Baumaßnahmen zu kommen. Um für diesen neuen Weg die richtigen Planer zu finden, braucht es vor dem Vergabeverfahren die Festlegung, welche Möglichkeiten von BIM der Bauherr nutzen möchte.  

Der KIA-Leitfaden kann als Ratgeber und als Entscheidungsgrundlage für die BIM-Leistungen im Vergabeverfahren dienen. Da der Leitfaden auch auf Seiten der Planer akzeptiert wird, ist eine faire rechtssichere Vergabeauswahl für beide Seiten möglich. In dieser Weise unterstützte Verfahren ebnen den Weg zum erfolgreichen BIM-Einsatz für bessere Klinikprojekte.

Kontaktieren

AKG Bund Architekten für Krankenhaus und Gesundheitswesen im BDA e.V.
Friedrichstr. 204
10117 Berlin
Germany
Telefon: +49 30 2007 3663
Telefax: +49 30-2007 366

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