Erweiterung des Gesundheitszentrums Dielsdorf

  • Gesundheitszentrum in Dielsdorf im Kanton Zürich in der Schweiz Gesundheitszentrum in Dielsdorf im Kanton Zürich in der Schweiz
  • Gesundheitszentrum in Dielsdorf im Kanton Zürich in der Schweiz
  • Wohnung mit Modul-Nasszelle und -Küche
  • Blick in ein Pflegebad
  • Wohnen in jedem Alter; Stämpli Verlag 2018

Der Erweiterungsneubau für das Gesundheitszentrum in Dielsdorf im Schweizer Kanton Zürich, ist seit etwas mehr als einem Jahr in Betrieb. Die Pflegebereiche und Alterswohnungen im obersten Geschoss sind so gestaltet, dass die Bewohnerinnen und Bewohner sich nicht wie im Heim sondern wie zuhause fühlen können. Die Feuerprobe im Hitzesommer 2018 haben das Gebäude und die NutzerInnen gut bestanden, sowohl dank Maßnahmen wie einem guten ­außenliegenden Sonnenschutz, optimierten Fensterflächen und einer Aktivierung der Speichermasse, als auch dank dem richtigen Nutzerverhalten. Das Konzept stammt von BGP Architekten.

Gleich neben der ebenfalls von BGP (Bob Gysin Partner) Architekten realisierten Tagesstätte für Personen mit Behinderung integriert sich der Ergänzungsneubau sensibel in die Umgebung und in die bestehenden Bauten des Gesundheitszentrums. Die Fassade nimmt Themen des Bestandes auf (Lochfenster, mineralische Oberflächen) und interpretiert sie zeitgemäß. Im Innern bilden Bestand und Neubau eine symbiotische Nutzungseinheit. Sinnvolle Raumabfolgen und verbesserte funktionale Verbindungswege helfen, die internen Arbeitsabläufe zu optimieren. Die dadurch gewonnene Zeit kann für pflegerische Aufgaben und zwischenmenschliche Beziehungen genutzt werden.

Das Haus bietet auch ein attraktives Angebot für das direkte Umfeld und die ganze Gemeinde. Im Erdgeschoss befindet sich neben dem Physiotherapiebereich ein öffentliches Café mit einer Terrasse direkt neben dem großzügigen neuen Haupteingang und zusätzlichen Sitzplätzen im begrünten und schattigen Innenhof. In den beiden Sockelgeschossen gibt es einen Speisesaal, einen Veranstaltungssaal, einen Gymnastikraum, eine Bibliothek, einen Kiosk und einen Raum der Stille.

Kein Altenheim, sondern ein Zuhause
Abgesehen von den quantitativen Anforderungen muss ein wirklich nachhaltig konzipiertes Haus von den Menschen geschätzt und gemocht werden. Es muss für seine Bewohnerinnen und Bewohner mehr als nur irgendein Gebäude sein, in dem sie zufällig gerade wohnen und leben. Es braucht ein Haus, in das man immer wieder gerne zurückkommt, ein Haus, das Raum schafft für die eigenen Wünsche und Bedürfnisse – für das Bedürfnis nach Rückzug und Stille ebenso für das Bedürfnis nach Begegnung und Gemeinsamkeit, für das Bedürfnis nach Selbstbestimmtheit ebenso wie für das Bedürfnis nach Hilfe und Unterstützung.

Ein auf Nachhaltigkeit angelegtes Haus muss mehr sein als einfach nur ein Haus – es muss für seine Bewohner zu einem echten Zuhause werden.

Im Erweiterungsbau des Gesundheitszentrums werden die Pflegegeschosse durch eine wohnliche Intimität mit vielfältigen Außen- und Innenbezügen geprägt. Alle 80 Bewohnerzimmer haben eigene Bäder und durch die französischen Balkone entstehen helle und großzügige Räume, von denen man den Ausblick auf das Glattal oder nach Regensberg hat. Darüber hinaus stehen für die Bewohner eine Vielzahl von verschiedenen Aufenthaltsräumen und -bereichen zur Verfügung. Neben den hellen und offenen Essräumen in jedem Wohnbereich gibt es zusätzlich gemeinschaftlich genutzte Wohnzimmer mit schattigen Loggien.

Die öffentlichen Räume sind einladend konzipiert und Korridore sind keine reinen Verkehrsflächen, sondern schaffen durch das Angebot von Sitzecken eine Atmosphäre, die dem institutionellen Ernst des Heimalltags entgegenwirkt und Begegnungen fördert. Die inneren Wege bekommen direktes Tageslicht und werden zusätzlich über zwei fünfgeschossige Lichthöfe in der Mitte des Hauses belichtet, so dass es im ganzen Gebäude keine dunklen Gänge und Korridore gibt.

Das Bürogeschoss bietet eine flexibel bespielbare Arbeitsumgebung mit den gleichen Qualitäten wie die Pflegegeschosse. Sitznischen, Raumerweiterungen und Außenraumbezüge bieten neben spannenden Blickbeziehungen auch unterschiedlichste Begegnungsmöglichkeiten, die neben dem konzentrierten Arbeitsalltag den nötigen Ausgleich schaffen.

Haus für die Zukunft
Ein Haus zu bauen, bedeutet nicht nur neuen Raum und neue Angebote zu schaffen – es bringt auch immer eine große Verantwortung gegenüber der Umwelt und gegenüber den zukünftigen Generationen mit sich. Das Gesundheitszentrum wurde nach Minergie-Anforderungen (Schweizer Zertifizierer für nachhaltiges Bauen, Anm.d.Red.) geplant und verbraucht dadurch weniger Energie als konventionelle Neubauten. Die restliche Energie wird möglichst umweltfreundlich erzeugt. Das Warmwasser wird zum Beispiel zu 100 % mit Solarenergie erzeugt.

Wo immer möglich, wurden ökologische Baustoffe verwendet. Die Fassade wurde nicht wie sonst meist üblich gemauert oder betoniert, sondern aus vorgefertigten Holzelementen gebaut und vor Ort mit einer lediglich 18mm starken Schicht aus Glasfaserbeton verkleidet.

Die Konstruktion wurde ohne tragende Innenwände und Fassaden geplant, so dass auf die sich ändernden Bedürfnisse und Anforderungen flexibel und mit geringem Aufwand reagiert werden kann.

Vorfabrizierte Nasszellen und Modularität
Die einzelnen Nasszellen sind funktional auf die An­sprüche der Bewohner ausgerichtet und sind in neutralen Farbtönen gehalten, um Spielraum für die individuelle Aneignung zu lassen. Anstatt auf der Baustelle Waschbecken, WCs, Duschen und Armaturen zu montieren, Ablaufrohre, Wasserzuleitungen und Lüftungsstutzen einzupassen, wurden in den Pflegezimmern und Wohnungen vorgefertigte Nasszellen eingebaut. Durch die serielle Vorfabrikation konnten Kosten, Energie und Zeit gespart werden. Das großzügige Pflegebad im dritten Obergeschoss erhält über ein Fenster in den Lichthof Tageslicht, ohne direkte Einblicke zu gewähren.

Das Thema der Modularität und der Vorfabrikation wurde so weit ausgearbeitet, dass z. B. die Küchen nachträglich in die Nasszellen eingebaut wurden und mit geringem Aufwand zu einem späteren Zeitpunkt wieder rückgebaut werden können. Zusammen mit den nicht tragenden Zimmertrennwänden ist der Pflegeanteil dadurch langfristig flexibel und zugunsten von kleinen Alterswohnungen, Clusterwohnungen und anderen Wohnformen veränderbar.

Sommerlicher Wärmeschutz
Bei älteren Menschen kann Hitze schnell zu Problemen führen. Neben den pflegerischen Maßnahmen können das Gebäude und richtiges Lüften und Einsetzen des Sonnenschutzes einen erheblichen Unterschied ausmachen.

BGP versteht Nachhaltigkeit als einen umfassenden, kontextuellen und prozessorientierten Low-tech-Ansatz. Die vielfältigen Anforderungen und Aspekte des nachhaltigen Bauens – und dazu gehören angenehme sommerliche Temperaturen – sollen nicht mittels Technologie nachträglich erfüllt werden, um die negativen Auswirkungen einer gestalterischen Idee zu minimieren.

Um ein Gebäude zu planen, das den klimatischen, soziokulturellen und ökonomischen Bedingungen Rechnung trägt, gilt es am Anfang grundsätzliche Planungsentscheide richtig zu treffen. Die optimierte Orientierung einzelner Flächen und des gesamten Gebäudes, ein ausgewogener Fensteranteil, ein guter außenliegender Sonnenschutz, der Einsatz von Speichermassen, das Ermöglichen von Querlüften oder einer automatisierten nächtlichen Auskühlung und die Nutzung des Kamineffekts sind Maßnahmen, die für den thermischen Komfort mit hohem Nutzen, aber geringen Kosten verbunden sind. Erst nachdem diese „einfachen“ Fragen geklärt sind, kann es sinnvoll sein, das Gebäude mit technisch aufwendigeren Lösungen noch weiter zu optimieren.

Angenehmes Klima
Dank diesem Ansatz konnte bei der Erweiterung des Gesundheitszentrums Dielsdorf ganzjährig ein angenehmes Innenraumklima ohne Klimaanlage erreicht werden. Die Temperaturmessungen vom Hitzesommer 2018 bestätigen dies. Für den Fall von andauernden heißeren klimatischen Bedingungen wurden entsprechenden Vorkehrungen getroffen. Da bei der Planung dieser Fall bereits mitgedacht wurde, kann zu einem späteren Zeitpunkt mit geringem Aufwand ein Rückkühler zur Klimatisierung der Pflegewohngeschosse eingebaut werden.

Energiekonzept für das Gesundheits­zentrum Dielsdorf   

  • Strom: PV, hohe Eigenstromnutzung
  • Wärmeerzeugung und -abgabe: Warmwassererzeugung zu 100 % mit Solarenergie,
  • Kühlen: Prinzipiell keine Kühlung im Sommer. Technikräume werden über Multisplit-Kälteanlage gekühlt.
  • Lüftung: Kontrollierte Wohnungslüftung über zentrale Lüftungsanlage, WRG, Regulation der Gemeinschaftliche Räume durch CO2-Sensoren
  • Beleuchtung: Tageslichtsimulation in Aufenthaltsbereichen

Wohnen in jedem Alter
Die jüngste Publikation „Wohnen in jedem Alter“ von Bob Gysin Partner (BGP) geht auf verschiedene Wohnoptionen ein – vom städtischen Nutzungshybrid, über Alterssiedlungen mit Serviceleistungen, bis zu Pflegeeinrichtungen. Beispiele aus der Praxis zeigen, wie mit den heutigen Normen und Standards – energetische, betriebliche und ästhetische – geplant und gestaltet werden kann.

Die Aufgabe, so die Architekten, lautet „Wohnen in jedem Alter“ und nicht „Wohnen im Alter“. Architektur für ältere Menschen entspreche im Wesentlichen einer nicht diskriminierenden und nachhaltigen Architektur, die genauso vielfältig und differenziert wie in jedem anderen Lebensabschnitt sein solle.

Kontaktieren

Bob Gysin + Partner BGP
Ausstellungsstr. 24
8021 Zürich Swisscom
Schweiz

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