Hygiene

Schutzmaßnahmen bei Legionellen im Warmwasser

13.12.2010 - Legionellen im Warmwasser erfordern Schutzmaßnahmen, um Patienten oder Bewohner vor einer Legionelloserisiko zu bewahren. Bei hoher bis extrem hoher Belastung des Wassernetzes kann eine Leitungssanierung nicht abgewartet werden. Welche Möglichkeiten des Sofortschutzes gibt es also?

Infektionsweg und Infektionsrisiko

Eine Legionellose-Infektion entsteht, wenn ein Immungeschwächter ein legionellenhaltiges Aerosol inhaliert. Die typische Legionellenaufnahme aus dem Wassernetz bis in die Lungenalveolen geschieht unter der Dusche, am Wasserhahn mit Feinstrahlperlator, der in der Luft schwebende Feinst-Tröpfchen produziert oder durch mangelhaft aufbereitete Inhalatoren. Endscheidend sind neben der Legionellenzahl im Wasser die Serogruppe ( Serogruppe I erzeugt 90 % aller Infektionen), die Lungengängigkeit der Tröpfchen (im Nasenvorhof oder im Mund abgefangene Tropfen spielen nahezu keine Rolle) und vor allem der Immunstatus (z. B. Karzinompatient während einer Chemotherapie). Da Legionellen sich vor allem im Temperaturbereich von 30–55 °C vermehren, spielt Kaltwasser nur dann eine Rolle, wenn die Leitungen ohne Isolation neben warmen Leitungen verlegt wurden. Die in den 70/80er Jahren häufige Infektion durch Klimaanlagen besteht nicht mehr, da heute zur Befeuchtung keimfreier Dampf genommen wird.

Vor allem in Abhängigkeit von dem Immunstatus der Nutzer sollten man abwägen und festlegen, welche Nutzungseinschränkungen angebracht sind, ohne durch überzogene Maßnahmen eine Qualitätseinbuße im Alltag zu verursachen.

Maßnahmen von „extrem“ bis „kaum einschränkend“

Bei Legionellen im Wassernetz sind viele verschiedene Maßnahmen zum Schutz der Nutzer möglich. Die Spanne reicht von „Vollsperrung des Wassernetzes kalt und warm“ bis zur Vermeidung von Aerosolinhalation im Einzelfall. Als Maßnahmen mit abnehmendem Wirksamkeitsgradienten, parallel abnehmender Beeinträchtigung der Lebensumstände, seien hier auszugsweise vorgeschlagen:

  • Sperrung des Gesamtwassers

Diese Maßnahme ist absolut wirksam, kann aber verheerende Folgen haben. Dazu gehören z. B. unhygienische Zustände in nicht-gespülten Toiletten, unterlassene Körperhygiene, unzureichender Getränkekonsum, da auf Fertiggetränke ausgewichen werden muss – für ältere, aber noch selbständig lebende Menschen ein erhebliches Problem mit der Konsequenz eines erhöhten Exsikkose- und Hyperthermierisikos. Gleichzeitig keimt das stehende Wasser auf, sodass die Wiederinbetriebnahme kompliziert wird und evtl. eine Hochchlorung notwendig macht.

  • Sperrung des Warmwassers

Da bis auf wenige Ausnahmen Legionellen nur im Warmwasser zu erwarten sind, kann meist das Kaltwasser weiter betrieben werden. Toilettenspülung, Geschirrspülmaschine, Waschmaschine, Haus- und Zimmerreinigung werden normal benutzt. Kaltgetränke wie aus Pulver angesetzte Fruchtsäfte stehen ebenso zur Verfügung wie Heißgetränke, deren Wasser gekocht wird. Für Babynahrung genutztes Wasser sollte immer aufgekocht und dann auf Gebrauchstemperatur abgekühlt werden. Die Körperhygiene ist beeinträchtigt, wobei Hände-/Gesichtwaschen und Zähneputzen mit Kaltwasser für viele üblich ist – nun müssen es vorübergehend alle so machen. Zum Waschen wird auf die altbewährte Methode am Waschbecken verwiesen, das Wasser kann im Topf oder Teekessel oder mittels Tauchsieder erwärmt werden. Duschen und Baden können nur diejenigen bei Wassererwärmung mittels Durchlauferhitzer.

  • Sterilfilter

Vor den Auslass oder in den Duschkopf kann ein Sterilfilter zwischengeschaltet sein. Dabei muss aber beachtet werden, dass die Außenseite des Filters während der Standzeiten leicht mit anderen Keimen (z. B. Pseudomonaden) verkeimen kann, sodass lediglich eine Verschiebung des Risikos erreicht wird. In jedem Fall sind die Herstellerangaben zu Wechselfrequenz, Hygiene während der Montage und bei manchen Modellen Aufbereitung mit Druckdifferenzmessung penibel einzuhalten.

  • Entfernung aller Perlatoren

Das Wasser wird zwar großräumig spritzen, wenn der Hahn zu weit aufgedreht wird, aber die entstehenden Tropfen sind zu groß zur Inhalation.

  • Baden in stehendem Wasser

Das Duschen entfällt, aber die Badewanne erfüllt ihren Zweck ohne Einschränkung. Zu empfehlen ist, das Wasser erst vollständig einlaufen zu lassen und während des Badens kein Wasser nachzufüllen. Variante: Der Duschschlauch an der Badewannenarmatur wird nicht entfernt und darf nur zum Nachfüllen unter der Wasseroberfläche benutzt werden.

  • Entfernung des Duschkopfes

Beim Duschen wird mehr Wasser als üblich verbraucht, aber sonst bestehen keine Einschränkungen.

  • Duschen/ Haarewaschen mit Mund-/Nasenschutz

Der bei Operationen übliche Mund-/ Nasenschutz verhindert wirksam jegliches Einatmen von Tröpfchen. Das Gesicht kann anschließend am Waschbecken gewaschen werden.

  • Verbot des Waschens und Zähneputzens bei laufendem Warmwasser

Wer sich wäscht oder die Zähne putzt, lässt vorher das Wasser in Waschbecken und Zahnputzbecher einlaufen und nähert dann sein Gesicht dem stehenden Wasser.

Einbau aerosolfreier Duschköpfe und Perlatoren

Alle Duschköpfe und Perlatoren werden durch Modelle ersetzt, die nur noch Grobtropfen erzeugen. Dabei müssen andere Nachteile wie erhöhter Wasserverbrauch, schlechteres Abspülverhalten der Seife oder Geräuschentwicklung in Kauf genommen werden.

Diese Aufzählung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, denn bezogen auf jede Kranken- und Pflegeeinrichtungen, auf jedes Gebäude und jedes Wassernetz ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten zum Schutz der Betroffenen. Die Auflistung soll Ihre Fantasie anregen, sich Möglichkeiten der Nutzungseinschränkung zu überlegen und in Ruhe vorzubereiten.

Empfehlung

Ein mit Legionellen kontaminiertes Trinkwasserleitungssystem muss in jedem Fall saniert werden. Dies benötigt Zeit, denn vor einer thermischen Desinfektion muss das Netz mit Temperaturgradienten, Strömungsabgleich, Totsträngen und sonstigen Fehlern erfasst und technisch aktualisiert werden. Um während dieser Zeit die Bewohner und Patienten versorgen zu können, sollte die Nutzung des Trinkwassers nicht unterbunden, sondern nur um ein erträgliches und begründbares Maß eingeschränkt werden. Hierzu gehört eine Risikoanalyse, die neben der Legionellenzahl auch die Übertragungswege, die Immunkompetenz der Betroffenen und die Schwachstellen des Wassernetzes berücksichtigt. Wichtig ist auch die sachliche Information aller Betroffenen, um unnötiger Panik vorzubeugen.

Schlussbetrachtung

Spätestens bei Entnahme von Wasserproben zur Analytik in einem speziellen Trinkwasserlabor sollten sich die Hygieneverantwortlichen Gedanken machen, bei welchen Ergebnissen sie wie reagieren wollen. Sinnvoll ist hierbei die Beratung und Abstimmung mit dem Hygieniker des Untersuchungslabors, einem Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin. Viele den Übertragungsweg unterbrechenden Maßnahmen lassen sich schnell und einfach umsetzen, wenn sie vorbereitend organisiert sind, z. B. das Entfernen von Perlatoren und Duschköpfen. Andere Maßnahmen bieten sich bereits prophylaktisch vor der Probenahme an, z. B. eine Umstellung der Perlatoren und Duschköpfe, so dass kein Aerosol bzw. keine inhalierbaren Tröpfchen produziert werden.

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