Hygiene

Aufbereitung transvaginaler Ultraschallsonden: Wie halten Sie’s?

24.11.2021 - Befragung zur aktuellen Situation der Aufbereitung transvaginaler Ultraschallsonden in Klinik, Praxis und Kinderwunschzentrum.

Hygiene und Infektionsprävention sind untrennbar miteinander verbunden. Das gilt auch für die Aufbereitung von Medizinprodukten der Einstufung semikritisch, die seit längerem Gegenstand eines wissenschaftlichen Diskurses in Hinblick auf die zu gewährleistende Validierung ist. Die Relevanz der qualitätsgesicherten Aufbereitung wird beispielsweise bei Ultraschallsonden mit Schleimhautkontakt offenkundig, um das Risiko einer Übertragung von Krankheitserregern auszuschließen.

Umfrage Greifswald
Online-Befragung „Aktuelle Situation der Aufbereitung transvaginaler Ultraschallsonden
in Klinik, Praxis und Kinderwunschzentrum“
Teilnehmerkreis: Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Die anonyme Befragung dauert ca. 5 Minuten und ist abrufbar unter:
www.unipark.de/uc/Gf_UniGreifswald_Schmidt_LS/9b4e

 

Doch dem Patientenschutz stehen auch Kosten gegenüber, die es zu kalkulieren gilt, um den günstigsten Weg für eine sichere Aufbereitung zu finden. Diesem Thema nimmt sich Denise Kiefner, Universitätsmedizin Greifswald, in ihrer Dissertation an. In unserem Gespräch stellt sie erste Überlegungen vor und ruft zur Teilnahme an ihrer aktuellen Befragung auf.

M&K: Sie haben ein Studium der Zahnmedizin absolviert und stellen sich in Ihrer Dissertation dem Thema „Wirtschaftlichkeitsvergleich der Aufbereitung von Ultraschall-Sonden mittels Wipes bzw. apparativ“. Was fasziniert Sie an diesem Thema, worin liegt Ihre Motivation begründet?

Denise Kiefner: Die Verbindung ergab sich trotz des nicht zahnmedizinischen Themas zu meinem Praxisalltag. Auch hier ist die Aufbereitung von Medizinprodukten essenziell zur Unterbindung nosokomialer Infektionen und erfordert Überlegungen zum optimalen Vorgehen bei gleichzeitiger Abwägung der Sicherheit, Kosten und Nachhaltigkeit der Aufbereitung. Den Aspekt der Validierbarkeit bei der Aufbereitung zu berücksichtigen, war mir besonders wichtig, da das Voraussetzung für die Sicherheit der Aufbereitung ist.

Welche Frage- bzw. Problemstellung verbinden Sie mit dem Wirtschaftlichkeitsvergleich? Von welchem Setting gehen Sie aus und welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Kiefner: Der Wirtschaftlichkeitsvergleich ist ein wichtiger Aspekt, wobei vor allem der Zeitbedarf für die Aufbereitung im Fokus des Praxisalltags steht, weil zwischen den Patienten meist nur wenige Minuten zur Aufbereitung zur Verfügung stehen. Außerdem spielt der Kostenaspekt hinsichtlich Material- und Personalkosten eine große Rolle und wird daher in die Problemstellung miteinbezogen.

Ihre Dissertation hat ausschließlich die Aufbereitung transvaginaler Ultraschallsonden im Blick. Kommt diesen als Überträger nosokomialer Infektionen eine besondere oder gar hohe Bedeutung bei?

Kiefner: Insbesondere geht es beim Einsatz von transvaginalen Ultraschallsonden (TVUS) um die Verhinderung der Weiterverbreitung von Humanen Papillom- (HPV), Herpes-simplex- (HSV) und Cytomegalieviren (CMV) sowie von C. difficile und M. tuberculosis.

Es gibt weltweit zahlreiche Studien, die belegen, dass TVUS als Überträger nosokomialer Infektionen fungieren, besonders, weil es viele Wege einer Kontamination über das Ultraschallgehäuse, die Tastatur, die Sonde, die Schutzhülle und das Ultraschallgel geben kann. Insbesondere die Sonden waren bei Einsatz nicht viruzider Verfahren nach der Aufbereitung häufig mit HPV kontaminiert, aber auch mit HSV, CMV, Chlamydia trachomatis, Mykoplasmen und weiteren Vertretern der Schleimhautflora.

Es wurden sogar Ausbruchgeschehen z.B. durch Klebsiella pneumoniae und M. tuberculosis verursacht. Letzteres verläuft z.B. in 1,1 % der M. tuberculosis Erkrankungen in der Altersgruppe >70 Jahre als Urogenitaltuberkulose. Aufgrund zunehmender Bedeutung nichttuberkulöser Mykobakterien (NTM) sollte auch die mykobakterizide Wirkung gewährleistet sein. Daher hat die Arbeitsgruppe Angewandte Desinfektion der Desinfektionsmittel-Kommission des Verbunds für Angewandte Hygiene (VAH) im Jahr 2019 eine Mitteilung zur Aufbereitung von Ultraschallsonden mit Schleimhautkontakt veröffentlicht, die der Aufbereitung mit dem benötigten Wirkungsspektrum einschließlich Viruzidie, z.B. zur Inaktivierung von HPV, Rechnung trägt und maschinellen Verfahren grundsätzlich den Vorzug gab.

In der aktuellen Information (Oktober 2021) der für Medizinprodukte zuständigen Obersten Landesbehörden (AGMP), des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und des Robert Koch-Instituts (RKI) wird begründet, warum die abschließende Desinfektion von semikritischen Medizinprodukten mittels Wischdesinfektion kein validiertes Verfahren darstellt. Sofern noch manuell aufbereitet wird, kommt als validierbares Verfahren nur noch die Tauchdesinfektion infrage. In diesem Zusammenhang wird darauf aufmerksam gemacht, dass es empfehlenswert ist, im Rahmen der Beschaffung eines Medizinprodukts diesen Sachverhalt im Vorfeld zu berücksichtigen und maschinelle Verfahren zu bevorzugen. Insofern ist eine Kostenanalyse maschineller und manueller Aufbereitungsverfahren hoch aktuell.

Und wie steht es um die Bedeutung der Händehygiene im Rahmen der Aufbereitung?

Kiefner: Die Händehygiene ist essentiell, da die Hände bei Nichteinhaltung der Indikationen zur Händedesinfektion der Hauptübertragungsweg für nosokomiale Infektionen sind.

In der Tat, bei der Aufbereitung von transvaginalen Ultraschallsonden gibt es viele Aspekte zu bedenken sowie Angebote und Maßnahmen für die Umsetzung gegeneinander abzuwägen. Doch welche Verfahren kommen in der Praxis zum Einsatz, woran orientieren sich die Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Deutschland?

Kiefner: In der Praxis kommen maschinelle und manuelle Verfahren zum Einsatz. Maschinelle Verfahren arbeiten derzeit entweder auf der Basis von Wasserstoffperoxid oder mit UVC-Strahlung. Als manuelle Verfahren steht die Tauchdesinfektion zur Verfügung und in der Praxis werden nach wie vor auch Wischdesinfektionsverfahren eingesetzt. Der Fragebogen geht nicht nur auf die Durchführung der Aufbereitung ein, sondern auch auf das erforderliche Wirkspektrum der Aufbereitung, die Validierbarkeit von Verfahren und auf die den Praxisalltag abgestimmte Handhabung der Desinfektion in gynäkologischen Einrichtungen. Dabei können sich Fachärzte für Frauenheilkunde in Deutschland an den Empfehlungen der Kommission für Krankhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO), des BfArM, des RKI und der AGMP orientieren.

Wir danken für das Gespräch, wünschen für Ihre Dissertation viel Erfolg und rufen alle Leserinnen und Leser aus dem Fachgebiet Frauenheilkunde und Geburtshilfe auf, sich an der kurzen – für die Patientensicherheit wichtigen – Befragung zu beteiligen.

Autor: Nina Passoth, Berlin

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