Labor & Diagnostik

Chancen durch Patientennahe Sofortdiagnostik

01.03.2023 - Nicht erst seit der Corona-Pandemie werden die Zentrallabore der Krankenhäuser durch immer neue POCT-Anwendungen (Point-of-care-Testing) ergänzt.

Welche Vorteile und Möglichkeiten die patientennahe Sofortdiagnostik bietet und wo Schwierigkeiten bestehen, erläutert Christian Wagner, Geschäftsführer der Firma Radiometer.

M&K: Ein stets wachsender Kostendruck zwingt die Krankenhäuser seit Jahren Ressourcen zu sparen. Welche Unterstützungen und Lösungen bieten POCT-Systeme für die patientennahe Sofortdiagnostik?

Christian Wagner: Lösungen am Point-of-Care bieten vor allem schnelle Ergebnisse für wichtige Parameter, so dass schnelle Entscheidungen an Ort und Stelle getroffen werden können, wobei sie sich oft gleichzeitig durch eine hohe Barrierefreiheit auszeichnen, die es auch Anwendern erlaubt, sie zu benutzen. Die einfache Bedienung ermöglicht es, die Systeme gut in den Klinikalltag zu integrieren und unterstützt, zusammen mit einem zentralen Bedienermanagement und fehlerfreier Befundübermittlung, den gesamten präanalytischen und analytischen Bereich. Dies resultiert in einer Optimierung des Patientenflusses und reduziertem Dokumentationsaufwand und hilft, die Belastung für das Personal zu minimieren, um Zeit zu schaffen, für das, was wirklich wichtig ist: Die Patientenversorgung.

Neben Material, Energiekosten und Zeit stellen auch die Fachkräfte eine wichtige Ressource der Krankenhäuser dar. Wie wirkt sich der Fachkräftemangel auf den Einsatz von POCT-Anwendungen aus?

Wagner: Der Fachkräftemangel macht auch den Laboren im Krankenhaus zu schaffen, da sie vor der Herausforderung stehen, qualifiziertes Personal, insbesondere für Wochenend- und Nachtschichten, zu finden. Wir beobachten, dass Krankenhäuser daher oftmals zu Reorganisationen, oder sogar zur Schließung, ihrer Labore gezwungen werden. POCT-Anwendungen können dabei unterstützen den Fachkräftemangel zu kompensieren, da die Diagnostik vom Labor an den POC verschoben wird. So können Fachkräfte mit wenig Schulungsaufwand bestimmte Parameter direkt am POC testen und die Zeit und Ressourcen sparen, die normalerweise für eine Übermittlung ins und aus dem Labor benötigt wird.

Krankenhäuser, die für POC-Tests akkreditiert sind, müssen die Einhaltung der Normvorgaben kontinuierlich nachweisen. Die Verwaltung und Überwachung unterschiedlicher POCT-Geräte stellt eine Herausforderung dar. Welche Middleware-Lösungen bieten hier Hilfe?

Wagner: IT-Lösungen mit der Möglichkeit zur Anbindung und Integration einer breit gefächerten Auswahl der gängigen POCT-Geräte bieten Vorteile. Einerseits helfen sie dabei, alle POCT-Geräte und deren Bediener zentral zu verwalten, andererseits können sie bei der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben helfen. Die POCT-IT-Lösung AQURE verschafft dem Krankenhauspersonal eine einfache Möglichkeit der Geräteverwaltung vieler POCT-Geräte, Management von zertifizierten Anwendern, sowie deren Rezertifizierung, und automatisierte Dokumentation gemäß der Richtlinienvorgaben.

Im Rahmen der Corona-Pandemie und aufgrund des Ukrainekrieges sind im Gesundheitswesen Knappheiten und Versorgungsengpässe deutlich geworden. Welche Maßnahmen hat Radiometer ergriffen, um der Lieferketten-Problematik entgegenzuwirken?

Wagner: Unser Versprechen an Kunden und Mitarbeiter ist „Whatever comes next, we make sure Life comes first“! Unsere POCT-Lösungen für die Notfalldiagnostik spielen eine wichtige Rolle in der Diagnose von kritisch kranken Patienten. Dieses Versprechen hat uns während der Pandemie und der folgenden Versorgungsengpässe als Leitbild gedient. Als internationales Unternehmen haben wir versucht die vorhandenen Kapazitäten fair und optimal auf unsere Kunden zu verteilen. Zusätzlich wurde massiv in Kapazitätserweiterungen investiert und alle verfügbaren internen Ressourcen auf die Lieferfähigkeit konzentriert, um die maximale Verfügbarkeit unserer Produkte zu gewährleisten. Ich glaube wir haben unsere Kunden bisher sehr gut durch diese anspruchsvolle Zeit geführt. Natürlich wurden auch wir vor Herausforderungen gestellt, welche unsere Teams vor Ort bestmöglich und gemeinsam mit dem Kunden lösen konnten. Wir versuchen tagtäglich ein verlässlicher Partner für unsere Kunden zu sein.

Welche Entwicklungen erwarten Sie für den POCT-Bereich in den nächsten Jahren?

Wagner: Die Vernetzung und Digitalisierung der POCT-Landschaft werden weiter voranschreiten und zusätzliche intelligente Lösungen erfordern. Hierbei wird KI eine wichtige Rolle spielen, um die Abläufe im Krankenhaus noch effizienter und die Bedienung der POCT-Lösungen noch einfacher zu gestalten, z. B. durch präventiven Support. Die Pandemie hat uns auch vor Augen geführt, dass Krankenhäuser zur kritischen Infrastruktur unserer Gesellschaft gehören, die geschützt werden müssen. Dies bedeutet auch für POCT-Anbieter steigende regulatorische Forderungen auf der analytischen, qualitativen Seite sowie in Bezug auf IT-Sicherheit. Als Beispiel ist die ISO27001 Zertifizierung zu nennen, die wir selbst gerade erhalten haben, um die steigenden Anforderungen der IT-Sicherheit zu erfüllen. Des Weiteren ist die Minimierung der Nutzung der kostbaren Ressource Blut ein wichtiges Thema, das die POC-Diagnostik nicht vernachlässigen kann. So werden Weiterentwicklungen der vorhandenen Lösungen die schnelle Diagnostik und die Patentensicherheit fördern.  

Zur Person

Christian Wagner hat seine gesamte Karriere in der Medizintechnik und Diagnostik verbracht. Seit über 13 Jahren ist der Diplom-Ökonom in verschiedenen Führungspositionen in den USA, Dänemark und Deutschland für Radiometer tätig und ist seit 2020 Geschäftsführer der Radiometer Deutschland GmbH. Radiometer unterstützt medizinisches Fachpersonal durch vernetzte Lösungen mit einer breiten Palette von Parametern und Biomarkern bei diagnostischen Entscheidungen, die die Patientenversorgung verbessern.

Kontakt

Radiometer GmbH

Europark Fichtenhain A 4
47807 Krefeld
Deutschland

+49 2151 8933-100

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