Aus den Kliniken

DAAD fördert Deutsch-Lateinamerikanisches Forschungszentrum

24.04.2021 - Die aktuelle Corona-Pandemie führt täglich vor Augen, dass die erfolgreiche Bekämpfung von Infektionskrankheiten eine globale Herausforderung darstellt, die die Kooperation über Landesgrenzen erfordert.

Dieser Herausforderung stellt sich das neue Deutsch-Lateinamerikanische Forschungs- und Lehrzentrum zu Infektionskrankheiten, das unter gemeinsamer Führung des Instituts für Medizinische Immunologie der Universitätsmedizin Halle (Saale) im Verbund mit dem Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) und dem Institut für Virologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin aufgebaut wird. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert das „German-Latin American Centre of Infection & Epidemiology Research and Training“, kurz: GLACIER, für die kommenden fünf Jahre mit 2,8 Millionen Euro. Möglich geworden ist diese Initiative mit einer vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland bereitgestellten Sonderfinanzierung.

Das Gesundheitszentrum ist einem ganzheitlichen „One-Health“-Ansatz verpflichtet: Verschiedene Disziplinen – von Virologie über Impf- und Wirkstoffforschung bis hin zu Sozialwissenschaften – arbeiten in einer engen Kooperation mit nationalen wie internationalen Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge und Pandemie-Bekämpfung zusammen.

Angestrebt wird eine enge Partnerschaft mit wissenschaftlichen Einrichtungen in Mexiko, Kuba und Zentralamerika. An der Unabhängigen Nationaluniversität von Mexiko (UNAM) und der Universität Havanna werden jeweils zentrale Forschungs- und Ausbildungslabore entstehen. Insgesamt sind 35 Partner in acht Ländern sowie fünf weitere Expertengruppen aus Deutschland an dem Zentrum beteiligt. Zentrale Aufgaben umfassen zum einen Fragen der Pandemieentstehung und -vorsorge, zum anderen die Entwicklung von Arzneimitteln und Impfstoffen, die auch für weniger entwickelte Regionen geeignet sind.

Prof. Dr. Barbara Seliger, Direktorin des Instituts für Medizinische Immunologie der Universitätsmedizin Halle, erklärt: „COVID-19 hat gezeigt, wie wichtig Impfstoffe sind. Aber diese müssen den regionalen und sozialen Bedingungen angepasst werden. Ein auf minus 80 Grad Celsius zu kühlender, teurer RNA-Impfstoff ist keine Option für arme Länder mit schwacher Infrastruktur.“ Das Institut für Medizinische Immunologie befasst sich mit der Charakterisierung und dem Monitoring von durch Pathogeninfektionen veränderten Immunantworten, was auch eine Grundlage für die Entwicklung von Therapeutika und Vakzinen darstellt.

Prof. Dr. Jan Felix Drexler, Leiter der Arbeitsgruppe Virusepidemiologie am Institut für Virologie der Charité, erklärt: „Das rechtzeitige Erkennen neuartiger Pathogene ist maßgeblich, um Pandemien erfolgreich zu verhindern. Dies wollen wir durch eine verbesserte Infrastruktur und Datenerfassung in den Ursprungsländern erreichen.“ Entsprechend werde das Institut für Virologie neben seinen Aufgaben als gemeinsamer Projekt-Koordinator zur Erfassung und Epidemiologie bekannter und neuer Viren in Lateinamerika zum Projekt beitragen. Dabei werden mit den Partnern vor Ort auch Übertragungen von Krankheiten der Wild- und Haustiere auf den Menschen untersucht.

Das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) wird seine Expertise zur Entdeckung und Entwicklung von Wirkstoffen gegen Infektionskrankheiten, der Modifikation von Antikörpern und der Entwicklung von pflanzenbasierten, aluminiumfreien Wirkverstärker einbringen. Die Abteilung Natur- und Wirkstoffe arbeitet seit Jahrzehnten eng mit lateinamerikanischen Ländern, vor allem bei der Entdeckung Wirkstoffen gegen Infektionen aus Pflanzen und Pilzen, zusammen. Dazu Prof. Dr. Ludger Wessjohann: „Etwa zwei Drittel aller Wirkstoffe gegen Infektionen leiten sich von der Natur ab. Dieses Potenzial müssen wir weiter nutzen, um all denjenigen zu helfen, bei denen Vorbeugung und Impfstoffe aus verschiedenen Gründen nicht greifen.“

Im Bereich der wirkstoffbasierten Vorsorge arbeiten das IPB und die Universitätsmedizin Halle seit langem mit der Universität Havanna und Forschungsinstituten in Kuba unter anderem an der Verbesserung von Impfstoffen. Kuba ist das einzige lateinamerikanische Land mit eigener Impfstoffentwicklung und regional führend in der Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie Dengue – und jetzt auch von COVID-19.

Um auch Themen wie resistente Keime und neue Antibiotika oder den Einfluss von sozialen und politischen Faktoren, ökologische Veränderungen, Migration oder Ethnizität in die Analyse mit einzubeziehen, sind weitere wissenschaftliche Einrichtungen in Deutschland am GLACIER-Gesundheitszentrum beteiligt. Dazu zählen das Institut für Geschichte der Medizin der Universität Gießen, das Institut für Internationale Tiergesundheit des Friedrich-Loeffler-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, die Tierärztliche Hochschule Hannover, das Institut für Molekulare Virologie der Universität Ulm und das German Institute for Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg. Aus der Kombination der Erkenntnisse werden letztlich länderspezifische Handlungsempfehlungen und Lehrprogramme abgeleitet. Dabei gilt es, Präventions- und Bekämpfungsstrategien zu finden, die ungerechte Risiken und Belastungen benachteiligter Bevölkerungsgruppen und damit auch die Bildung latenter Krankheitsreservoirs minimieren.

Kontakt

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Wolfgang-Langenbeck-Str. 4
06120 Halle/Saale
Sachsen-Anhalt, Deutschland

+ 49 0 345 5525 170
+49 0 345 5527026

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