Gesundheitspolitik

Gemeinsam Flagge zeigen für Antibiotika

18.11.2020 - Die Universitäten Bonn und Tübingen beteiligen sich an weltweiter Aktionswoche.

Antibiotika sind nicht nur eine wichtige Waffe im Kampf gegen bakterielle Infektionen, sondern auch ein zentraler Pfeiler vieler Therapien und Behandlungen der modernen Medizin. Leider verlieren viele dieser Arzneien zunehmend an Wirkung, da Resistenzen auf dem Vormarsch sind. Auf diese brisante Entwicklung aufmerksam zu machen, ist Ziel der Weltantibiotikawoche, an der in diesem Jahr auch die Universitäten Bonn und Tübingen teilnehmen.

Die beiden Koordinatorinnen des Transregionalen Sonderforschungsbereichs (TRR) 261 „Antibiotic CellMAP“ der Universitäten Bonn und Tübingen mahnen einen sorgsamen Umgang mit den vorhandenen Arzneimitteln an. Prof. Dr. Tanja Schneider vom Institut für Pharmazeutische Mikrobiologie der Universität Bonn sagt: „Antibiotika machen viele Therapien und Behandlungen wie Chemotherapien, Transplantationen oder chirurgische Eingriffe überhaupt erst möglich.“ Prof. Dr. Heike Brötz-Oesterhelt vom Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen betont: „Antibiotikaresistenzen sind eine der größten Bedrohungen, mit denen wir heute konfrontiert sind. Es ist Zeit zu handeln!“ Auf Initiative des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Verbundes prangen seit heute Banner an verschiedenen Standorten beider Universitäten, die auf die Aktionswoche hinweisen.

Durch unsachgemäße und nicht zielgerichtete Anwendung von Antibiotika, sowie deren massiven Einsatz in der Tiermast hat sich die Ausbreitung von Resistenzen in den vergangenen Jahren zugespitzt. Infektionen mit Erregern, für die es keine wirksamen Antibiotika und damit keine Therapie mehr gibt, nehmen besorgniserregend zu. Jedes Jahr sterben 700.000 Menschen weltweit an Infektionen mit Antibiotika-resistenten Bakterien, und wissenschaftliche Prognosen sagen in den kommenden Jahren eine Vervielfachung dieser Zahl voraus. Verschärft wird diese Situation dadurch, dass es immer schwieriger wird neue, wirksame Antibiotika zu finden die diesem Trend entgegensteuern können. Die Antibiotikaforscher befürchten, dass die aktuelle COVID-Problematik die Situation eher noch verschärfen könnte, da viele schwer an COVID erkrankte Patienten zusätzlich an bakteriellen Begleitinfektionen leiden und dringend eine Antibiotikabehandlung benötigen.

Im internationalen Schulterschluss will der Bonn-Tübinger Forschungsverbund helfen, die Suche nach neuen Wirkstoffen zu forcieren und Wissenslücken in grundlegenden Prozessen der Antibiotika-Produktion und -wirkung zu schließen. Prof. Brötz-Oesterhelt erklärt: „Selbst bei seit langem angewendeten Antibiotika verstehen wir noch nicht, wie sich die Blockierung ihrer Zielstrukturen auf zellulärer Ebene auswirkt, obwohl die molekularen Interaktionen detailliert biochemisch untersucht wurden. Wir müssen mehr über diese Mechanismen herausfinden, um zielgerichtet neue Antibiotika entwickeln zu können.“

Wissenschaftler der beiden Exzellenzuniversitäten erforschen im gemeinsamen Sonderforschungsbereich die Grundlagen der vielfältigen Wirkungen von Antibiotika auf Krankheitserreger. Sie wollen lernen, was besonders gute Antibiotika ausmacht, um in Zukunft besser Wirkstoffe auswählen und entwickeln zu können. Außerdem erforscht der Verbund die wissenschaftlichen Grundlagen der Antibiotikabiosynthese, um zukünftig auch solche Wirkstoffe herstellen zu können, die sich heute noch nicht produzieren lassen.

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Universität Bonn

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