Aus den Kliniken

Jedes zweite Krankenhaus in der Schuldenfalle

07.03.2013 -

Jedes zweite Krankenhaus in Deutschland wird laut Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) 2013 rote Zahlen schreiben. In Baden-Württemberg war dies nach Angaben der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) bereits 2012 die Realität. Warum die Krankenhäuser in die Verschuldung geraten, darüber informierten heute Direktoren und Geschäftsführer von Krankenhäusern aus dem Alb-Donau-Kreis, Aalen, Heidenheim und Ulm. Sie forderten die Verantwortlichen in der Politik auf, das Finanzierungssystem, das die Kliniken in die roten Zahlen treibt, zu ändern, um die hochwertige Gesundheitsversorgung der Bevölkerung nicht zu gefährden.

Die Krankenhäuser schreiben rote Zahlen, weil ihre Kosten vor allem für Personal, Verbrauchsgüter, Energie und Haftpflichtversicherungen stetig steigen, die Kliniken im derzeitigen Finanzierungssystem dafür aber keinen angemessenen Ausgleich erhalten. Ein Beispiel: Seit 2006 sind die Tariflöhne in deutschen Krankenhäusern um 15,9% gestiegen, die Beträge, die die Krankenhäuser für ihre Leistungen erhalten, aber nur um 8,7%. „Der seit Jahren bestehende Kostendruck führt zur Reduzierung von Service und Betreuungsqualität und zu längeren Wartezeiten für Patienten, welche die Behandlung negativ beeinflussen", kritisierte Axel J. F. Janischowski, Krankenhausdirektor am Ostalb-Klinikum in Aalen, und forderte: „Die Politik muss handeln!" Die Kostensteigerungen, so fordern die Klinikleitungen, müssen im Finanzierungssystem der Krankenhäuser ausgeglichen werden.

Ein weiterer Grund für die finanziellen Probleme der Krankenhäuser sind unzureichende Investitionszuschüsse. „Wir brauchen Investitionen dringend, um vor dem Hintergrund der neuen Herausforderungen effizientere und wirtschaftlichere Strukturen realisieren zu können", erläuterte Reiner Genz, Geschäftsführer der Kliniken Landkreis Heidenheim gGmbH. Die Krankenhäuser müssen notwendige Umbauten, Sanierungen oder Neubauten aber zu immer größeren Anteilen selbst finanzieren. „Wenn die Kapitalkosten für diese Co-Finanzierung anschließend die angestrebten Effizienzgewinne mehr als auffressen, macht das Ganze irgendwie keinen Sinn mehr", so Genz. Die notwendigen Investitionen der Kliniken müssen finanziert werden, so die Forderung der Krankenhauschefs. „Baden-Württemberg hat das Investitionsvolumen in den letzten Jahren dankenswerterweise schon erhöht, dennoch ist man mit Blick auf den Investitionsstau noch weit von dem notwendigen Level entfernt", betonte Reiner Genz.

Die Universitätskliniken sind zusätzlich mit weiteren Kosten belastet. „Wir stellen für die Notfallversorgung rund um die Uhr hoch qualifiziertes Personal aller Fachrichtungen und bestens ausgestattete Räumlichkeiten zur Verfügung. Dieser Aufwand wird im Finanzierungssystem nicht berücksichtigt", erklärte Rainer Schoppik, der Kaufmännische Direktor des Universitätsklinikums Ulm. „Auch für die Versorgung von schwerstkranken Patienten oder die umfassende fächerübergreifende Versorgung, beispielsweise in Krebszentren, gibt es im Vergütungssystem, das den Kliniken Pauschalbeträge für bestimmte Krankheitsbilder zahlt, keinen angemessenen Ausgleich", so Schoppik. Zudem werden die Kosten für die Aus- und Weiterbildung von Ärzten und Fachärzten, die die Universitätskliniken für ganz Deutschland gewährleisten, nicht berücksichtigt. Hier muss Abhilfe geschaffen werden, so die Forderung.

Die Kliniken steuern dem zunehmenden finanziellen Druck entgegen, indem sie versuchen, Kostensteigerungen und unzureichende Investitionsmittel durch mehr Leistung auszugleichen. „Wir verbessern stetig unsere Organisation und den wirtschaftlichen Einsatz unserer Ressourcen. Zudem verstärken wir die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen", erläuterte Wolfgang Neumeister, Geschäftsführer der ADK GmbH für Gesundheit und Soziales. „Aber selbst die ehrgeizigsten Maßnahmen können die Mängel des Finanzierungssystems nicht ausgleichen, das von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugleich eine immer höhere Leistungs- und Veränderungsbereitschaft fordert", so Neumeister.

„Den öffentlichen Krankenhäusern geht es nicht um Profitstreben. Sie sind der Garant einer hochwertigen Gesundheitsversorgung, die sie auch in Zukunft gewährleisten wollen", fasste Prof. Dr. Reinhard Marre, der Leitende Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Ulm, zusammen. Die Klinikleiter sind sich einig: „Mehrleistung und höhere Effizienz reichen nicht aus, um aus der Kostenfalle herauszukommen und eine Kehrtwende zu schaffen. Daher müssen die Verantwortlichen endlich die Rahmenbedingungen für die Krankenhäuser verbessern."

 

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