Jenaer Schmerzforscher mehrfach ausgezeichnet

  • Der Leiter der Sektion Schmerztherapie am Universitätsklinikum Jena, Prof. Winfried Meißner, ist zum Designierten Präsidenten der Deutschen Schmerzgesellschaft gewählt worden. Foto: Michael Szabó/UKJDer Leiter der Sektion Schmerztherapie am Universitätsklinikum Jena, Prof. Winfried Meißner, ist zum Designierten Präsidenten der Deutschen Schmerzgesellschaft gewählt worden. Foto: Michael Szabó/UKJ

Gleich zwei der auf dem Deutschen Schmerzkongress überreichten Förderpreise für Schmerzforschung gehen an das Universitätsklinikum Jena (UKJ).

Die Biologin Dr. Annett Eitner wird für ihre Studie zum Schmerzempfinden von Arthrosepatienten, die zusätzlich unter Diabetes leiden, ausgezeichnet. Für Untersuchungen über die Häufigkeit und Risikofaktoren für chronische Schmerzen nach einer Intensivbehandlung wird der Psychologe Philipp Baumbach geehrt. Zudem ging ein Posterpreis nach Jena, und der Leiter der Sektion Schmerztherapie am Universitätsklinikum Jena, Prof. Winfried Meißner, ist zum Designierten Präsidenten der Deutschen Schmerzgesellschaft gewählt worden.

Mit großem Erfolg stellten Jenaer Schmerzmediziner, Physiologen und Psychologen ihre wissenschaftlichen Ergebnisse auf dem Deutschen Schmerzkongress vor, der in der vergangenen Woche in Mannheim stattfand. Jährlich diskutieren etwa 2000 Teilnehmer – Mediziner verschiedener Fachgebiete, Psychologen, Pflegende, Physiotherapeuten, Apotheker und andere – das gesamte Themenspektrum der Schmerzdiagnostik und –therapie. Die ausgezeichneten Jenaer Arbeiten machen vor allem deutlich, dass die Vorbeugung und Behandlung von Schmerzen eine fachübergreifende und patientenindividuelle Aufgabe für die moderne Medizin ist.

Diabetes verstärkt Gelenkschmerz bei Arthrose

Dr. Annett Eitner untersuchte in einem gemeinsamen Projekt von Neurophysiologen und Unfallchirurgen am UKJ Patienten, denen wegen einer schweren Arthrose mit erheblichen Schmerzen künstliche Kniegelenke eingesetzt werden mussten. Die Patienten wurden vor der Operation nach der Stärke der Schmerzen und den Einschränkungen im täglichen Leben befragt, außerdem bestimmten die Wissenschaftler die Konzentration verschiedener Entzündungsmarker im Blut und in der Gelenkflüssigkeit sowie den Entzündungsgrad der Gelenkinnenhaut. Ein Drittel der insgesamt 70 untersuchten Patienten litt unter Diabetes mellitus.

„Unerwarteterweise empfanden Diabetespatienten deutlich stärkere Gelenkschmerzen und wiesen im Vergleich zu den anderen Studienteilnehmern höhere Entzündungsanzeichen auf“, fasst Annett Eitner das Ergebnis zusammen.

„Bei der Diagnostik und Schmerzbehandlung von Patienten mit Arthrose sollte ein zusätzlicher Diabetes unbedingt berücksichtigt werden.“

Risikofaktoren für chronische Schmerzen nach intensivmedizinischer Behandlung

Etwa ein Drittel der Patienten, die wegen schwerer Erkrankungen und Verletzungen auf der Intensivstation behandelt wurden, berichtet auch ein Jahr nach der Entlassung von erheblichen Schmerzen. Das ist das Ergebnis einer Studie mit mehr als 200 Patienten, die Philipp Baumbach gemeinsam mit den Schmerzmedizinern und dem Biomagnetischen Zentrum des UKJ im Rahmen des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums für Sepsis und Sepsisfolgen durchführte. Durch die chronischen Schmerzen war die Lebensqualität teilweise deutlich beeinträchtigt.

Bei etwa der Hälfte der Patienten stellten die Wissenschaftler eine ausgeprägte Fehlfunktion dünner Nervenfasern fest, diese Patientengruppe litt stärker unter den Schmerzen. Als weitere mögliche Risikofaktoren für chronische Schmerzen nach einer Intensivbehandlung identifizierte die Studie vorbestehende Schmerzen, niedrigeres Alter, vor allem aber starke Schmerzen unmittelbar nach der Intensivbehandlung. „Ein frühes Screening auf diese Faktoren könnte dazu führen, dass gefährdete Patienten rechtzeitig erkannt werden und eine gezielte Therapie begonnen wird, um der Chronifizierung der Schmerzen entgegenzuwirken“, betont Philipp Baumbach.

Mehr Lebensqualität für die Patienten

Neben diesen zwei zweiten Preisen in der Kategorie klinische Schmerzforschung wurde eine Evaluationsstudie an der interdisziplinären Tagesklinik für Schmerztherapie des Universitätsklinikums Jena mit einem Posterpreis ausgezeichnet. Darin untersuchten Psychologen und Schmerzmediziner, ob und anhand welcher Kriterien sich die Erfolgsaussichten der multimodalen Schmerztherapie für den einzelnen Patienten vorhersagen lassen. Danach waren die Erfolge dieser Therapie bei den Patienten besonders groß, die schon sehr lange unter den Schmerzen litten und mit starken Schmerzmitteln dagegen ankämpften.

Die Mitglieder der Deutschen Schmerzgesellschaft, die als medizinische Fachgesellschaft den Kongress ausrichtet und mit rund 3.400 Mitgliedern die größte wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft im Bereich Schmerz in Europa ist, wählte den Leiter der Sektion Schmerztherapie am Universitätsklinikum Jena, Prof. Winfried Meißner, zu ihrem Designierten Präsidenten für die kommenden zwei Jahre. Er wird dann turnusgemäß in den Jahren 2021 und 2022 die Präsidentschaft der Gesellschaft übernehmen. „Die überaus positive Resonanz für unsere Kongressbeiträge ist eine Bestätigung für unsere Anstrengungen in der Schmerzforschung und -therapie. Jena zeichnet sich auf diesem Gebiet durch eine ungewöhnlich breite Zusammenarbeit zwischen Forschern und Klinikern aus den verschiedensten Fachgebieten und über Fakultätsgrenzen hinweg aus. Schmerz ist nicht eine hinzunehmende Begleiterscheinung von Krankheit oder medizinischen Eingriffen, und wir können viel tun, um die Lebensqualität unserer Patienten zu steigern“, so Winfried Meißner.

Förderpreis für Schmerzforschung: Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. vergibt den von der Grünenthal GmbH gestifteten Förderpreis für Schmerzforschung jährlich auf dem Deutschen Schmerzkongress, der in der vergangenen Woche in Mannheim stattfand. Neben den zwei zweiten Preisen an UKJ-Wissenschaftler geht der erste Preis in der Kategorie klinische Forschung an ein Wissenschaftlerteam aus Dresden und Bochum. Mit den Preisen für Grundlagenforschung werden Wissenschaftler aus Heidelberg sowie aus Essen ausgezeichnet.

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