Auszeichnungen

Kieler Wissenschaftspreis 2021 für Daniela Berg

14.09.2021 - Die Kieler Neurologin hat wesentlich zum Verständnis der Parkinsonkrankheit beigetragen und die Diagnostik entscheidend weiterentwickelt.

Am 12. September erhielt Professorin Daniela Berg den mit 10.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis 2021 der Stadt Kiel. Mit dem Wissenschaftspreis ehrt die Landeshauptstadt seit 2001 alle zwei Jahre Personen mit hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen. Die Neurologin wurde ausgewählt, weil sie das Verständnis der Parkinsonerkrankung und deren Diagnostik revolutioniert habe. „Die wissenschaftlichen Arbeiten von Professorin Daniela Berg sind international zukunftsweisend, um der Krankheit künftig individueller vorzubeugen, sie gezielt zu behandeln und auch zu heilen.“ Mit diesen Worten erklärt der Kieler Kultur- und Wissenschaftssenat unter Vorsitz von Uni-Präsidentin Simone Fulda die Nominierung von Daniela Berg.

Daniela Berg ist seit 2016 Professorin für Neurologie an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und Direktorin der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel. Sie ist leidenschaftliche Forscherin, engagierte Hochschullehrerin, erfahrene Ärztin und nicht zuletzt Mutter von zwei mittlerweile fast erwachsenen Söhnen. Mit ihrem Werdegang möchte sie auch anderen Frauen Mut machen, sich für eine Karriere in der klinischen Forschung zu entscheiden. Ihr besonderes wissenschaftliches Interesse gilt der Früherkennung und Prävention neurodegenerativer Erkrankungen, insbesondere Parkinson. Im Zentrum ihrer Forschung steht dabei die Entdeckung von Biomarkern und bildgebenden Verfahren, die eine möglichst frühe Diagnose dieser Erkrankungen und eine Beurteilung des Krankheitsverlaufs erlauben. Sie hat hierzu mehrere große prospektive Studien aufgebaut, zuletzt eine über 20 Jahre angelegte mit über 1200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sie nach wie vor mit leitet. Bereits Mitte der 1990er Jahre entwickelte Berg mit ihrem damaligem Mentor Professor Georg Becker eine Ultraschalluntersuchung, die sogenannte transkranielle Sonographie, mit der parkinsonbedingte Veränderungen im Gehirn zu sehen sind, noch bevor Patientinnen und Patienten an Bewegungsstörungen oder dem typischen Händezittern leiden. Es folgten umfangreiche genetische und feingewebliche Studien zur Einordnung der Veränderung. Damit hat die Wissenschaftlerin die Diagnostik und vor allem das Verständnis der Jahre bis Jahrzehnte vor Diagnose bereits erkennbaren Risiko- und Früherkennungsmerkmale entscheidend vorangebracht.

Früherkennung und Prävention von Hirnerkrankungen

Die wissenschaftlichen Arbeiten von Daniela Berg und ihrem Team haben wesentlich dazu beigetragen, dass die Parkinsonerkrankung heute völlig anders und besser verstanden wird, als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war. Ihre Erkenntnisse werden durch eine Vielzahl hochrangiger Publikationen dokumentiert, die international größte Wertschätzung genießen. Die Anerkennung lässt sich auch durch diverse hochkarätige Wissenschaftspreise aus dem In- und Ausland belegen. Zuletzt erhielt sie zusammen mit ihrem Kollegen Ron Postuma aus Montreal, Kanada, im September 2020 den Jay-Van-Andel-Award für ihre „bahnbrechenden Ansätze, Frühzeichen der Parkinson-Erkrankung zu identifizieren und daraus neue diagnostische Kriterien zu entwickeln“, wie es aus dem Van-Andel-Institut im US-amerikanischen Grand Rapids, Michigan, heißt, das den Preis vergibt. Daniela Berg und Ron Postuma haben als Leiter einer Arbeitsgruppe der Internationalen Movement Disorders Society zur Neudefinition der Parkinsonerkrankung gemeinsam Kriterien zur Frühdiagnose aufgestellt, die auf einem mathematischen Wahrscheinlichkeitsmodell beruhen und eine wichtige Grundlage für künftige Forschungsarbeiten darstellen.

Ein weiteres Ziel der Neurologin ist es, bessere individualisierte Therapieoptionen zu entwickeln. Parkinson ist nicht gleich Parkinson. Es gibt sehr unterschiedliche Formen, was Entstehungsort und Verlauf betrifft. „Wir wissen heute, dass die Parkinson-typischen Veränderungen an unterschiedlichen Stellen des Nervensystems im Körper entstehen können – zum Beispiel im Nervensystem des Darms – und sich von dort ins Gehirn ausbreiten können. Diese frühen Veränderungen zu erkennen und die Faktoren besser zu verstehen, die zu ihrer Entstehung und Ausbreitung beitragen, wird uns helfen, früher und gezielter zu therapieren. Das Ziel ist, den Krankheitsverlauf deutlich zu verlangsamen, wenn möglich zu stoppen.“

Daniela Berg studierte von 1988 bis 1994 Medizin an der Universität Würzburg und schloss dort 1996 ihre Promotion ab. Von 2002 bis 2004 führte sie Studien zum Verständnis der Entstehung der Parkinsonkrankheit in der Medizinischen Genetik in Tübingen durch. 2004 habilitierte sie sich im Fach Neurologie an der Universität Tübingen. Nach Facharztprüfung und Stationen am Universitätsklinikum Tübingen und am dortigen Hertie-Institut für klinische Hirnforschung folgte Berg 2016 dem Ruf an die CAU. Sie übernahm die Leitung der Klinik für Neurologie von Professor Günther Deuschl, der in Kiel einen Schwerpunkt für die Behandlung von Patienten mit Bewegungsstörungen und Parkinson aufgebaut hatte. Berg hat diesen Schwerpunkt weiter ausgebaut und unter anderem eine Spezial-Ambulanz für die Parkinson-Früherkennung eingerichtet.

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