29.07.2013
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Klinikum Ulm: Gemeinsam mit dem Land die Zukunft sichern

Neuer Vorstand informiert über hohe finanzielle Belastungen und mögliche Lösungen

  • Rüdiger Strehl, Prof. Dr. Thomas Wirth und Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin wollen mit dem Land zusammen einen Ausweg aus den hohen Belastungen der Ulmer Universitätsmedizin finden. (Foto: UK Ulm)Rüdiger Strehl, Prof. Dr. Thomas Wirth und Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin wollen mit dem Land zusammen einen Ausweg aus den hohen Belastungen der Ulmer Universitätsmedizin finden. (Foto: UK Ulm)

Der neue Vorstand für das Klinikum der Universitätsmedizin Ulm hat in einer ersten Bestandsaufnahme finanzielle Belastungen in Höhe von jährlich rund 15 Mio. € festgestellt. Sie ergeben sich aus dem Zusammenwirken verschiedener Entwicklungen, darunter vor allem die unzureichende Finanzierung der Krankenhäuser und die zu hohe Anzahl von Bau- und Sanierungsprojekten, die das Universitätsklinikum selbst finanziert hat. Diese Belastungen können trotz hoher Leistungen nicht vollständig erwirtschaftet werden. In gemeinsamer Verantwortung mit dem Land möchte das Klinikum Wege für die Zukunftssicherung der Ulmer Universitätsmedizin finden.

„Universitätskliniken müssen investieren, denn nur mit modernen Bauten, neuester Betriebs- und Medizintechnik können sie ihren Auftrag einer hochwertigen medizinischen Versorgung erfüllen, für Patienten forschen und die Ärzte und Pflegekräfte von morgen ausbilden", verdeutlichte Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin, der kommissarische Leitende Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Ulm. „Das ist in maroden Gebäuden mit veralteten Leitungen und ineffizienter Raumaufteilung weder in der erforderlichen Qualität noch mit der notwendigen Wirtschaftlichkeit leistbar", so Debatin.

Für den dringend notwendigen Neubau der Chirurgie wurde mit dem Land Baden-Württemberg ein Finanzierungsmodell entwickelt, bei dem das Klinikum einen hohen Anteil der Kosten, nämlich 119 Mio. €, übernahm und den Landesanteil von 85 Mio. € vorfinanzierte. Dieses Modell trug der Tatsache Rechnung, dass das Land seit der Föderalismusreform 2007 weniger in der Lage ist, seiner Verantwortung für die Finanzierung von Investitionen in vollem Umfang nachzukommen. Zum damaligen Zeitpunkt schien es machbar, den hohen Eigenanteil des Klinikums aus Rücklagen und über steigende Erträge zu finanzieren.

Zusätzlich zum Neubau der Chirurgie hat die Ulmer Universitätsmedizin aber seitdem weitere große Investitionen in Höhe von insgesamt rund 21,6 Mio. € selbst finanziert, u.a. für die Kinderklinik, die Apotheke, das Zentrallabor, die Zahnkliniken und die Psychosomatik.

„Wenn wir selbst etwas finanzieren, hat das hohe Folgekosten", erläutert der Kaufmännische Direktor Rüdiger Strehl.

„Wir müssen einen Kredit aufnehmen und dafür Zinsen zahlen - bei der Chirurgie auch für den von uns vorgestreckten Landesanteil. Hinzu kommen die Abschreibungen für den Wertverlust neuer Gebäude. Insgesamt belastet uns das mit knapp 10 Mio. € im Jahr", so Strehl. Alle Ratenzahlungen, die das Land für den Neubau der Chirurgie bisher erhalten hat, wurden dabei ordnungsgemäß eingesetzt.

Diese Belastungen muss das Klinikum mit der Versorgung der Patienten erwirtschaften. Das ist aber immer weniger möglich, weil die Krankenhäuser für ihre Leistungen durch ein verfehltes Finanzierungssystem nicht ausreichend Geld bekommen, gleichzeitig die Ausgaben u.a. für Personal, medizinischen Bedarf und Energie ständig weiter steigen. Die Schere, die sich hier auftut, belastet das Klinikum mit rund 5 Mio. € im Jahr. Insgesamt muss es im Jahr also rund 15 Mio. € aufbringen.

Für die Vielzahl der Eigenfinanzierungen hat das Klinikum einen Großteil seiner Rücklagen eingesetzt, die eigentlich ausschließlich für den Neubau der Chirurgie vorgesehen waren. Von ursprünglich 64 Mio. € stehen daher nur noch 17,9 Mio. € zur Verfügung.

„Was 2007 für die Finanzierung eines einzigen Projekts, nämlich den Neubau der Chirurgie, machbar schien, ist bei der Vielzahl an weiteren Eigenfinanzierungen unter den verschärften Rahmenbedingungen nicht mehr möglich. Hier hat das Klinikum sich übernommen, auch wenn jedes einzelne Projekt für sich genommen notwendig war", erklärt Rüdiger Strehl. Gleichzeitig sind weitere Sanierungen, vor allem im 25 Jahre alten Gebäude der Inneren Medizin, dringend nötig. „Die Ulmer Universitätsmedizin kann jedoch keine weiteren Eigenfinanzierungen stemmen", betont Strehl. Für das laufende Jahr rechnet das Klinikum trotz hoher Leistungen erneut mit roten Zahlen.

Auch die Medizinische Fakultät leidet unter finanziellen Engpässen: „Die Zuschüsse für die Forschung und Lehre stagnieren seit Jahren, während unsere Ausgaben, insbesondere für Personal, aber auch für Verbrauchsmittel, steigen. Unsere Forscher entwickeln neue Therapien für schwere Erkrankungen, wir bilden die dringend benötigten Ärztinnen und Ärzte von morgen aus. Dass die Medizinischen Fakultäten dazu weiterhin in der Lage sind, das wollen wir gemeinsam mit dem Land für die Bürger gewährleisten", erklärt der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Thomas Wirth.

Trotz erfreulicher Patienten- und Ertragszahlen und trotz Effizienzsteigerungen kommt die Universitätsmedizin Ulm unter den gegebenen Umständen nicht aus der Verschuldung heraus. „Wir sind leistungsstark, aber bis an die Grenzen belastet. Klinikum und Land tragen gemeinsam die Verantwortung für die medizinische Versorgung der Bürger und die Zukunft der Universitätsmedizin. Gemeinsam müssen wir daher einen Weg für die Zukunft finden", fasst Prof. Debatin zusammen.

 

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