Aus den Kliniken

Neue minimalinvasive Methode für Aortenklappenersatz

08.08.2012 -

Durch die allgemein steigende Lebenserwartung gibt es heute immer mehr Patienten mit einer gesundheitsgefährdenden Verengung der Aortenklappe. Für diese Patienten gibt es nun in Braunschweig ein neuartiges Verfahren: Die interventionelle, kathetergestützte Aortenklappenimplantation (TAVI = Transcatheter Aortic Valve Implantation).

Diese minimal-invasive Methode zur Behandlung von hochgradigen Verengungen der Aortenklappe kann ohne Eröffnung des Brustbeins am schlagenden Herzen und ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt werden.

Es stellt insbesondere bei solchen Patienten eine sinnvolle Therapieoption dar, für die der herkömmliche operative Aortenklappenersatz aufgrund von zusätzlichen schweren Begleiterkrankungen oder sehr hohem Lebensalter mit einem deutlich erhöhten Operationsrisiko verbunden ist. Bei Patienten mit normalem oder niedrigem Operationsrisiko ist der konventionelle, chirurgische Aortenklappenersatz die komplikationsärmere Alternative (weniger Schlaganfälle, weniger Blutungskomplikationen, geringere Sterblichkeit).

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie sowie die Europäische Gesellschaft für Herz- und Thoraxchirurgie empfehlen die Durchführung der kathetergestützten Aortenklappenimplantation durch ein interdisziplinäres Team in spezialisierten Zentren. Auch in Braunschweig sind wir davon überzeugt, dass nur durch eine enge Kooperation der beteiligten Disziplinen aus Kardiologie und Herzchirurgie langfristig eine erfolgreiche kathetergestützte Aortenklappenimplantation möglich ist. Im Herzzentrum am Klinikum Braunschweig wird diese neue Technik seit Ende Juli in enger Zusammenarbeit zwischen Herzchirurgie und Kardiologie durchgeführt.

Die enge Abstimmung für die Implantation im Team der zwei Herzchirurgen und zwei Kardiologen bietet optimale Voraussetzungen für die sichere interdisziplinäre Behandlung geeigneter Patienten. Die ständige Bereitschaft der Herz-Lungen-Maschine bedeutet zusätzliche Sicherheit für die Versorgung von Hochrisikopatienten und bei möglichen Komplikationen.

Das zertifizierte TAVI-Implantationsteam besteht aus zwei Chirurgen (PD Dr. Wolfgang Harringer, Chefarzt der HTG-Klinik und Oberarzt Dr. Marcel Anssar, Bereichsleiter Herzchirurgie der HTG-Klinik) und zwei Kardiologen (Oberarzt Dr. Thomas Pomykaj, Leiter Herzkatheterlabor der Medizinischen Klinik II und Oberarzt Dr. Frank Gradaus, Leiter der Intensivstation der Medizinischen Klinik II). Ergänzt wird das Team durch einen weiteren Kardiologen (Oberarzt Dr. Ulrich Lambert, Bereichsleiter Echokardiographie und kardiologische Diagnostik der HTG-Klinik) mit dem Schwerpunkt auf Patientenevaluation und -selektion für dieses Verfahren. Die Narkoseführung wird vom Bereichsleiter Herzanästhesie, Oberarzt Dr. Clemens Joch, durchgeführt. Ergänzt wird das Team durch Mitarbeiter des OP-Pflegedienstes, des Herzkatheterlabors und der Kardiotechnik.

Diese minimal-invasive Methode der Aortenklappenimplantation wird über einen kleinen Schnitt an der linken Brustkorbseite über die Herzspitze (transapikal) oder über die Beinarterien (transfemoral) des Patienten durchgeführt. Bei jeder kathetergestützten Aortenklappenimplantation muss die eigene, verkalkte Aortenklappe mit Hilfe eines Ballons aufgedehnt werden.

Anschließend wird ein Metallgerüst mit integrierter biologischer Herzklappe über einen Katheter eingeführt und auf Höhe der erkrankten Aortenklappe entfaltet (Implantation). Nach exakter Lagekontrolle unter erneuter Röntgen-Durchleuchtung wird die neue Klappenprothese im Aortenring verankert. Die Implantationen werden in Braunschweig immer in Vollnarkose vorgenommen.

Alle Patienten werden sofort postoperativ von der Beatmung entwöhnt und auf der Intensivstation überwacht. Eine lebenslange Einnahme von 100 mg ASS pro Tag sowie zusätzlich 75 mg Clopidogrel pro Tag für die ersten sechs postoperativen Monate wird empfohlen. Außerdem sollten in sechsmonatigen Abständen echokardiographische Nachkontrollen erfolgen.

Nach zwei Jahren Vorbereitung wurden nun die ersten beiden Patienten erfolgreich und ohne Komplikationen mit diesem Verfahren operiert. Betreut wurde das Implantationsteam durch einen erfahrenen Herzchirurgen aus Karlsruhe, deutschlandweit eines der führenden Zentren mit dieser Technik. "Das Team in Braunschweig gehört zu den am besten vorbereiteten, die ich in meiner langen Trainerphase erleben konnte" stellte Oberarzt Dr. Holger Schröfel, Leiter des TAVI-Teams in Karlsruhe, den Braunschweigern ein exzellentes Zeugnis aus. "Da die Patientensicherheit für uns an oberster Stelle steht, freue ich mich dass die lange Vorbereitung und das ausgiebige Training an Simulatoren und die wiederholte Probe der Abläufe bis in das kleinste Detail sich gelohnt haben", freute sich Privatdozent Dr. Wolfgang Harringer nach den beiden erfolgreichen Implantationen. "Wir konnten damit unser minimal-invasives Behandlungsangebot am Klinikum Braunschweig für Patienten mit Herzerkrankungen um einen wesentlichen Baustein erweitern", so Harringer weiter.

 

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