Aus den Kliniken

Neue Version der Nationalen Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes veröffentlicht

28.06.2023 - Die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) Typ-2-Diabetes ist überarbeitet worden und berücksichtigt nun – durch Mitwirken der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) – wesentlich mehr Aspekte für hochaltrige Patienten.

„Da jeder vierte Mensch in Deutschland zwischen 75 und 85 Jahren an Typ-2-Diabetes leidet, ist die jetzt vorliegende dritte Leitlinien-Version von besonderer Bedeutung“, sagt Privatdozent Dr. Andrej Zeyfang, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Altersmedizin und Diabetologie an der Medius-Klinik in Ostfildern-Ruit sowie Leiter der DGG-Arbeitsgruppe Diabetes.

Er hat zusammen mit Privatdozentin Dr. Anke Bahrmann, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Geriatrie und Pflege der Deutschen Diabetesgesellschaft, wichtige Leitlinieninhalte für ältere Menschen mit Typ-2-Diabetes beigesteuert. Wie diese Erkrankung diagnostiziert werden soll und für wen eine Früherkennung sinnvoll sein kann, haben die Autorinnen und Autoren der NVL in den nun überarbeiteten Kapiteln beantwortet.

Vor allem Aspekte rund um die Themen Frailty, also Gebrechlichkeit, Lebensqualität, Demenz und Depression sind in der neuen Leitlinienversion erstmals berücksichtig worden. „Wir haben zudem genau aufgeschlüsselt, welche Faktoren schon bei der Anamnese eine Rolle spielen sollten. Wir zeigen, auf welche geriatrischen Syndrome geachtet werden soll und wie das geriatrische Assessment anzuwenden ist“, erklärt Zeyfang. „So können Diabetologen hier sehr viel zu den Besonderheiten bei der Behandlung hochaltriger Menschen lernen“, sagt Zeyfang. Auch soll mit wiederkehrenden Missverständnissen aufgeräumt werden: „Gewichtsreduktion bei Frailty ist definitiv unerwünscht“, nennt Zeyfang ein Beispiel. Auch sind konkrete Handlungsanweisungen wie Demenztestung, Abschätzung des Sturzrisikos oder der Geldzähltest erstmalig in dieser nationalen Diabetes-Leitlinie enthalten – zur besseren Einschätzung der Fähigkeit, Insulin selbst zu spritzen.

Themenbereiche Epidemiologie, Screening und Diagnostik neu überarbeitet

Wichtig ist Zeyfang und Bahrmann auch, dass neue Aspekte rund um Diagnostik und Screenings in die NVL eingeflossen sind: „Anders als früher sollten wir uns bei der Diagnose nicht mehr nur auf einen zentralen Wert beschränken, sondern mindestens einen weiteren –wenn nicht gar mehrere – Diagnosewerte mit einbeziehen. Die entsprechenden Laboruntersuchungen ermöglichen dies. So verhindern wir Unter- wie auch Überdiagnosen“, sagt Anke Bahrmann. Übergeordnetes Ziel des Screenings und der Diagnostik ist dabei, die Stoffwechselstörungen zu erkennen, deren Therapie einen relevanten Vorteil für die Betroffenen bringt. Als Ergebnis eines intensiven Abstimmungsprozesses stellen die Leitlinienautorinnen und -autoren einen neuen Diagnosealgorithmus vor und sprechen Empfehlungen zum Screening und zur Diagnostik für Personengruppen mit unterschiedlichem Diabetesrisiko aus.

Diese Untersuchungen eignen sich für eine frühzeitige Diabetes-Erkennung

Wurde ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert, sind regelmäßige Untersuchungen auf Folge- und Begleiterkrankungen wichtig. Welche Untersuchungen sich für die frühzeitige Erkennung eignen und wie oft sie erfolgen sollen, stellt die Leitlinie in zwei Tabellen dar. Die 2021 veröffentlichten Kapitel wurden von der Leitliniengruppe geprüft und bestätigt. Neue Evidenz zur medikamentösen Therapie stützt sowohl die Therapiewahl nach kardiovaskulärem Risiko als auch die vorgeschlagenen Substanzen in der nächsten Therapiestufe. Die Empfehlungen, Tabellen und Algorithmen bleiben weiter gültig. Bei der Überwachung auf Nebenwirkungen und Komplikationen fanden in der NVL auch aus geriatrischer Sicht wichtige Empfehlungen Platz: „Die Aufnahme der Arzneistoffe Metformin und sogenannter SGLT-2-Hemmer sollte an den Tagen pausiert werden, an denen Betroffene anderweitig krank sind, zum Beispiel bei Grippe oder Durchfällen“, sagt Zeyfang. Weitere Kapitel wie die nicht-medikamentöse Therapie und Folgeerkrankungen werden nun zeitnah bearbeitet und ergänzt. Auch hier ist die DGG einbezogen und hat bereits Beiträge eingebracht.

Kontakt

Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e. V.

Kunibertskloster 11–13
50668 Köln

+49 221/1629-2350

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