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Wie Demenzerkrankte in der Langzeitpflege besser sozial integriert werden

17.08.2022 - Das Leben in einer Langzeitpflegeeinrichtung kann demenzerkrankte ältere Menschen vor große Herausforderungen stellen: Ihr Alltag wird reglementiert und kontrolliert durch Fachpersonal.

Oft können sie nicht mehr an wichtigen Aktivitäten innerhalb und außerhalb ihrer Einrichtung teilnehmen. Dadurch erfahren sie soziale Ausgrenzung auf vielfältige Weise – in den vergangenen Jahren sogar verstärkt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Der Psychologe Professor Feliciano Villar von der Universität Barcelona setzt sich mit seiner Forschungsarbeit dafür ein, die Teilhabe dieser Menschen am sozialen und gesellschaftlichen Leben zu verbessern. „Wir müssen unsere Erwartungen an die Art der Pflege, die wir hier für akzeptabel halten, überdenken. Nur so können wir die Situation auch positiv ändern“, sagt er. Mit welchen konkreten Maßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen das gelingen kann, präsentiert Villar in seiner Keynote-Lecture beim gemeinsamen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG), der vom 12. bis 15. September in Frankfurt am Main stattfindet.

Villar unterscheidet drei Ebenen, in denen die Aktivitäten von Demenzerkrankten in der Langzeitpflege verbessert, beziehungsweise gefördert werden könnten: Selfcare, Teilhabe und Entscheidungsfindung bei Aktivitäten innerhalb der Einrichtung sowie Bürgerbeteiligung in der Gemeinschaft. „Demenzerkrankte sollen in die Lage versetzt werden können, mehr Kontrolle über Aktivitäten zu haben, die ihre Selbstpflege betreffen“, unterstreicht der Psychologe. Dafür wird er unter anderem ein positives Beispiel aus seiner Forschung anführen, bei dem Menschen mit Demenz bei ärztlichen Gesprächen über ihre weitere Behandlung mit involviert wurden. „Das hat auch enorme Auswirkungen auf die Sichtweise des Personals“, ergänzt er. Auch bei der Teilhabe an Aktivitäten in den Pflegeeinrichtungen sieht Professor Villar Potenzial. So könnten betroffene Bewohner oder Bewohnerinnen zum Beispiel mehr bei der Gestaltung von Veranstaltungen wie Konzerten involviert werden, indem auch ihre Präferenzen und Wünsche mitberücksichtigt werden.

Warum Demenzerkrankte auch mehr Bürgerrechte wahrnehmen sollten

„Pflegebedürftigen mit Demenz sollten die gleichen Bürgerrechte zugestanden werden, zum Beispiel sollten sie ihr Recht zu wählen wahrnehmen können“, sagt Villar. Auch die Mitgliedschaft in Organisationen oder Verbänden außerhalb der Pflegeeinrichtung sollte gefördert werden, um individuellen Interessen nachgehen zu können. „Diese dritte Ebene der bürgerlichen Teilhabe ist sicherlich am schwierigsten umzusetzen. Ich glaube aber, dass Verbesserungen auf den ersten beiden Ebenen der Teilhabe auch den Weg dorthin vereinfachen, weil die Betroffenen dadurch selbstständiger und selbstbewusster werden, um auch außerhalb ihrer Einrichtung aktiv zu werden.“ Um diese Maßnahmen umzusetzen, bedarf es natürlich auch struktureller Veränderungen: zum Beispiel kleinere Langzeitpflegeeinrichtungen, die eine personenzentriertere Pflege unterstützen.

Zur Person:

Professor Feliciano Villar ist Psychologe an der Universität Barcelona. Seine Forschungs- und Lehrtätigkeit konzentriert sich seit vielen Jahren auf die Psychologie des Alterns. Insbesondere befasst er sich mit den Themen Generativität, Teilhabe und soziale Eingliederung älterer Menschen sowie mit den Bereichen personenzentrierte Pflege, Rechte und Humanisierung der Pflege für ältere Menschen, insbesondere für diejenigen, die von sozialer Ausgrenzung bedroht sind. Villar ist Generalkoordinator des interuniversitären Masterstudiengangs Psychogerontologie, der gleichzeitig an den Universitäten von Barcelona, Valencia, Santiago de Compostela und Salamanca angeboten wird. Er ist Mitglied der Spanish Society of Geriatrics and Gerontology.

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