Digitalisierung als Klinikstrategie

Die Digitalisierung verspricht Lösungen für einen Großteil der derzeitigen Herausforderungen in deutschen Krankenhäusern.

Eine Vielzahl an Schnittstellen und Brüchen in den Dokumentations- und Leistungserfassungsprozessen werden digitale Anwendungen beheben, den Fachkräftemangel werden digitale Lösungen durch die Automatisierung bislang personalintensiver Abläufe lindern, und auch die medizinische Qualität wird durch Assistenzsysteme für Diagnostik und Therapie weiter steigen. Die Digitalisierung stellt damit die größte strategische Chance und gleichzeitig Herausforderung für Krankenhausentscheider im kommenden Jahrzehnt dar.

Für das einzelne Krankenhaus ist die Digitalisierung aktiv strategisch zu gestalten. Damit muss sie als Entscheidungsfeld sichtbar in die Krankenhausstrategie integriert werden. Eine umfassende Krankenhausstrategie trifft bislang im Idealfall Aussagen in den folgenden Gestaltungsfeldern:

  • Marktpositionierung: Hier werden strategische Entscheidungen zum Verhalten gegenüber Patienten, Angehörigen, potentiellen und aktuellen Mitarbeitern, Wettbewerbern und Kostenträgern getroffen. Dabei steht die Entwicklung von Alleinstellungsmerkmalen hinsichtlich der Kundenorientierung – wie z. B. die Entwicklung eines einzigartigen Beratungsangebots – oder der Aufbau einer attraktiven Arbeitgebermarke im Vordergrund.
  • Medizin- und Pflegestrategie: Hier werden Festlegungen zum medizinisch-pflegerischen Leistungsspektrum hinsichtlich der Dimensionen Qualität, Innovativität, Quantität und Vernetzung (z. B. Zentrumsbildung) formuliert. Es werden im Idealfall Alleinstellungsmerkmale im Leistungsspektrum entwickelt.
  • Ressourcenstrategie: Dieses Element beinhaltet strategische Entscheidungen in den Gestaltungsfeldern Personal, Sachmittel, (Gebäude-)Technik, Bau sowie Organisation und Prozesse. Verfügt ein Krankenhaus über einzigartige Ressourcen – wie z. B. vollständig aufeinander abgestimmte Prozesse, kann dies ebenfalls ein Alleinstellungsmerkmal darstellen.
  • Performancestrategie: Komplettiert wird die Strategie eines Krankenhauses durch Ziele zur Produktivitätsentwicklung, Erlös- und Kostenentwicklung sowie durch Entscheidungen zur Finanzierung strategischer Vorhaben.

Die einzelnen Elemente einer Krankenhausstrategie bedingen einander bzw.

bauen aufeinander auf. Die Digitalisierung wird nun in jedem der vier Gestaltungsfelder Auswirkungen zeigen: Die Marktpositionierung wird bereits heute durch Bewertungsportale und Big-Data-Auswertungen der Kostenträger beeinflusst. Der Einsatz von Telemedizin, von digitalen Assistenzsystemen für Diagnostik, Therapie und Pflege sowie die zunehmende automatische Befunderstellung und -übermittlung durch Medizintechnik werden das medizinisch-pflegerische Leistungsangebot deutlich verändern.

Investitionen in die IT-Infrastruktur, werden die Ressourcen- und Performancestrategie in den kommenden Jahren beherrschen.

Für den Krankenhausentscheider stellt sich damit die Frage, ob die Digitalisierung als eigenständiges Element – im Sinne einer Digitalisierungsstrategie – zu behandeln oder in die vier bestehenden strategischen Gestaltungsfelder zu integrieren ist. Die Autoren empfehlen auf der Basis einer Vielzahl von strategischen Projekten einen Mittelweg: Zunächst sollten die digitalen Ziele und strategischen Maßnahmen in die bestehenden Strategieelemente integriert werden. Dies führt dazu, dass strategische Initiativen in der analogen Welt – z. B. Einführung einer neuen Behandlungsmethode – und digitale Entwicklungsmaßnahmen nicht losgelöst voneinander entschieden bzw. von den Mitarbeitern als miteinander verknüpft erkannt werden (können). Gleichzeitig sind die Digitalisierungsziele und -initiativen innerhalb der Strategie aber besonders zu kennzeichnen bzw. hervorzuheben. Hierdurch wird es bei Bedarf möglich, die gekennzeichneten Strategieelemente im Sinne eines „Masterplans Digitalisierung“ herauszulösen und damit den digitalen Fortschritt auf einem Blick zu verdeutlichen.

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