„Solidarität im Gesundheitswesen ist kein veraltetes Prinzip, sondern Grundwert einer humanen Gesellschaft", ist Prof. Dr. Jörg F. Debatin, Chef des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) überzeugt. Nur in einer intakten Gesundheitslandschaft lässt sich dieses Prinzip umsetzen.
Ihm und seiner Führungsriege gelang, was die Basis für gemeinwohlorientierte Handeln ausmacht: Er führte das UKE in 6Jahren aus den roten Zahlen zur schwarzen Null. Und das in schwierigem Klima, gekennzeichnet von Konvergenzphase, Ausgabensteigerungen, schlechter Arbeitsmarktlage und der weltumspannenden Wirtschaftskrise.
Mit dem Ziel vor Augen, aus dem UKE einen „Gesundheitspark Eppendorf" zu entwickeln und mit einer Mitarbeiterschaft, die bereit ist, mitzutun, entstand aus visionärem Denken ein baulicher Masterplan für Forschung, Lehre und Krankenversorgung den man Schritt für Schritt in nur fünf Jahren umsetzte. Er fand mit der Einweihung des neuen UKE im Dezember 2008 sicherlich seinen Höhepunkt.
Technisch, personell und infrastrukturell hervorragend ausgestattet sowie europaweit konkurrenzfähig, bietet damit das neue UKE als wesentlicher Teil des „Gesundheitsparks Eppendorf" die Chance, Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Ein weiterer Teil beschreibt Gesundheitsdienstleistungen, die der Patient auf dem UKE-Gelände wird nutzen können: So entstand bereits eine Facharztklinik mit ca. 80 Ärzten verschiedenster Disziplinen. Ende Mai wurde mit dem Bau eines Vier-Sterne-Hotels der Dorint Hotel & Resorts begonnen. So wird die Brücke zwischen sozialem Denken und ökonomischen Herausforderungen immer stabiler.
So bietet das Uniklinikum mit der UKE Consult und Management GmbH - kurz UCM -Beratungsleistungen an, die sich aus dem Know how aus der eigenen strategischen Neuausrichtung rekrutieren.
Ulrike Hoffrichter: Welche Richtung sollte die Politik einschlagen, damit zum einen das solidarische Gesundheitssystem gestärkt wird, zum anderen die Leistungserbringer ihr unternehmerisches Denken festigen können?
Prof. Dr. Jörg F. Debatin: Solidarität der Gesunden mit den Kranken muss die stabile Grundlage unseres Gesundheitssystems bleiben. Denn schließlich gilt für mich als Arzt, dass ich jeden hilfesuchenden Patienten gleich behandeln möchte. Da der Ausgleich zwischen arm und reich nicht Aufgabe des Gesundheitssystems ist, bedeutet das eine Entkoppelung der Gesundheitskosten von den Lohnnebenkosten bei gleichzeitiger Organisation des notwendigen Sozialausgleiches über Steuermittel. Darüber hinaus tut die Politik gut daran, den bereits vor einigen Jahren eingeschlagenen Weg, hin zu mehr Wettbewerb und Qualitätstransparenz im Gesundheitswesen fortzusetzen. Aufgrund des Wettbewerbs, insbesondere im Krankenhauswesen und der damit einhergehenden Möglichkeit, dass Patienten sich zwischen verschiedenen Krankenhäusern frei entscheiden können, ist die Medizin ein erhebliches Stück besser geworden.
Nicht nur mit dem Belegkrankenhaus, in dem sich etwa 80 Fachärzte engagieren, beschritt das UKE einen ungewöhnlichen Weg; auch mit dem Bau des Vier-Sterne-Hotels wird dieser Weg fortgesetzt. Wie könnte das UKE in 10 Jahren aussehen, wenn diesem Weg weiter gefolgt würde. (Hintergrund der Frage: Was gehört weiterhin zu einem Krankenhaus/ zum UKE der Zukunft? Was soll des Weiteren zum Gesundheitspark Eppendorf gehören)
Als Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf konzentrieren wir uns auf das, worin wir gut sind. Unter Motto heißt schon längst nicht mehr „Wir können und machen alles"; vielmehr sagen wir heute, „Was wir machen, machen wir besser als die Anderen". Als UKE konzentrieren wir uns auf die Behandlung komplexer Behandlungen, bei denen wir unsere Stärke, die fach- und berufsübergreifende Zusammenarbeit in besonderer Weise ausspielen können. Dies gelingt beispielsweise in ganz hervorragender Weise in unserem Hubertus-Wald-Tumor-Zentrum, das aufgrund der dort praktizierten, sehr intensiven fachübergreifenden Zusammenarbeit, erst kürzlich von der Deutschen Krebshilfe als Onkologisches Spitzenzentrum ausgezeichnet wurde. Um das UKE herum versuchen wir auf unserem Gelände andere Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen anzusiedeln. Gelungen ist dies mit der Facharztklinik Hamburg, einer der größten Belegarztkliniken in Deutschland mit über 80 Ärzten, die dort hervorragende Medizin für weniger schwer erkrankte Patienten anbieten. Auch sind wir sehr froh, dass das Reha-Centrum Hamburg auf unseren Campus gezogen ist, um ambulante, teilstationäre und stationäre Rehaleistungen für Patienten nach deren stationärer Entlassung anzubieten. Wir wünschen uns weitere Ergänzungen hin zu einem tatsächlichen Gesundheitspark, wo Patienten die gesamte Palette der Gesundheitsdienstleistungen, von der Behandlung einer Grippe bis hin zur Organtransplantation und der sich anschließenden Rehabilitation in höchster Qualität erhalten können.
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