Zur fachgerechten Behandlung chronischer Wunden müssen die auslösenden Ursachen therapiert und entsprechende Reinigungsmaßnahmen an der Wunde durchgeführt werden.
Von primärer Wundheilung spricht man bei einem unkomplizierten Heilungsverlauf, wie er meist bei glatten Wunden wie etwa Schnitt- oder Stichwunden vorkommt, bei denen die Wundränder eng aneinander liegen und sich keine Fremdkörper in der Wunde befinden. Chronische Wunden entstehen hingegen stets durch eine sekundäre Wundheilungsstörung und beruhen auf Durchblutungs- und Ernährungsstörungen des Hautgewebes, was zum fortschreitenden Zelltod und zur Nekrosebildung führt. Als Ursachen kommen das Ulcus cruris (venosum und arteriosum, mixtum), Dekubitalulkus, Diabetisches Fußsyndrom (DFS), Lymphödem und ulzerierte Tumoren infrage.
Wundbehandlung: situativ, phasengerecht, individuell
Keine Wunde ist wie die andere, deshalb sind eine gute Anamnese und die Beurteilung der Wunde unerlässlich. Ebenso wichtig ist es, die verschiedenen Arten der Wundbehandlung und ihre Anwendungsbereiche zu kennen.
Wundreinigung: neutral oder antiseptisch
Verschmutzte Wunden werden durch Spülung gereinigt. Als neutrale Lösungen werden in der Regel sterile NaCl-0,9 %- oder Ringerlösung verwendet. Leitungswasser wird nicht empfohlen, da es mikrobiologisch kontaminiert sein kann. Wird ein Sterilwasserfilter verwendet, kann es zum Spülen der Wunde verwendet werden. Infizierte Wunden werden mit Antiseptika behandelt. Bei infektionsgefährdeten Wunden kann Polihexanid verwendet werden, da es auch über einen längeren Zeitraum angewendet werden kann. Octenidin ist Mittel der ersten Wahl bei Wundinfektionen, inklusive aller multiresistenten Erreger. PVP-Jod eignet sich durch das breite Spektrum ebenfalls, sollte allerdings wie Octenidin nur kurzfristig angewendet werden.
Trockene oder feuchte Wundversorgung
Die trockene Wundversorgung findet Anwendung in der Ersten Hilfe und bei primär heilenden Wunden. Endständige Nekrosen (Unterstützung der Mumifizierung) und Tumorwunden (Biopsie TU-positiv) dürfen nur trocken versorgt werden, da die feuchte Wundbehandlung das Zellwachstum fördert.
Eine chronische Wunde soll grundsätzlich feucht und warm gehalten und vor äußeren Einflüssen geschützt werden.
Dabei soll der Verband Schmerzen verhindern, lindern und bequem sein und den Exsudationsstadien angepasst werden. Die Materialien sind idealerweise möglichst breit kombinierbar.
Was kann ein idealer Wundverband?
Die Anforderungen an einen Wundverband sind vielfältig. Im Idealfall kann er ein feuchtes Wundmilieu im Wundbereich aufrechterhalten, überschüssiges Exsudat und toxische Bestandteile entfernen, den Gasaustausch gewährleisten, die Wunde thermisch isolieren, durch Undurchlässigkeit für Mikroorganismen von außen einen Schutz vor Sekundärinfektion bieten, einen atraumatischen Verbandwechsel ermöglichen und weder Fasern noch andere Fremdstoffe abgeben.
Wundareale und Verbandmittel
Eine Wunde wird in verschiedene Wundareale unterteilt: den Wundgrund, den Wundrand und die Wundumgebung. Entsprechend den Arealen finden die Mittel zur Wundheilung ihren Anwendungsbereich: Verbandstoffe zur Wundabdeckung (mit oder ohne [Semi-]Okklusion), Wundfüller, Wundreinigungslösungen und Mittel zum Wundrandschutz und zur Hautpflege.
Wundreinigung
Bevor eine Wundtherapie durchgeführt wird, muss eine Wundreinigung erfolgen. Ziel ist es, die chronische Wunde in eine akute Wunde zu überführen. Hier stehen unterschiedlich Verfahren zur Verfügung. Nekrosen, Fibrinbeläge, Biofilme müssen entfernt werden. Das chirurgische Debridement stellt hier die schnellste Form dar, ist allerdings nicht immer schonend für den Patienten. Eine weitere Möglichkeit ist das scharfe Debridement (mit Skalpell, Kürette, scharfem Löffel). Weitere Verfahren sind die mechanische Wundreinigung, Nass-Trocken-Phase, Spülungen der Wunde, autolytische oder enzymatische Wundreinigung. Welches Verfahren gewählt wird, ist individuell abhängig.
Feuchte Wundbehandlung
Die Zuordnung der lokaltherapeutischen Möglichkeiten erfolgt grundsätzlich nach den jeweiligen Wundstadien. Dabei ist entscheidend, ob sich die Wunde in der Reinigungs-, Granulations- oder Epithelisierungsphase befindet. Aber zusätzlich müssen der Exsudationsgrad, mögliche Infektionen und sonstige Probleme der Wunde individuell berücksichtigt werden.
Für die feuchte Wundbehandlung stehen verschiedene Präparate zur Verfügung: Alginate, Hydrogele, Hydrofasern, Hydrokolloide, Hydrokapillarverbände, Schaumstoffe/Hydropolymere - PU/Polyurethanschaum, Folienverbände, Wundrandschutz, silberhaltige Wundauflagen, silberhaltige Verbandstoffe, geruchsreduzierende Verbandstoffe, Silber-Aktivkohle, PHMB (Polyhexamethyl-Biguanid).
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