Digitale Pathologie kann unmittelbar ineffektive Strukturen eines bestehenden Workflows beseitigen bzw. neue effizientere Prozesse für den bestehenden Workflow ermöglichen, die mit Objektträgern nicht möglich waren. Diese Strukturen müssen individuell identifiziert und schrittweise verbessert werden.
Beispiel Tumorkonferenz, Vorbereitung und Durchführung: Tumorkonferenzen erfordern die Zusammenarbeit zwischen Ärzten verschiedener Fachrichtungen, um einen interdisziplinären Konsens unter Berücksichtigung von Diagnosestellung und Therapieentscheidung eines Patienten herzustellen. Derzeit sind die Vorbereitung und Durchführung von Tumorkonferenzen insbesondere für Pathologen zeitaufwendig und beschwerlich. Sie binden zeitliche und personelle Ressourcen.
Das Suchen und Zusammenstellen von Befunden und Objektträgern für typische Konferenzfälle nimmt in der Regel mehrere Stunden pro Woche in Anspruch. Ebenso die Aufbereitung durch den Pathologen, z.B. die fotografische Dokumentation wichtiger histologischer Gewebestrukturen, die in den Tumorkonferenzen vorgestellt werden sollen.
Die digitale Pathologie kann diesen Prozess erheblich rationalisieren und die Effizienz der Vorbereitung und Durchführung von Tumorboards erhöhen. Ein digitales Pathologiesystem mit seinen gescannten, und deshalb unmittelbar auffind- und verwendbaren Bildern und Daten senkt die Vorbereitungszeit drastisch und ist im hohen Maße flexibel.
Digitalisierte Objektträger verbesserten die Präsentation selbst, indem sie eine qualitativ hochwertige Visualisierung bieten. Verwendet man die in manchen Systemen integrierten Konferenzfunktionen, können Ärzte von außerhalb teilnehmen, bzw. interdisziplinäre Konferenzen effektiv vom jeweiligen Arbeitsplatz der Teilnehmer aus durchgeführt werden, wobei alle Teilnehmer in der Lage sind, das gesamte Bildmaterial zu sehen.
Der Weg der Entwicklung
Basis aller Anwendungen ist die Digitalisierung des Objektträgers. Dass sich die digitale Pathologie durchsetzen wird, erscheint offensichtlich. Fraglich sind jedoch der Weg und die Geschwindigkeit ihrer Realisierung. Derzeit nutzen bereits viele pathologische Einrichtungen und Forschungsorganisationen weltweit Systeme der digitalen Pathologie bei ihrer Arbeit.
Ausdruck der wachsenden Einsatzmöglichkeiten der digitalen Pathologie ist derzeit die wachsende Zahl bekannter und großer Vertreiber Systemen der digitalen Pathologie im Bereich der Medizintechnik. Der Druck des Angebots an die Pathologen erhöht sich. Generell bieten die Systeme die Digitalisierung der Objektträger und die Bildverwaltung an. Derzeit wird auch an der Bilderkennung gearbeitet.
Die ersten Anwender dieser Technologie waren häufig in der Arzneimittelforschung oder der präklinischen Entwicklung von Bio-Arzneimitteln tätig, wo mithilfe der automatisierten Bildanalyse, die mit den digitalisierten Objektträgern durchgeführt wurde, die Studienzyklen der Arzneimittel von Monaten auf Wochen oder Tage reduziert werden konnten, was sich daher als rentable Investition entpuppte. Diese Verkürzung der Studienzyklen und die resultierenden Einsparungen rechtfertigten leicht die Anschaffung und Betriebsausgaben dieser Systeme.
Der Nachweis und die Quantifizierung eines klaren Return on Investment in der Patientenversorgung ist schwerer zu erfassen. Was rechtfertigt die Ausgaben für diese Systeme, wo doch das Mikroskop ein unglaublich effektives Instrument ist und ein Pathologe präparierte Gewebeproben auf einem Glas-Objektträger schnell, geschickt und sicher begutachten und befunden kann, gegebenenfalls schneller als einen gescannten digitalisierten Objektträger auf dem Bildschirm?
Was sind die Hemmnisse in der Anwendung?
Zum einen wird die digitale Pathologie behindert durch die übliche Fokussierung (sowohl seitens der Verkäufer als auch der potentiellen Nutzer) auf Gerät, Merkmale und Funktion, z.B. wie schnell arbeitet ein Scanner, wie viele Objektträger scannt er pro Zeiteinheit, ob die Bild-Management-Software webbasiert ist etc. Auch wenn es wichtig ist, dass ein System der digitalen Pathologie digitalisierte Objektträger-Bilder von sehr hoher Qualität und mit hoher Geschwindigkeit erstellt, schaffen diese Merkmale nicht von sich aus einen Wert für das Pathologische Institut. Das Ergebnis einer solchen Betrachtung können Tausende ausgezeichnete Scans sein. Von entscheidenderer Bedeutung ist jedoch, was mit den digitalisierten Objektträgern gemacht wird.
Zum anderen spielt auch die falsche Auffassung eine negative Rolle, dass eine Anschaffung in der digitalen Pathologie nur im Falle einer vollständigen Verwendung aller möglichen Funktionen dieser Systeme sinnvoll sei - d.h., wenn der klassische Mikroskop-basierte Workflow komplett durch die Verwendung von gescannten Objektträgern ersetzt wird - auch bei der Primärdiagnose. Einige Einrichtungen der Gesundheitsversorgung wie in Kalmar (Schweden), haben sich für diesen Weg entschieden und sich darauf festgelegt, einen alternativen Workflow zu entwickeln und die Möglichkeiten, die diese Systeme bieten, einzubinden. Aber für den Arbeitsablauf in der Pathologie bleibt zunächst das Mikroskop ein äußerst effektives Werkzeug. Es kann zudem verschiedene Verfahren durchführen wie die Polarisation. Dazu kommt, dass beim aktuellen Scanvermögen selbst der besten Scanner Dutzende von Maschinen erforderlich wären, um die für die Primärdiagnostik erforderliche Menge Bilder zu scannen. Unter diesen Bedingungen ist ein vollständiger Umstieg auf die digitale Pathologie heute wahrscheinlich nicht sinnvoll.
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