09.05.2016
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Internationaler Konsensbericht fordert verbessertes und einheitliches Management von Clostridium difficile-Infektionen

Bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) ist eine Infektion mit Clostridium difficile (CDI) ein erheblicher Risikofaktor für Morbidität und Mortalität, da diese Infektion den Schweregrad der Entzündung deutlich erhöhen kann.1 Aufgrund unzureichender Daten gibt es bisher keine klare Therapieempfehlung für CED-Patienten mit CDI. Eine multidisziplinäre Gruppe von Ärzten hat jetzt im Rahmen des 26. European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ECCMID) Konsens-Empfehlungen zur Verbesserung des CDI-Managements bei CED-Patienten präsentiert.

„Wir wissen, dass Clostridium difficile-Infektionen erhebliche Konsequenzen für die Patienten und das Gesundheitssystem haben, einschließlich erhöhter Morbidität, Mortalität und Dauer der Hospitalisierung“, so der Leiter der Gruppe, Prof. Mark Wilcox, medizinischer Mikrobiologe, an der University of Leeds. Einer von 6 Patienten stirbt innerhalb von 30 Tagen nach Diagnose einer CDI.2  Patienten, die an CDI erkranken, verbleiben schätzungsweise ein bis drei Wochen länger im Krankenhaus,2,3 bei zusätzlichen Kosten von bis zu 14.000 Euro pro Patient.4

„Die Konsequenzen von CDI sind bei anfälligen Patienten besonders gravierend, einschließlich derjenigen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen“, so Wilcox. CED-Patienten mit gleichzeitiger CDI-Erkrankung bleiben durchschnittlich 26 Tage länger im Krankenhaus.5  Insgesamt verursachen CDI in der EU jährlich Kosten in Höhe von schätzungsweise drei Milliarden Euro, und es wird erwartet, dass sich diese Kosten im Verlauf der nächsten vier Jahrzehnte beinahe verdoppeln werden.3

Empfehlungen für ein verbessertes Management bei CED-Patienten

Als Basis der Konsens-Empfehlungen wurden 426 Fachärzte, darunter Spezialisten für Infektionskrankheiten, Mikrobiologen und Gastroenterologen aufgefordert, 27 Aussagen zum Umgang mit CDI bei CED-Patienten zu bewerten. Sie stimmten dem Großteil der Stellungnahmen zu: Bei 17 der 27 Stellungnahmen wurde die 75 Prozent-Hürde überschritten, die für einen Konsens vorgegeben ist.

Anschließend wurden folgende Empfehlungen zur Verbesserung des CDI-Managements bei Patienten mit CED verabschiedet:1

  1. Die Behandlungsstrategie gegen CDI bei CED sollte sich an den Risikofaktoren für einen unzureichenden Therapieerfolg und nicht am aktuellen Schweregrad der Erkrankung orientieren.
  2. Für die Definition von CDI-Rezidiven bei CED-Patienten sollte ein eindeutiger, allgemein akzeptierter Standard entwickelt werden.
  3. Um ein gemeinsames oder einheitliches Management im Umgang mit CDI bei CED-Patienten zu erreichen, sollten Ärzte wissen, welche Einschätzungen andere Fachgebiete in der CDI-Therapie übernehmen.
  4. Als Basis für zukünftige CDI-Leitlinien ist eine bessere Evidenz notwendig, beispielsweise auch bezüglich der notwendigen Anpassung der Immunsuppressionstherapie bei CED-Patienten.
  5. Zur Festlegung des Stellenwerts eines Mikrobiomtransfers bei CDI-Patienten mit CED sind weitere Daten notwendig.
  6. Zur Festlegung des Schweregrades der Infektion bei CED sollte ein Konzept erarbeitet werden, das die Schwere der Symptome berücksichtigt.

„Die Umfrage hat gezeigt, dass Mitglieder aller teilnehmenden medizinischen Disziplinen Infektionen mit Clostridium difficile als kritische Ereignisse im Verlauf einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung anerkannten. Es war jedoch erstaunlich, dass die Diagnose- und Behandlungsstrategien zwischen den verschiedenen Spezialisten signifikant variieren“, so der führende Autor, Prof. Dr. med. Andreas Stallmach, Klinik für Innere Medizin IV, Universitätskrankenhaus Jena. „Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen, dass wir dringend interdisziplinäre kontrollierte Studien benötigen, die auf die Optimierung und Harmonisierung der Behandlungsstrategien für Clostridium difficile-Infektionen bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen abzielen.“

Aktuelle Leitlinien empfehlen Fidaxomicin bei Patienten mit Komorbiditäten

„Solange keine konkrete Behandlungsstrategie für CED-Patienten mit CDI definiert wurde, sollten sich Ärzte an die aktuell gültigen Leitlinien halten“, so Stallmach. Die im vergangenen Jahr von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) publizierte Leitlinie empfiehlt Fidaxomicin (Dificlir), sobald das Rezidivrisiko erhöht ist und zusätzliche Risikofaktoren für Komplikationen, wie beispielsweise eine Immunsuppression oder andere Komorbiditäten vorliegen.6

Quellen:

  1. Stallmach A et al. Abstract präsentiert beim ECCMID 2016,P1099
  2. Wiegand PN et al. J Hosp Infect 2012;81:1-14
  3. Dubberke ER et al. Infect Control Hosp Epidemiol. 2009;30:57-66
  4. Magalini S et al. Eur Rev Med Pharmacol Sci. 2012;16:2136-41
  5. Jen MH et al. Alimentary pharmacology & therapeutics. 33.12 (2011):1322-1331
  6. Hagel S et al. Z Gastroenterol 2015;53:418-59

 

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