Bauen, Einrichten & Versorgen

Langeweile war gestern

Inspiration durch Innovationen in der Innenarchitektur

09.12.2020 - Die Raumgestaltung wandelt sich auch für Seniorenheime beständig

Die Raumgestaltung wandelt sich auch für Seniorenheime beständig, wobei früher verpasste Möglichkeiten neue Chancen für heute und morgen eröffnen. Zielkonflikte zwischen Praktikabilität und Atmosphäre scheinen dabei in der Innenarchitektur vorprogrammiert. Die Zukunft für die heute konzeptioniert wird, ist allerdings keine Science Fiction, sondern geschieht bereits im Hier und Jetzt – irgendwo zwischen den Jetsons und Feuersteins, mitten im Futurama. Ein Beitrag von Sylvia Leydecker von 100% Interior.

Sensoren scheinen das Maß der Dinge zu sein, wenn es um Zukunftsszenarien der Altenpflege geht. Komfort und Sicherheit bieten Ambient-Assisted-Living-Lösungen (AAL), die das Leben angenehm machen, indem z. B. Lichtszenarien und Zugangskontrollen gesteuert werden. Technik kommt dabei dem Komfortgedanken entgegen und unterstützt hilfreich den Erhalt der Selbständigkeit. Das ist zweifellos praktisch bei maßvoller Anwendung, aber auch bedauerlich, wenn durch den umfänglichen Ersatz menschlicher Hilfe, ein folgenreicher emotionaler Mangel an menschlicher Nähe entsteht.

Aus harmlosem Komfort und verlässlicher Sicherheit wird gefühlte Bedrohung, wenn gleichzeitig die Befürchtung vor unerwünschter Kontrolle im IoT (Internet of Things), Angst vor technischen Schwachstellen z.B. durch Hackerangriffe oder gar einer mutierten KI-Macht (künstliche Intelligenz), entsteht.

Atmosphäre, Marke, Haltung
Komponenten der räumlichen Ausstattung, dürfen daher im Gestaltungskonzept von Pflegeheimen nicht losgelöst voneinander betrachtet werden. Nach wie vor sind das die Farbkonzeption, das Licht, die Materialität raumbegrenzender Flächen wie Boden, Wand und Decke. Bodenbeläge, Wandverkleidungen, Textilien, Mobiliar, Farben und Formen, Ornamente, alles steht miteinander in Wechselwirkung. Die Atmosphäre muss außerdem nicht nur zu den Menschen, den Bewohnern, Pflegenden und Angehörigen, sondern auch zur Marke des Hauses passen und deren Haltung widerspiegeln.

Es lebe die Umwelt, im Sinne recycelter Materialien wie Fischernetzen oder Kunststoffflaschen bei der Bodenproduktion, genauso wie der Verzicht auf Phtalate in Vinylböden oder der Einsatz zertifizierten Holzes. Die Reduktion von Ressourcenverbrauch und ein C2C-Ansatz stehen im Fokus der Produktion und auch des Bauens hinsichtlich der Investition in zertifizierte Gebäude und ihrer Interiors / Fit Outs, sei es durch Breeam, Leed oder auch DGNB. Nachhaltigkeit ist letzten Endes auch profitabel, aber dazu mehr in der nächsten Ausgabe von medAmbiente.

Wohnliche Atmosphäre ist besonders wichtig, um wenig mobile und multimorbide alte Menschen sich im Heim zuhause fühlen zu lassen. Biografische Therapie berücksichtigt hier die frühere Lebenswelt der Senioren und kann gezielt Assoziationen hervorrufen, durch multisensuelle Umgebung, die außer der Optik genauso auch anregende Haptik, inspirierenden Klang und Wohlgeruch sensibel einbezieht. Strukturierte Oberflächen und Materialien sorgen mit ihren subtilen Texturen für Anregung beim Begreifen, gepflegte Oberflächen und frische Luft sorgen für Wohlgeruch, dezente Musik oder Naturgeräusche für inspirierendes Leben. Räume können zudem durch ihre Ausstattung mit Büchern, Pflanzen, Musik und auch Filmen, herzliches Leben und positive Atmosphäre statt Langeweile verbreiten. Analog und digital bunt gemischt, barrierefrei im Universal Design so gut es geht, den passenden Bewegungsflächen, genügend Helligkeit, Kontrasten, Leitsystemen, Griffen, etc. sei Dank.

Nötiger Schub für die Hygiene
Hygiene erlebt in Zeiten von Covid-19 einen nötigen Schub. Material und seine Reinigungsfähigkeit werden optimiert durch gepflegte Oberflächen wie Anti-Fingerprint-Beschichtungen oder solche für starke Beanspruchung, genauso wie durch antibakterielle Oberflächen die die Hygiene unterstützen können, aber nicht müssen. Zudem sind ausgewählte transparente Textilien sogar akustisch wirksam und tragen zu angenehmer Atmosphäre bei. Cool-Touch-Armaturen beugen Verbrühungen vor, wogegen Accessoires im Bad in Kunststoff mit Chromoptik, ähnlich wie im Fahrzeugbau, auf Metall verzichten und damit angenehm handwarm sind, was das Anfassen alten Menschen angenehmer macht.

Zielgruppenrelevant ist das damit verbundene Lebensgefühl das sich zwischen unterschiedlichen Milieus von bäuerlich-ländlich bis hin zum eleganten Chic gehobenen Lifestyles bewegt. Das Landhaus, der Plattenbau, die Villa als Lebensmittelpunkt, erfordern eine adäquate Innenarchitektur, von luxuriös bis hin zu schlichter Wohlfühlatmosphäre. Egal welches Mindset, Komfort und Nachhaltigkeit sind gefragt. Die Ambivalenz im Altenheim zwischen Tradition und Innovation tritt heute deutlich zutage, wenn einerseits biografische Therapie mit Blümchentapete, Spitzendeckchen und Kreuzworträtsel von Gestern zeugen und andererseits Innovation dank modernster Sensorik, digitaler Technologien und Materialien im Pflegeheim von Morgen aufeinandertreffen.

KI und Heimeligkeit – kein Widerspruch
Konservative Herangehensweise und innovatives Denken, müssen sich dabei tatsächlich nicht widersprechen, sondern können sich fruchtbar ergänzen. Roboter und künstliche Intelligenz im heimeligen Interior sind denkbar. Die Zeit scheint noch nicht reif, aber Nachdenken über Pepper, den Pflegeroboter, lohnt sich, denn Konservatismus ist allzu verbreitet, vermeidet Risiko und lähmt den Wandel. Gleichzeitig bedeutet der Verzicht auf Innovation, Möglichkeiten zu verpassen.

Nutzen und Risiko gilt es daher sorgfältig abzuwägen, um insgesamt gebotene Chancen zu erkennen statt zu verpassen, sondern im Gegenteil zu ergreifen. Komfort- und genauso Wirtschaftlichkeitssteigerungen mit all ihren Vorteilen dürften winken. Die Möglichkeiten sind da und werden nicht verpasst, wenn die Innenarchitektur, das Interior im Altenheim, strategisch und zeitgemäß angegangen wird – für zeitgemäße und schöne Räume von Pflegeheim bis Seniorenresidenz, die nicht von gestern sind. 

Kontakt

100% Interior

Stammheimer Str. 113
50736 Köln

+49 221/5708000
+49 221/736318

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