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Protonentherapie: weltweit einmalige Forschungsplattform in Dresden nimmt Konturen an

23.01.2012
Prof. Roland Sauerbrey, Sabine Freifrau von Schorlemer, Prof. Michael Albrecht und Prof. Michael Baumann bei der Grundsteinlegung (Foto: Ralf Apley/Universitätsklinikum Dresden).
Prof. Roland Sauerbrey, Sabine Freifrau von Schorlemer, Prof. Michael Albrecht und Prof. Michael ... Weiter

Die Arbeiten am Gebäudekomplex der weltweit einmaligen Forschungs- und Entwicklungsplattform für innovative Technologien zur Strahlenbehandlung von Krebserkrankungen laufen auf Hochtouren: Ende 2013 werden die letzten Handwerker den Neubau verlassen, so dass Ärzte und Wissenschaftler Anfang 2014 hier auf Top-Niveau forschen und parallel auch Krebspatienten behandeln können.

Nachdem die Arbeiten an den Untergeschossen gut vorangekommen sind, wird am heutigen Freitag der Grundstein für die Protonentherapieanlage gelegt. Hauptakteure des Festakts sind die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Sabine Freifrau von Schorlemer, sowie die Repräsentanten der Trägerinstitutionen, Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, Prof. Michael Baumann, Sprecher des Zentrums für Innovationskompetenz für Strahlenforschung in der Onkologie - OncoRay, sowie Prof. Roland Sauerbrey, Wissenschaftlicher Direktor des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf.

„Mit der Grundsteinlegung der Protonentherapieanlage wird eine neue Dimension in der Strahlenbehandlung von Tumoren aufgestoßen. Damit gelingt im Freistaat Sachsen ein weiterer wichtiger Schritt hin zur Sicherung und weiteren Entwicklung eines starken und exzellenten Standorts der Forschung, Innovation und Hochschulmedizin", erklärt Staatsministerin Sabine von Schorlemer.

„Auf dem Campus der Dresdner Hochschulmedizin werden Wissenschaftler und Ärzte den Einsatz von Protonen in der Krebstherapie patientennah und jenseits kommerzieller Zwänge weiterentwickeln", erklärt Prof. Michael Albrecht. Damit unterstreiche das Klinikum seine deutschlandweit führende Rolle in der Versorgung von Krebspatienten: „Mit der innovativsten Form der Strahlentherapie bieten wir Spitzenmedizin, die derzeit in Deutschland auf universitärem Niveau nur in Heidelberg und demnächst auch in Essen sowie weltweit an rund 30 Krankenhäusern verfügbar ist", so Prof. Albrecht weiter.

Vorteil dieser ersten Protonentherapieanlage Ostdeutschlands ist, dass Patienten dank der vielfältigen und praxisnahen Forschungsprojekte am Dresdner OncoRay-Zentrum frühzeitig von weiteren Innovationen dieser noch neuen Therapieform profitieren werden.

Das ist ein wesentlicher Grund für das Universitätsklinikum und das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HDZR), sich an der Millioneninvestition zu beteiligen. Ziel ist es, den Einsatz der Protonentherapie auf weitere Krebsarten auszuweiten. Derzeit übernehmen die Krankenkassen die Behandlungskosten bei bestimmten Tumoren im Gehirn und im Bereich des Auges. Der Gebäudekomplex und die technische Infrastruktur wird vor allem durch die Europäische Union, Bund und Freistaat sowie das Universitätsklinikum und das HZDR finanziert.

11.500 Kubikmeter Beton für High-Tech-Infrastruktur

Bereits in der Rohbauphase der Untergeschosse werden die Dimensionen deutlich, die für die hochkomplexe Technologie der Protonentherapie notwendig sind: Zwischen der Schubertstraße und der Händelallee entstand eine 90 Mal 70 Meter große und bis zu 11 Meter tiefe Baugrube. Vier Monate lang wurden hierfür 25.000 Kubikmeter Aushub in knapp 1.000 Sattelschleppern abtransportiert. Hintereinander aufgereiht ergibt sich daraus eine Strecke von gut zehn Kilometern Länge. Auf der Baustelle werden bis zum Sommer 10.000 Kubikmeter Beton verarbeitet, 1.150 Tonnen Stahl stabilisieren den Rohbau. Hinzu kommen vorproduzierte Bauteile aus Stahlbeton mit einem Volumen von 1.500 Kubikmetern.

Die künftige Hülle für den Protonenbeschleuniger - das sogenannte Zyklotron - ist bereits gut sichtbar. Die magnetischen Kräfte des 220 Tonnen schweren Kolosses beschleunigen die Protonen auf etwa 180.000 Kilometer pro Sekunde; das sind rund zwei Drittel der Lichtgeschwindigkeit. Ihren Weg zum Patienten nehmen die Protonen über eine ebenfalls hochspezielle Stahlkonstruktion. Diese sogenannte Gantry wiegt 100 Tonnen und wird wie das Zyklotron im Wesentlichen in den Untergeschossen des Komplexes untergebracht sein.

Nach Ende der Bauarbeiten bleibt äußerlich kaum etwas von den Ausmaßen der Technik sichtbar: Von der Händelallee aus wird ein schlanker Gebäuderiegel mit Büros und Laboren zu sehen sein, die technischen Gebäude befinden sich in der Mitte des Areals. Neben der hunderte Tonnen schweren, auf elek¬tromagnetischen Feldern beruhenden Beschleunigung der Protonen, werden die Wissenschaftler von HZDR und Oncohttp://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2967588Ray im selben Gebäudekomplex eine neue Technologie erproben, durch die der technische Aufwand für die Protonentherapie deutlich sinken wird: Sie nutzen hochenergetische Laserstrahlen, um die Partikel auf die notwendige Geschwindigkeit zu bringen. Ziel ist es, künftig die Kosten für Bau und Unterhalt dieser Therapieanlagen drastisch zu reduzieren. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass alle Patienten, die diese schonende Behandlungsform benötigen, auch von ihr profitieren können.

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