Gesundheitspolitik

MEDICA 2013: Gesundheitswirtschaft ist ein weltweiter Wachstumsmarkt

21.08.2013 -

Der globale Gesundheitsmarkt wächst jährlich um rund sechs Prozent. Treiber dieser Entwicklung sind eine alternde Gesellschaft in vielen Staaten, in anderen wiederum starkes Bevölkerungswachstum, der technische Fortschritt und vor allem die Zunahme der Kaufkraft in weiten Teilen der Welt. Vor diesem Hintergrund entwickeln sich die Gesundheitsmärkte in den meisten Ländern schneller als das Bruttoinlandsprodukt.

Halten diese Trends unverändert an, steigt der weltweite Gesundheitsmarkt von aktuell gut 5 Billionen auf rund 15 Billionen Euro im Jahr 2030. Diese Zahlen aus der Studie „Weltweite Gesundheitswirtschaft - Chancen für Deutschland" der Unternehmensberatung Roland Berger (im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie) begründen, warum auch die Anbieter von Medizintechnik sowie ihre Zulieferer trotz einer aktuell eher moderaten Nachfrageentwicklung als Ergebnis der Finanzkrise mittel- und langfristig von positiven Marktvorzeichen ausgehen können.

Ungeachtet einer insgesamt wachsenden Nachfrage nach medizinischer Versorgung und den damit verbundenen Medizinprodukten und Medizintechnologien verändert sich sukzessive die Struktur der Nachfrage und sie unterscheidet sich länderbezogen teils erheblich hinsichtlich der Art der nachgefragten Produkte und Systeme. So ist in Folge einer zunehmenden Versorgungsdichte, also einer steigenden Zahl an ambulanten Versorgungszentren sowie Kliniken, in vielen Schwellenländern ein starker Bedarf an medizintechnischer Basis-Ausstattung im Sinne einer breiten Grundversorgung gegeben. Die Innovationsorientierung ist vergleichsweise gering. In den „klassischen" Märkten, z.B. in den großen Industrienationen Europas sowie Nordamerikas und in Japan, steigt der Kostendruck in den Gesundheitssystemen. Das dämpft einerseits zwar die Nachfrage. Jedoch kommen hier Wachstumsimpulse verstärkt vom privatfinanzierten Gesundheitsmarkt und die Innovationsorientierung ist insgesamt höher (vgl. HWWI-Studie/ HSH Nordbank).

Gleichermaßen vielschichtig präsentiert sich der globale Markt in Bezug auf das Angebot. Einst eher als Low-Price-Anbieter betrachtet stellen sich etwa Großkonzerne aus China weltweit dem Wettbewerb mit den marktbestimmenden „Big Playern" und haben die Qualität ihrer Produkte sowie ihr Service-Angebot deutlich gesteigert. Und auch Unternehmen aus aufstrebenden Schwellenländern wie Indien, Malaysia oder Thailand beliefern längst nicht mehr nur ihre heimischen Märkte. Ob Katheter, Latexhandschuh oder Produkte für die Wundbehandlung - in stark preisorientierten Marktsegmenten haben sie auch in Kliniken Europas oder Amerikas ihre Abnehmer.

Aus diesen Kennzeichen der Marktentwicklung heraus erklärt sich, warum die MEDICA in Düsseldorf als weltweit größte und führende Medizinmesse ihre Position als maßgebende Plattform für länderübergreifendes Business, Information und den Expertenaustausch kontinuierlich ausbauen konnte. Der hohe Internationalitätsgrad auf der Aussteller- sowie Besucherseite ist ein Beleg dafür. Fast drei Viertel der mehr als 4.500 Aussteller der MEDICA 2012 waren internationale Beteiligungen. Zugleich kam mehr als jeder zweite der insgesamt 130.600 Fachbesucher nicht aus Deutschland an den Rhein.

So differenziert, wie sich der Markt auf seiner Angebots- und Nachfrageseite darstellt, so unterschiedlich ist folglich auch die Motivation von Ausstellern und Besuchern begründet, dem MEDICA-Motto „Be part of the No. 1" zu folgen. Bestimmten Ausstellern geht es vorrangig um den Zugang zu den volumenstarken Märkten Europas, andere Unternehmen wiederum nutzen die internationalen Besucherkontakte bei der MEDICA, um ihren weltweiten Vertrieb zu stärken.

Dabei hilft den Ausstellern, dass auf der Besucherseite der MEDICA die in den letzten Jahren forcierte zielgruppenspezifische Marketing-Kampagne Früchte trägt. Konkret bedeutet das, dass immer mehr Top-Entscheider unter den Besuchern sind und im Übrigen auch immer mehr Entscheidungsträger aus dem kaufmännischen Bereich und seitens der Krankenversicherungen.

Konzentration der Einkaufsmacht

Damit spiegelt die MEDICA einen generellen Trend, der sich auf Grund der Strukturveränderungen in den Gesundheitssystemen der meisten Nationen auch in den kommenden Jahren sicherlich noch verstärken wird: Die Einkaufsmacht konzentriert sich in den immer größer werdenden Klinikverbünden und Klinikkonzernen. Wer hier zu entscheiden hat, gleich ob aus dem medizinischen Bereich oder dem Management kommend, trägt eine besondere Verantwortung bereits auf Basis der Gesamtvolumina der zu tätigenden Investments.

Entsprechend hoch ist mit 93 Prozent mittlerweile die Entscheiderquote bei der MEDICA, wobei zur MEDICA 2012 allein gut 3.000 Klinikdirektoren kamen. Ein sehr hoher Wert, wenn man bedenkt, dass Deutschland selbst gerade noch kaum mehr als 2.000 Kliniken zählt, ein Drittel davon in der Hand von (größeren) privaten Klinikketten.

Was bedeutet diese Entwicklung der veränderten Entscheidungsstrukturen für die MEDICA?

Wenngleich die MEDICA auf eine mehr als 40 Jahre währende erfolgreiche Veranstaltungshistorie zurückblickt und jedes Jahr stattfindet, so gleicht die MEDICA eines Jahres nie der MEDICA des Folgejahres. Angebote in der Fachmesse und den begleitenden Kongressen werden fortlaufend überarbeitet und den veränderten Erfordernissen von Besuchern angepasst. Nur auf diese Weise gelingt es, den Ausstellern die richtigen Zielgruppen zuzuführen.

Auch für die MEDICA 2013, die vom 20. bis 23. November in Düsseldorf stattfindet, werden wieder zahlreiche Ideen „in die Tat" umgesetzt.

Relaunch für das Kongressprogramm

So erfährt das Kongressprogramm der MEDICA eine Neupositionierung. Die programmatische Weiterentwicklung des Kongresses sieht ein schärferes Themenprofil vor, eine noch engere Verzahnung mit den Themen der MEDICA Fachmesse und den Ausbau des internationalen Programmparts. Deshalb erfolgt auch die Umbenennung in „MEDICA Conferences & Forums".

Die Programmschwerpunkte wurden von einem namhaft besetzten Fachgremium festgelegt. Dabei bilden unter dem Titel MEDICA EDUCATION CONFERENCE teilnehmerstarke Kurse der Vorjahre die Basis, z. B. zu allgemeinmedizinischen Themen inklusive der Praxiskurse am Gerät, die unverändert mit CME-Punkten für die ärztliche Fortbildung zertifiziert sind. Den Konferenz-Schwerpunkt bilden Seminare zu Querschnittsthemen, die fachdisziplinübergreifend von hoher Relevanz sind, wie personalisierte Medizin, geschlechterspezifische Medizin oder auch Hygiene/ Infektiologie.

Englischsprachige Programmbestandteile sind unterdessen bereits in diesem Jahr eine Vortragsreihe zu aktuellen Aspekten in Bezug auf individualisierte Medizin, eine internationale Konferenz zu Katastrophen- und Wehrmedizin sowie eine hochkarätige Veranstaltung für die internationale Sportmedizin-Fachszene. Diese Konferenz wird thematisch den Bogen spannen von präventiven Ansätzen der Sportmedizin bis hin zu therapeutischen Maßnahmen unter Berücksichtigung des Einsatzes moderner elektromedizinischer Geräte.

Deutscher Krankenhaustag & European Hospital Conference

Fester Bestandteil der MEDICA 2013 ist zudem der 36. Deutsche Krankenhaustag als die führende Informations- und Kommunikationsplattform für alle Entscheider der Kliniken in Deutschland. Parallel dazu werden etwa 150 - 170 Top-Entscheider aus Europas Krankenhäusern am 20. November 2013 zur zweiten EUROPEAN HOSPITAL CONFERENCE (EHC) in Düsseldorf erwartet. Die EHC findet im Zwei-Jahres-Rhythmus statt. In diesem Jahr liegt der inhaltliche Fokus auf der europäischen Patientenrichtlinie sowie Haftungsfragen im Zusammenhang mit Behandlungsfehlern.

Foren und Fachmesse

Als weitere Programmkomponente von MEDICA Conferences & Forums greifen auch die in die Fachmesse integrierten Foren maßgebliche Trends auf. Dazu zählen u. a. MEDICA HEALTH IT FORUM (IT-Trends, Telemedizin/ Halle 15) und MEDICA TECH FORUM (Entwicklungen auf dem Gebiet der Hightech-Medizin) mit jeweils auch englischsprachigen Vorträgen, MEDICA PHYSIO FORUM (Physiotherapieverfahren/ Halle 4) sowie etwa das 2012 erfolgreich von der Messe Düsseldorf und der Techniker Krankenkasse (TK) initiierte MEDICA ECON FORUM zu Fragen der Nutzenbewertung und Finanzierung von Innovationen.

Die vorgenannten Beispiele zeigen, dass das Team der Messe Düsseldorf in Kooperation mit weltweiten Partnern kontinuierlich daran arbeitet, die Attraktivität der MEDICA für Aussteller und Besucher hochzuhalten und zu erweitern.

Es geht darum, den Dialog zwischen Anwendern und der Industrie in Schwung zu setzen, auf internationaler Ebene nach Lösungen für die zentralen Fragestellungen der Gesundheitsversorgung zu suchen.

Im Jahr 2012 zählte die MEDICA als weltgrößte Medizinmesse 4.554 Aussteller aus mehr als 60 Nationen und 130.600 Fachbesucher. Auf Basis des Verlaufs der Aussteller-Anmeldungen kündigt sich für dieses Jahr eine vergleichbar gute Beteiligung an. Wie in den Vorjahren kommen die stärksten Flächenbuchungen nach Deutschland aus Italien, China, den USA, Großbritannien und Frankreich. Besonders starke Zuwächse sind zu verzeichnen aus Polen (plus 36 Prozent, nun: 1.200 m²), der Türkei (plus 23,5 Prozent auf 3.600 m²) oder auch aus Südkorea (plus 16 Prozent auf 3.455 m²).

Die Anbieter werden Mitte November zur MEDICA 2013 wieder die gesamte Bandbreite an Neuheiten für eine qualitativ gute und zugleich effiziente medizinische Versorgung in Kliniken sowie dem ambulanten Bereich präsentieren, von Medizintechnik und Elektromedizin, Labortechnik, Physiotherapieprodukten und Bedarfsartikeln bis hin zu Health IT.

Vernetzt, integriert, kompakt und immer wirtschaftlicher

In Bezug auf die Produktentwicklungen im Bereich der Medizintechnik haben die durch eine Expertenbefragung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bereits 2005 für die Zukunft identifizierten und durch die einschlägigen Branchenverbände immer wieder bestätigten „Mega"-Trends (Computerisierung, Molekularisierung und Miniaturisierung) durchweg in den letzten Jahren nichts an ihrer Stärke eingebüßt, was bei jeder MEDICA eindrucksvoll nachvollzogen werden konnte und auch thematisch die MEDICA 2013 prägen wird.

So schreitet der IT-Einsatz im Gesundheitsbereich immer weiter voran. Hierbei gehen allerdings nicht vorrangig von Krankenhausinformationssystemen oder Verwaltungssoftware die Wachstumsimpulse aus, sondern von der IT-Integration in den verschiedensten Anwendungsdisziplinen. Dabei ist es die Stärke der MEDICA, dass sie Health IT nicht isoliert thematisiert, sondern die relevanten Anknüpfungspunkte aufzeigt. Anzuführen sind etwa Lösungen für die computergestützte Mikroskopie und Laborautomation (im Bereich der Labortechnik), die computergestützte Chirurgie oder Anästhesie sowie die Vernetzung der medizinischen Bildgebung (im Bereich der Medizintechnik/ Elektromedizin) bis hin zu Wireless-Lösungen für das Echtzeit-Monitoring von Patienten und kompakten Telemedizin-Applikationen für den Einsatz fernab von Arztpraxis und Klinikum (Bereich der Health IT).

Spannend zu beobachten sind insbesondere auch die aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der digitalen OP-Integration. Wo viele unterschiedliche Geräte für die Bildgebung, die Intervention, die Überwachung der Vitalparameter oder auch die Dokumentation und Videoübertragung zum Einsatz kommen, gilt es die Handhabung über uniforme und zentrale Steuereinheiten zu vereinfachen und die Geräte optimal miteinander zu vernetzen. Interessant sind in diesem Zusammenhang Bestrebungen, proprietäre Vernetzungsschnittstellen, die die Zusammenstellung der Geräteparks in OP-Sälen herstellerbezogen einschränken, durch offene „Plug & Play"-Standards zu ersetzen. Das würde aus Sicht der Klinikbetreiber die Flexibilität und Wirtschaftlichkeit hinsichtlich der zum Einsatz kommenden Geräte erhöhen. Erwähnenswert ist beispielsweise das „smartOR"-Verbundprojekt, welches vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert wird.

Molekularmedizinische Erkenntnisse bilden unterdessen die Basis für die unverändert rasanten Entwicklungen auf dem Gebiet der Biomarker-Tests. Sie sind quasi die Basis der vielzitierten personalisierten Medizin. Gleich ob es um die Diagnose von Virus-Infektionen oder Krebserkrankungen geht, die Zahl der als Krankheitsindikatoren identifizierten Biomarker wird immer mehr und damit stehen auch immer mehr Tests für die Analysegeräte der Labormedizin zur Verfügung. Schon jetzt sind hunderte von Biomarkern bekannt. Ihre Zahl wird sicherlich ebenso in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen, wie die Geräte, mit denen sie nachgewiesen werden, an Kompaktheit gewinnen. Denn damit kann die Diagnose in vielen Fällen kostengünstig und einfach dort erfolgen, wo die Ergebnisse benötigt werden - in direkter Nähe zum Ort der Patientenbehandlung unter Umgehung des Probentransports zu Zentrallaboren.

Was die fortschreitende Miniaturisierung in der Medizintechnik anbetrifft, so lässt sich daran wunderbar das Zusammenspiel der MEDICA mit der parallelen COMPAMED, der international führenden Marktplattform der Zulieferer für die Medizintechnik Industrie (20. - 22. November 2013/ Hallen 8a und 8b) verdeutlichen. Beispielhaft zu nennen sind Entwicklungen auf dem Gebiet der Implantatemedizin.

Anliegen von Ärzten ist es, den korrekten Sitz von Implantaten (z. B. Hüftgelenken) möglichst einfach überprüfen zu können. Es sind wiederum die Zulieferer in Zusammenarbeit mit Forschern, die die passenden Ideen dazu parat haben. So sind in „intelligente" Prothesen Beschleunigungssensoren integriert, die einen zu lockeren Sitz des Implantats erfassen und entsprechende Signale via RFID-Schnittstelle an eine Controller-Einheit übermitteln.

Nicht minder spannend sind aktuelle Arbeiten auf dem Gebiet der Neuroprothetik (u. a. thematisiert beim 7. COMPAMED Frühjahrsforum). Ziel ist es, die Bewegungsfunktionen nach schweren Rückenmarksverletzungen wieder herzustellen oder etwa die Symptome der Parkinsonerkrankung wirkungsvoll zu lindern. Die Realisierung dieser Neuroprothesen erfordert das Beschreiten neuer Lösungswege, die auf mikrotechnologischen und mikroelektronischen Verfahren beruhen. Hierzu gehören insbesondere flexible, implantierbare Multielektroden und mikroprozessorgesteuerte Neuroprothesen. Diese müssen geradezu Multitalente sein. Denn sie müssen in Bezug auf ihr Einsatzgebiet sowohl kabellose Energie- und Signalübertragung als auch hochentwickelte Möglichkeiten der Neurostimulation sowie neuronaler Aufzeichnung und Auswertung in sich vereinen.

Die vorgenannten Beispiele zeigen: Wer up-to-date bleiben will, was die Medizintechnik-Szene aktuell bewegt und wie die Medizintechnik-Industrie im Zusammenspiel mit ihren Zulieferern den medizinischen Fortschritt im Sinne qualitativ guter und wirtschaftlicher Patientenversorgung vorantreibt, für den ist ein Besuch der MEDICA 2013 (rund 4.500 Aussteller) und der COMPAMED 2013 (ca. 650 Aussteller) ein Muss.

Ein Besuch beider Veranstaltungen, die zusammen wieder alle 19 Hallen des Düsseldorfer Messegeländes auslasten, ist wie in den Vorjahren mit nur einem Ticket möglich

 

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