21.03.2022 • News

Die Molekularpathologie: Arbeit für die Lebenden

Jubiläum in der Molekularpathologie der Alb Fils Kliniken

Marina Nebel, MTLA in der Pathologie der Alb Fils Kliniken, bei ihrer Arbeit am...
Marina Nebel, MTLA in der Pathologie der Alb Fils Kliniken, bei ihrer Arbeit am Sequenzierer; Foto: Alb Fils Kliniken

Vor 10 Jahren, am 1. März 2012, ging die Sektion Molekularpathologie des Instituts für Pathologie der Alb Fils Kliniken an den Start. Seitdem konnte die Molekularpathologie bereits knapp 4.000 Menschen mit Hilfe von ca. 37.000 Mutationsanalysen und ca. 35.000 Genotypisierungen des HP-Virus helfen. „Das Labor wurde damals eröffnet, um dem medizinischen Fortschritt Rechnung zu tragen“, sagt Dr. Verena Lubczyk, Chefärztin der Pathologie. „Bis dahin waren molekularbiologische Verfahren der forensischen Medizin, der Labormedizin oder Pathologien an Universitätskliniken vorbehalten.“ Kein Wunder also, dass dieses Jubiläum gefeiert wurde.

Wenn man Pathologie hört, denkt man meist zuerst an die Verstorbenen. Das trifft aber nicht zu. „Die Molekularpathologie ist Arbeit für die Lebenden“, erklärt Jürgen Schlaiß, Leitung des medizinisch-technischen Dienstes der Pathologie der Alb Fils Kliniken. „Es geht als Pathologe in diesem Bereich darum, dem Kliniker die erfolgversprechendste Behandlungsstrategie vorzugeben, um den Patienten bestmöglich zu versorgen“, führt Schlaiß weiter aus.

Schwerpunkt molekularpathologischer Technologien ist der Nachweis von Mutationen an extrahierter Tumor-DNA mit Hilfe von Verfahren wie PCR und Sequenzierung. Aber auch das Erbgut von Infektionserregern, wie etwa Viren, die Auslöser von Krebserkrankungen sein können, lässt sich durch molekularpathologische Verfahren in Körperzellen nachweisen. Der primäre Einsatz findet sich also bei Patient*innen mit Tumorerkrankungen. Nach dem Nachweis solcher Veränderungen der Gene ist die Aufgabe des Klinikers, die für die Patienten wirksamste Behandlung mit den passendsten Medikamenten zu finden. Denn die Ergebnisse solcher Untersuchungen geben Auskunft darüber, ob und mit welchen Medikamenten ein Tumor zielgerichtet therapiert werden kann oder ob eine systemische Behandlung, also eine Chemotherapie, eine effektivere Behandlung verspricht. Dadurch werden die Patienten vor unnötigen Nebenwirkungen bewahrt, womit ganz nebenbei die Kosteneffizienz der Therapie erhöht wird. Dieser prädiktive Wert molekularpathologischer Untersuchungsergebnisse, unter Berücksichtigung individueller Merkmale des Patienten, fasst man unter dem Begriff „personalisierte Medizin“ zusammen. „Der fortschreitende Erkenntnisgewinn auf diesem Gebiet wird eine immer effektivere, zielgerichtete und individualisierte Krebstherapie ermöglichen“, sagt Jürgen Schlaiß.

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