Aus den Kliniken

Klinikum Braunschweig eröffnet Psychosomatik

Versorgungslücke für Patienten in Braunschweig geschlossen

04.08.2014 -

Das Klinikum Braunschweig eröffnet in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik die neue Fachabteilung Psychosomatik. Dieses neue Angebot in Braunschweig startet Anfang August am Standort Celler Straße mit zunächst 15 Betten, die bis zur zweiten Jahreshälfte 2015 dann auf insgesamt 34 Betten erweitert werden. Untergebracht ist die Fachabteilung Psychosomatik zunächst im Haus 4 am Klinikum-Standort Celler Straße. Für die gesamten Renovierungs- und Umbauarbeiten hat das Klinikum insgesamt rund 120.000 € investiert. Für die Erweiterung wird neues Personal benötigt, insgesamt entstehen 2,5 neue Stellen für ärztliches und psychologisches Personal sowie neun weitere Stellen in der Pflege, Ergotherapie und Sozialarbeit.

Damit dürfte der Leidensweg vieler Patienten abgekürzt werden. Diese wandern oft jahrelang von Arzt zu Arzt, beklagen Rücken-, Herz-, Magen- oder Darmbeschwerden. Doch organische Ursachen lassen sich in der Regel nicht finden. Immer häufiger lautet bei unerklärlichen Schmerzen, Ängsten und Unruhen die Diagnose daher: psychosomatische Störung.

Laut einer aktuellen Erhebung des Landes Niedersachsen liegt der stationäre Behandlungsbedarf allein in der Region Braunschweig bei 250 Betten. Dieser Bedarf sei mit den vorhandenen Einrichtungen, z.B. in Königslutter oder in Liebenburg, bei weitem nicht gedeckt, verdeutlicht der Ärztliche Direktor des Klinikums Braunschweig, Prof. Dr. Horst Kierdorf: „Hier herrscht absoluter Mangel." So sei im August 2013 beim Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung ein entsprechender Antrag gestellt worden, berichtet Pflegedirektor Ulrich Heller. „Die insgesamt 34 genehmigten Betten beinhalten 22 zusätzliche Betten, also eine Ausdehnung der Bettenkapazitäten." Die restlichen 12 Betten existierten schon vorher und mussten lediglich umgewidmet werden.

Nehmen psychosomatische Erkrankungen nun tatsächlich zu - etwa durch gesellschaftliche Veränderungen und zunehmende Technisierung des Alltags, welche das Leben immer hektischer und unübersichtlicher werden lassen? Oder können die Erkrankungen durch bessere Diagnostik einfach eher erkannt werden? Darüber streiten selbst die Experten. „Die Auswirkungen durch Folgen wie Arbeitsunfähigkeit oder Frühverrentung sind jedoch enorm", macht Priv.-Doz. Dr. Alexander Diehl, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, deutlich. Bislang seien psychosomatische Erkrankungen häufig schwer erkennbar und mit einem Tabu belastet gewesen. „Doch die Bereitschaft, Diagnostik und Therapie anzunehmen, wächst", hat Diehl beobachtet.

Wichtig sei, zunächst somatische (körperliche) Ursachen für eine Erkrankung tatsächlich ausschließen zu können. „Darum ist eine Anbindung der Fachabteilung Psychosomatik an die medizinischen Möglichkeiten eines Maximal- und Regelversorgers wie unserem Klinikum optimal", so der Chefarzt weiter, „zumal auch noch Wohnort nah." Bei einigen Patienten basierten chronische Schmerzstörungen auch auf kleinen körperlichen Veränderungen, die für sich genommen eher harmlos seien, sich psychisch aber unverhältnismäßig stark bemerkbar machen können. Aber auch schwere organische Erkrankungen wie Krebs könnten trotz erfolgreicher Behandlung zu Ängsten und psychosomatischen Störungen führen.

Dabei seien psychosomatische Störungen gut behandelbar, meint Dr. Diehl. Entscheidend sei, rechtzeitig mit den adäquaten Therapiekonzepten zu beginnen. „Im Schnitt ist bei einer stationären Behandlungsbedürftigkeit von 6 Wochen Dauer auszugehen."

In der Abteilung Psychosomatik werden Erkrankungen behandelt, bei denen gleichzeitig somatische (körperliche) und psychische Faktoren den Krankheitsverlauf bestimmen. In der Anfangsphase der neuen Abteilung werden insbesondere spezielle Therapieangebote für Depressionen und Angststörungen mit deutlich körperlichen Symptomen oder Krankheitsängsten vorgehalten sowie für psychosomatische Störungen im Zusammenhang mit körperlichen Erkrankungen, z.B. bei Krebserkrankungen (nach Abschluss der Primärbehandlung) oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Einen wesentlichen Schwerpunkt wird die Behandlung einer Sonderform des psychosomatischen Krankheitsspektrums bilden, die Gruppe der somatoformen Störungen. Dies sind Patienten, deren körperliche Beschwerden, sich nicht oder nicht hinreichend auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen.

Das spezielle und multiprofessionell von allen Berufsgruppen ausgestaltete Therapieangebot für diese Patientengruppe orientiert sich nach dem wissenschaftlich anerkannten Konzept der Affektiven kognitiv-behavioralen Therapie (ACBT). Die Behandlung von Essstörungen oder auch Posttraumatischen Belastungsstörungen wird mit der Verfügbarkeit der vollen Bettenzahl eine weitere Aufgabenstellung der neuen Fachabteilung Psychosomatik sein.

Der Therapieprozess ist vorwiegend verhaltenstherapeutisch ausgerichtet, wobei ebenso moderne emotionsfokussierte Behandlungsmethoden und psychoedukative Therapieelemente z.B. zur Verbesserung von Problem- und Stressbewältigung im Zentrum stehen. In der Regel wird eine mehrwöchige stationäre Behandlung angeboten, an dessen Anfang die Erarbeitung eines individualisierten Störungsmodells steht.

Die Terminvereinbarung zur stationären Aufnahme (Einweisung) ist unkompliziert über den Haus- oder behandelnden Facharzt möglich, ggf. nach Vereinbarung eines Vorgespräches. Der Therapieplan besteht u. a. aus gemeinsam mit dem Patienten festgelegten Einzel- und Gruppenpsychotherapien, Gruppen für spezifische Störungsbilder, Ergotherapie, Sport- und Bewegungstherapie sowie dem Erlernen von Entspannungstechniken und Achtsamkeitsübungen. Ein derart komplexer Therapieprozess setzt eine enge berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit des therapeutischen Teams voraus. Selbstverständlich stehen den stationären Patienten der Abteilung Psychosomatik sämtliche diagnostischen und organmedizinischen Möglichkeiten des Klinikums Braunschweig zur Verfügung.

 

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