Gesundheitspolitik

Transparenz in der Qualitätssicherung: Zweite Generation von Qualitätsindikatoren

21.08.2014 -

Transparenz in der Qualitätssicherung: Zweite Generation von Qualitätsindikatoren. Einen Tag nachdem die Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung den Qualitätsbericht für die Krankenhäuser präsentiert hatte, luden die Helios Kliniken zu einem Pressetermin nach Fulda, um die zweite Generation von Qualitätsindikatoren im Rahmen ihres Qualitätsmanagements vorzustellen.
Für M & K sprach Dr. Heiko Baumgartner mit Ralf Michels, dem Hauptgeschäftsführer, und Priv.-Doz. Dr. Thomas Mansky, Leiter der Abteilung Medizinische Entwicklung, über die Erfahrungen der Helios Kliniken mit diesem System.

M & K: Es gibt die gesetzlichen Qualitätsberichte nach § 137 SGB für alle Kliniken, die Kliniken müssen sich einer jährlichen Prüfung durch die BQS unterziehen und in allen Kliniken wachen Qualitätsbeauftragte über die Qualität in den Häusern.
Wozu brauchen wir da noch ein zusätzliches System der Qualitätsüberwachung?
R. Michels: Die Einführung der Helios- Kennzahlen war bereits 2000 eine Managemententscheidung, um die Ergebnisqualität zu steigern.
Wir wollen unserem in den Unternehmenszielen verankerten Anspruch der Qualitätsführerschaft gerecht werden und dies auch dokumentieren können.
Intern wollen wir identifizierte Schwachstellen verbessern und nutzen dazu unser System, um die Ziele in den verschiedenen Bereichen zu definieren und Verbesserungen zu kontrollieren.
Die Kennzahlen werden bei uns auch als Steuerungsinstrument auf der Führungsebene genutzt.

T. Mansky: Die Qualitätsberichte nach § 137 SGB V haben nicht den erwünschten Zuwachs an Transparenz erbracht.
Sie enthalten einerseits im Gegensatz zu ihrem Anspruch keine verpflichtenden Angaben zur Qualität, sondern nur zu Strukturen und Leistungsmengen in Krankenhäusern.
Andererseits sind selbst die Mengenangaben zu Krankenhausleistungen kaum vergleichbar.
Vorgeschrieben ist die Veröffentlichung der Top 10-Leistungen, pro Abteilung gegliedert nach den Kodierungs- bzw. Abrechnungsschlüsseln (Diagnoseschlüssel, Operationenschlüssel, DRG-Katalog).
Was in den einzelnen Kliniken in der Top 10- Liste enthalten ist, ist aber unterschiedlich.
Wichtige, aber eher seltenere Leistungen erscheinen hier gar nicht oder werden aufgrund der Kodierungsschemata aufgesplittert, weil sie in verschiedenen Kategorien abgebildet werden.
Beispielsweise finden sich Schrittmacherimplantationen in acht DRGs des G-DRG Systems 2006.
Nur ein Teil davon kann – wenn überhaupt – unter den Top 10 erscheinen.
Für den Laien ist damit selbst die einfache Frage, wie viele Schrittmacher ein Krankenhaus implantiert, auf dieser Basis nicht zu beantworten.
Unser System vermittelt demgegenüber eine standardisierte, vergleichbare Darstellung der Leistungen und – wo möglich – vor allem Aussagen zur Ergebnisqualität.

M & K: Wie sind Sie bei der Auswahl der Indikatoren vorgegangen?
T. Mansky: Die Helios-Indikatoren informieren über 30 wichtige Krankheitsgruppen bzw. Eingriffsarten. Für diese werden 142 Kennzahlen in übersichtlicher Form dargestellt.
Die Indikatoren sind so gewählt, dass sie Informationen sowohl zu typischen, weitverbreiteten Krankheitsbildern wie beispielsweise Herzinfarkt oder Lungenentzündung vermitteln, als auch zu selteneren, aber für die Qualitätsbeurteilung wichtigen komplexen Eingriffsarten, die Indikatorcharakter für ein Gebiet haben, wie z.B. komplexe Eingriffe an der Speiseröhre.
Mit dieser Mischung aus sinnvoll ausgewählten, wesentlichen Indikatoren werden Informationen zu nahezu einem Drittel (28,2 %) aller Krankenhausfälle der Helios Kliniken in standardisierter Form wiedergegeben.
Da das Behandlungsspektrum der Helios Kliniken im Mittel nicht sehr weit von dem der deutschen Krankenhäuser abweicht, kann davon ausgegangen werden, dass sich mit dem Indikatorensatz auch fast ein Drittel der deutschen Krankenhausleistungen insgesamt in standardisierter, medizinisch sinnvoller Form transparent machen ließe – darunter vor allem auch die wichtigsten Leistungen, an denen viele Patienten und Einweiser ein Interesse haben.

M & K: Wie gehen Sie intern mit den Daten vor, beispielsweise, wenn die Ergebnisse in einzelnen Häusern oder Abteilungen nicht mit Ihren Zielen übereinstimmen und Defizite klar werden?
R. Michels: Wir beraten uns bei Ausbau und der Verbesserung der Indikatoren mit allen internen Fachgruppen, in denen neben einem Mitglied der Geschäftsleitung jeweils die Chefärzte unserer Kliniken aus den einzelnen Bereichen organisiert sind.
Treten Mängel in Abteilungen und Häusern auf, beraten wir diese in den Fachgruppen und setzen gegebenenfalls sog. „PeerReview“- Gruppen ein.
Diese identifizieren und analysieren Schwachstellen und erarbeiten gemeinsam mit der betroffenden Abteilung konkrete Maßnahmen zur Verbesserung von Prozessen in den Kliniken.
Wir haben damit eine wirkungsvollere Methode entwickelt, um Verbesserungen zeitnah und effizient durchzusetzen.
Gegenüber der BQS müssen Auffälligkeiten eigentlich auch gerechtfertigt werden.
Uns sind bei Helios aber keine Fälle bekannt, wo wir durch das BQS-Verfahren auf Mängel aufmerksam gemacht wurden. Unser eigenes System der Qualitätsüberwachung ist da sehr viel effizienter und wird sowohl intern, als auch bei Kollegen anderer Häuser, immer stärker akzeptiert.
In den Anfangsjahren sind wir u.a. wegen der Betrachtung der Mortalität als eines Hauptparameters kritisiert worden. Der natürliche Reflex ist anfangs immer, dass man sich nicht in die Karten schauen lassen will.
Es ist mittlerweile aber so, dass es vielen Kollegen – beispielsweise nach einer Übernahme von Häusern – nicht schnell genug gehen kann, bis das System bei Ihnen eingeführt wird.

M & K: Schafft die Erhebung der Daten nicht zusätzliche Bürokratie in den Kliniken?
T. Mansky: Definitiv nicht, wir haben alle Indikatoren so definiert, dass sie ohne zusätzlichen Datenerhebungsaufwand aus den zurzeit verfügbaren Routinedaten der Krankenhäuser abgeleitet werden können.
Der Indikatorensatz ist demnach sofort auf alle deutschen Krankenhäuser anwendbar.
Im Prinzip könnten mit Hilfe des Datensatzes nach § 21 KHEntgG die Indikatoren unmittelbar, ohne zusätzlichen Erhebungsaufwand, auf alle Krankenhäuser Deutschlands angewendet werden.

M & K: Neben der Qualitätsverbesserung wollen Sie die unterschiedliche Qualität von Kliniken und Abteilungen transparenter machen. Wie gehen Sie dabei vor?
T. Mansky: Die neue Generation unserer Qualitätsindikatoren ist unserer Meinung nach ein großer Schritt zu einer Transparenz im Klinikmarkt, die Leistungen und Qualität tatsächlich vergleichbar macht.
Wir veröffentlichen unsere Ergebnisse schon jetzt auf dieser Basis. Das Know-how dieser standardisierten Messmethodik wollen wir aber bewusst allen interessierten Kliniken zur Verfügung stellen, um die Entwicklung zu mehr Offenheit und Qualität im Gesundheitssystem zu fördern.
Die Indikatoren können von informierten Laien direkt genutzt werden.
Sie ermöglichen es aber insbesondere den einweisenden Ärzten sowie auch sachkundigen Dritten, die die Informationen für Laien aufbereiten, in objektivierbarer Weise über wichtige Charakteristika der Krankenhäuser zu berichten.
Die Qualitätsberichte nach § 137 SGB V könnten mit einer Darstellung dieser Indikatoren endlich ihrem Auftrag gerecht werden und Patienten in vergleichbarer Form über Menge und Qualität der wichtigsten Krankenhausleistungen informieren.
Die Helios Kliniken werden in ihren Klinikberichten diese Indikatoren standardisiert darstellen, wie dies auch im vergangenen Jahr bereits auf der Basis des vorangegangenen Indikatorensatzes geschehen ist.

M & K: Sie sprechen von einem Zugang für andere Kliniken. Wie darf man sich das vorstellen?
R. Michels: Die Helios Kliniken sind bereit, den neuen Indikatorensatz für andere Organisationen und Kliniken zugänglich zu machen.
Im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit der Firma 3M werden Krankenhäuser ab Herbst die Möglichkeit haben, die Kennzahlen auch unabhängig von den Helios Kliniken anhand ihrer eigenen Daten zu messen.
Ein weitergehender, auch bundesweiter Einsatz wäre jederzeit möglich. Es gibt bereits erste Kliniken und Klinikgruppen außerhalb der Helios-Gruppe, die unser System verwenden.

www.helios-kliniken.de

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