Funktionalität alleine ist nicht genug

Ludes Generalplaner gehört jetzt zur Sweco-Gruppe. Ein medAmbiente-Gespräch mit Sweco-Geschäftsführer Heinz Mornhinweg.

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Unter „Sweco Architects“ versammeln sich mehr als 200 Architekten von Sweco sowie der Tochtergesellschaft Jo. Franzke Generalplaner. Das ehemalige Büro Ludes Generalplaner wurde am 15. Juni 2018 auf die Sweco GmbH verschmolzen. Matthias Erler von medAmbiente befragte aus diesem Anlass Sweco-Geschäftsführer Heinz Mornhinweg zu den Hintergründen des Zusammenschlusses sowie zu Fragen des Bauens für das Gesundheitswesen.

Herr Mornhinweg, das Büro Ludes Generalplaner wurde im Juni dieses Jahres mit Sweco verschmolzen – nachdem es schon zwei Jahre lang zur Sweco-Gruppe gehörte. Wie kam es zu diesem Zusammenschluss – und welche Gründe spielten dabei eine Rolle?

Heinz Mornhinweg: Sweco und Ludes haben gemeinsame Werte. Unsere hohe Qualität in der Projektarbeit und die umfassende Verantwortlichkeit in Kunden- und Partnerbeziehungen haben wir bei Ludes wiedergefunden. Auch fachlich ergänzen wir uns ideal. Bei Sweco verbindet sich inter-nationales Know-how mit starker regionaler Präsenz. Architekten und Ingenieure arbeiten Hand in Hand, um anspruchsvolle Projekte risikofest umzusetzen. So können wir unseren Kunden ein erweitertes Leistungsspektrum bieten. In einer Übergangszeit von drei Jahren hat Stefan Ludes, ehemaliger Inhaber und Geschäftsführer von Ludes Generalplaner, die Integration aktiv begleitet und gestaltet. So konnten wir sicherstellen, dass der Übergang ohne Wissensverlust vollzogen wird.

Ludes Generalplaner war ja insbesondere im Gesundheitssektor tätig. Legten Struktur und Entwicklung dieses Marktes es nahe, sich ökonomisch neu aufzustellen?

Heinz Mornhinweg: Eine interdisziplinäre Arbeitsweise ist generell in der Architektur enorm wichtig. Kunden stellen die Anforderung, einen kompetenten Ansprechpartner zu haben. Daher baut Sweco den Generalplaner-Ansatz konsequent aus. Die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) spielt dabei eine Schlüsselrolle. Die Ansprüche, die an die Experten der TGA gestellt werden, sind sehr hoch. Gegenüber anderen Büros haben wir den Vorteil, dass wir Fachplaner verschiedener Disziplinen inhouse zur Verfügung haben. Sweco hat z.

B. den Bereich TGA mit dem Zukauf des renommierten Offenbacher Büros BML erst kürzlich verstärkt. Das Leistungsspektrum zu erweitern, war auch für Ludes einer der Gründe, sich Sweco anzuschließen.

Viele Krankenhäuser sehen für sich einerseits hohe Investitionsbedarfe – andererseits sehen sie zunehmend problematische wirtschaftliche Rahmenbedingungen auf sich zukommen. Wie sehen Sie diese Entwicklung als Architekten?    

Heinz Mornhinweg: Wirtschaftliche Rahmenbedingungen einzuhalten, gehört zu unserem täglichen Geschäft. Wir sehen uns als Dienstleister in der Verantwortung, entsprechend den Gegebenheiten das Beste zu planen und zu realisieren. Jedes Projekt ist dabei einzigartig. Flexibilität, Kreativität und Erfahrung sind wichtige Voraussetzungen dafür, Antworten auf die Herausforderungen im Krankenhausbau zu haben. Die Einhaltung von Kosten- und Zeitplänen ist für die Bauherren sehr entscheidend.

Es gibt auch einen starken Trend zur Ambulantisierung von Leistungen bei gleichzeitiger Ergebnissteigerung des stationären Angebotes – welche Folgen hat das aus Ihrer Sicht?

Heinz Mornhinweg: Die Krankenhäuser der Zukunft werden flexibel auf medizinische, soziale und demografische Entwicklungen reagieren müssen. Die Altersstruktur, aber auch die familiären und sozialen Strukturen der Menschen verändern sich. Es gibt immer mehr Einzelpersonen, die von mehreren Krankheiten gleichzeitig betroffen sind. Diese Personen benötigen sowohl Pflege- als auch Therapiemöglichkeiten. Die zunehmende Alterung der Bevölkerung wird sich auch auf die Struktur der Krankenhäuser niederschlagen.

Wie würden Sie Ihre eigene architektonische Philosophie und typische Herangehensweise beschreiben?

Heinz Mornhinweg: Interdisziplinäres Denken und Handeln sind uns ein wichtiges Anliegen. Dem Kunden sollte ein kompetenter und engagierter Ansprechpartner zuverlässig zur Verfügung stehen. Dieser Generalplaner-Ansatz wird bei Sweco gelebt und noch weiter ausgebaut. Damit „gute Architektur“ entstehen kann, sind außerdem Leidenschaft und Engagement für Architektur im Allgemeinen und für die Aufgabenstellung und Umsetzung des Projekts des Bauherrn im Besonderen unabdingbar. Individualisierte Arbeitsbedingungen, verschiedene Weiterbildungsangebote sowie die Möglichkeit zum internationalen Austausch bieten ein spannendes und abwechslungsreiches Arbeitsumfeld für unsere Mitarbeiter. Dabei gewährleisten wir ein kreatives Miteinander, einen respektvollen Umgang untereinander sowie ein gutes und offenes Betriebsklima. Gerade vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung und Vernetzung (Stichwort: BIM) sind Interdisziplinarität und eine Zusammenarbeit der unterschiedlichen Fachplaner elementar. Insbesondere in den Bereichen Gesundheitsbauten und Forschung und Lehre ist der Ansatz, alles aus einer Hand anzubieten, eine wesentliche Grundlage für den Erfolg der Planungsleistungen.

Könnten Sie uns einmal das eine oder andere aktuelle Projekt nennen, in dem diese Ansätze zum Tragen kommen?

Heinz Mornhinweg: Die Energiezentrale am Klinikum Darmstadt ist ein gutes Beispiel für die interdisziplinäre Zusammenarbeit unserer Experten. Sweco betreut das Projekt in den Leistungsphasen 1 bis 9 als Generalplaner und deckt die Leistungen Objektplanung, TGA, Tragwerksplanung und Brandschutz im eigenen Hause ab. Das bedeutet, dass Architekten und Ingenieure Hand in Hand arbeiten. Die Energiezentrale am Klinikum in Darmstadt ist außerdem eines der Pilotprojekte, mit denen die Implementierung von BIM (Building Information Modeling) bei Sweco vorangebracht werden soll.

Gesamtgesellschaftliche Entwicklungen beeinflussen den Gesundheitsmarkt – so verändern etwa Digitalisierung, Mobilität und Vernetzung die Ansprüche von Patienten und die Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Unter anderem wird daraus die Forderung nach einer stärkeren Öffnung des Krankenhauses zur Stadt und zu anderen Einrichtungen gezogen – und vieles mehr. Hat das konkrete Folgen für Planung und Bau von Gesundheitseinrichtungen – und welche sind das?

Heinz Mornhinweg: Krankenhäuser sind selten isoliert und zunehmend vernetzt mit anderen medizinischen Versorgungszentren (wie Therapieeinrichtungen, Gesundheitsvorsorge-, Fitness- oder Gymnastikangeboten). Sie haben auch häufig eine städtebauliche Bedeutung und stehen in einer gewissen Tradition, die heute oft nicht mehr so wahrgenommen wird. Das Krankenhaus wird auch über die Digitalisierung zu einer zentralen Institution werden. Ich kann mir vorstellen, dass Ärzte in Zukunft gar nicht mehr so oft persönlich aufgesucht werden müssen. Man denke nur an Video- und Skype-Sprechstunden oder Gesundheits-Apps. Das wird sich in der nächsten Zeit rasant weiterentwickeln. Kontinuierliche Weiterentwicklungen führen dazu, dass man Ergebnisse immer wieder in Frage stellen muss. In unserem Bereich können wir keine Standard-Lösungen fortschreiben, sondern müssen immer wieder neue Lösungsansätze entwickeln. Dazu gehört der nachhaltige Ansatz, Flexibilität für Entwicklungen zu lassen, beispielsweise in der Planung bereits eine mögliche spätere Umnutzung mitzudenken.

Herr Mornhinweg, zu den Metathemen des Bauens im Gesundheitswesen gehören Begriffe wie Healing Architecture und auch Healing Interior. Was bedeutet das für Sie und Ihre Arbeit – und welche Aspekte sind Ihnen hier besonders wichtig?

Heinz Mornhinweg: Healing Architecture ist ein Zusammenspiel aus Raum, Licht, Farbe und Proportion. Im Grunde betrifft das alle Bereiche, die bewusst wahrgenommen werden, also die äußere Gestaltung des Hauses genauso wie Patientenzimmer, Flure oder OP-Säle. Ich verbinde damit alle Bestrebungen, die den Patienten und die Gruppe derer, die die Patienten pflegt und behandelt, in den Mittelpunkt des gestalterischen Engagements stellen. Funktionalität allein ist also nicht genug. Im Krankenhaus befindet man sich in einer psychischen Ausnahmesituation und steht unter einer besonderen Anspannung. Das trifft sowohl auf Patienten und Besucher zu, als auch auf die Menschen, die dort arbeiten. Bei Architektur für Bauten des Gesundheitswesens geht es darum, den Menschen auch eine gestalterische Wertschätzung entgegenzubringen. Unsere Aufgabe ist es, für Ärzte und Pflegepersonal ein optimales Arbeitsumfeld zu schaffen, von dem auch die Patienten profitieren. In diesem Sinne kann Architektur heilen helfen, indem sie dem Wohl von Patienten und Arbeitsumfeld dient.

Könnten Sie das anhand einiger Praxisbeispiele näher erläutern?

Heinz Mornhinweg: Am Neubau der Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Herborn lässt sich illustrieren, wie Architektur zum Wohlbefinden von Patienten, Besuchern und Personal beitragen kann. So ist eine gute Orientierung beispielweise für Patienten mit dementiellen Erkrankungen wesentlich und hilft, Sicherheit zu vermitteln. Farbgebung und Lichtgestaltung sind dabei wichtige Gestaltungselemente, die eine Beschilderung unterstützen. Auch eine gut durchdachte Gebäudestruktur kann dabei helfen, Unsicherheiten der Patienten zu lindern und Geborgenheit zu vermitteln. Ein weiteres Beispiel ist der Neubau der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Salus-Fachklinikums Uchtspringe. Hier wurde durch ein Farb- und Motivkonzept den jungen Patienten eine Möglichkeit geschaffen, sich mit dem Ort zu identifizieren. Durch gute architektonische Gestaltung können Wohlbefinden und der Heilungsprozess gefördert werden.

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