„Klimaschutz wird sichtbar“

  • Annegret DickhoffAnnegret Dickhoff

Mit dem Projekt KLIK green erhalten jetzt 250 Häuser die Gelegenheit, sich aktiv für den Klimaschutz einzusetzen.

Wirtschaftlicher Effekt: Energie- und Ressourceneinsparung, Senkung der Betriebskosten. Das Berliner BUND-Projektteam steht unter Leitung von Annegret Dickhoff, die auch mit M&K sprach.

M&K: Der BUND in Berlin bemüht sich engagiert um Klimaschutz und Energieeffizienz in den Krankenhäusern des Landes. Auf welche Gegenliebe stößt dies bei den staatlichen und den privaten Betreibern?

Annegret Dickhoff: Schon im Vorgängerprojekt KLIK – Klimamanager für Kliniken engagierten sich 50 Kliniken und setzten zahlreiche Energieeinsparmaßnahmen um. Die Ergebnisse übertrafen die Erwartungen, denn sie agierten sehr motiviert. Die klimaschädlichen Emissionen sanken über den Zielwert hinaus und die Betriebskosten konnten in drei Jahren um neun Mio. € reduziert werden. Unabhängig von den Klinikbetreibern profitierten alle von diesen guten Resultaten.

Mit KLIK green hat der BUND ein Projekt ins Leben gerufen, das bundesweit in 250 Krankenhäusern für mehr Klimaschutz beitragen soll. Mitte Oktober fand die Auftaktveranstaltung in Berlin statt. Mit welcher Resonanz?

Dickhoff: Das war ein spannender offizieller Start mit 80 Gästen aus bundesdeutschen Kliniken. Zudem waren die Politik und Dienstleistungsunternehmen vertreten, die als Multiplikatoren Informationen über KLIK green verbreiten. Die Leitfrage: „Wie kann Klimaschutz in Kliniken gelingen?“, brachte zwei Welten zusammen - die medizinische Versorgung auf der einen und die klimarelevanten Auswirkungen des Klinikbetriebs auf der anderen Seite. Das Feedback zum Kick-off fiel durchweg positiv aus.

Zusammengefasst: Welche Ziele stecken hinter KLIK green genau und wie sollen die Kliniken das umsetzen?

Dickhoff: Durch die Qualifizierung von Klimamanagern können die Einrichtungen ihren Betrieb nachhaltiger gestalten. Ziel ist es, Prozesse in Kliniken zu hinterfragen - den Energie- und Ressourcenbedarfs zu überprüfen und zu optimieren. Bis zum Projektende in 2022 sollen insgesamt 100.000 Tonnen CO2 – Äquivalente vermieden werden, das heißt neben CO2 –Emissionen auch andere Treibhausgase wie Inhalationsnarkotika zu senken.

Welche Hilfe kann der BUND dabei leisten?

Dickhoff: Gemeinsam mit unseren Verbundpartnern, der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen und dem Universitätsklinikum Jena unterstützen wir die teilnehmenden Kliniken, Klimaschutzstrategien in den Einrichtungen zu entwickeln.

Wir führen die Qualifizierungsmaßnahmen in dreitägigen Veranstaltungen durch. Eine Schulung und drei Workshops vermitteln fachliche Inhalte und Methoden zur Vernetzung. Dabei nutzen wir sowohl die eigene Expertise als auch das Knowhow der Teilnehmer. Wir bieten zudem Hilfe bei der Fördermittelakquise an und begleiten die Antragsstellung.

Können die Kliniken das nicht auch in Eigenregie umsetzen?

Dickhoff: Ein Projektziel ist, die Kliniken zu befähigen, dauerhaft eine Struktur für Klimaschutz zu integrieren. Bisher fehlt eine bereichsübergreifende Betriebsorganisation und es mangelt an Zeit, strukturelle Veränderungen umzusetzen. Außerdem bekommt das Thema eine Zuständigkeit, weil jedes Haus ein Netzwerk aufbaut. Klimaschutz wird sichtbar, weil jemand den Hut aufhat.

Bereits von 2014 bis 2016 fand eine ähnliche Aktion in 50 Kliniken statt. Welche klinischen Defizite haben sich damals dabei herauskristallisiert?

Dickhoff: Einige. Sind z.B. Zuständigkeiten nicht geklärt oder Entscheidungswege sehr lang, demotiviert dies das Personal. Zudem ist manche Idee aus zeitlichen Gründen nur bedingt umsetzbar. Oder die notwendigen Fachkenntnisse fehlen. Letztlich hielt sich der Aufwand im Vorgängerprojekt mit ca. 6 Stunden pro Monat trotzdem in Grenzen. Fehlende Fachkenntnisse können immer über das KLIK-Netzwerk gewonnen und weitergegeben werden. Wichtig ist die Bereitschaft, sich Informationen zu beschaffen. Es bedarf einer guten PR-Strategie, die nach außen wirkt und auch das Personal motiviert. Und da die Kliniken mit dem Projekt eine Vereinbarung abschließen, unterstützt die Geschäftsführung das Vorhaben „von oben“.

Erwarten Sie ähnliche Effekte auch bei der jetzt angelaufenen Aktion?

Dickhoff: Ja, denn wir sehen, wie hoch die Anmeldezahlen bereits sind. Neben den umgesetzten Maßnahmen steht die Strategieentwicklung für mehr Klimaschutz auf der Agenda. Die Geschäftsführungen werden dazu in einem separaten Seminar am Februar 2020 nach Berlin eingeladen.

Im Ergebnis wurden bei der letzten Aktion rund zehn Prozent der Energie eingespart. Fachleute erwarten allerdings ein erheblich größeres Einsparpotential.

Dickhoff : Die Energieeinsparung ist ein wichtiges Thema, denn effizientere Technik bedeutet einen niedrigeren Energieverbrauch. Kliniken, die das BUND-Gütesiegel „Energie sparendes Krankenhaus“ tragen, konnten zuvor durch eine umfassende Sanierung der Technik bis zu
50 % ihres Verbrauchs senken. Der Fokus beim Klimaschutz liegt jedoch auf der CO2-Reduzierung. Daher muss das Zusammenspiel von Effizienz und Nutzung erneuerbarer Energie der Weg sein. Ein erster wirkungsvoller Schritt ist der Einkauf von Ökostrom bei Energiedienstleistungsunternehmen, die Strom nicht in Altanlagen erzeugen, sondern in solchen, die beispielsweise das „Grüner Strom Label“ tragen. Die Investition in Neuanlagen ist bei echtem Ökostrom garantiert und dieser Stromeinkauf bewirkt einen zusätzlichen Umweltnutzen.

Welche Kliniken sind eigentlich prädestiniert für eine Teilnahme? Ist ein Einstieg jetzt noch möglich?

Dickhoff: Bisher gibt es keine CO2-neutralen Krankenhäuser und Reha-Kliniken in Deutschland. Deshalb besteht in jeder Einrichtung Potenzial. Voraussetzung ist, dass sie sich auf der Internetseite anmelden.

Wann nimmt das Projekt die operative Arbeit auf?

Dickhoff: Wir führen zwei Zyklen durch. Der erste begann mit dem Auftaktworkshop vom 25. bis 27. November in Berlin. Alternativ finden weitere Workshops im Dezember in Düsseldorf, im Januar 2020 in Jena und Anfang März wieder in Berlin statt. Nach dem Auftakt nehmen die Klimamanager ihre Arbeit auf. Der zweite Qualifizierungszyklus startet im Herbst 2020. Ein früherer Einstieg lohnt sich, um möglichst lange im Projekt begleitet zu werden.

Die Teilnahme beinhaltet Workshops und Schulungen. Was genau wird dort auf den Tisch kommen?

Dickhoff: Wir erarbeiten die Einsparpotenziale und bereiten die Strategie für die klinikspezifischen Klimaschutzziele vor. Durch Inhalte zum Aufbau von internen Netzwerken und die Darstellung von zahlreichen Praxisbeispielen motivieren wir die Akteure und zeigen Möglichkeiten auf, wie Klimaschutz im Krankenhaus gelingt. Darüber hinaus sind alle beteiligten Klimamanager bereits Fachleute in ihrem Bereich. Das voneinander Lernen ist ein weiteres Ziel der Qualifizierung.

Rückblickend auf die Erfahrungen von früher: Ist KLIK ein dauerhafter Erfolg für die teilnehmenden Klinken?

Dickhoff: Das Vorgängerprojekt war ein Pilotvorhaben. Doch die bisherigen Klimamanager sind weiterhin aktiv für den Klimaschutz und integrieren diesen in ihrer täglichen Arbeit. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele wie die Uniklinik Köln und die Klinik Löwenstein bei unserer Kick-off-Veranstaltung erläuterten. Durch die Erweiterung über das Thema Energie hinaus kann KLIK green als Neustart verstanden werden.

www.KLIK-krankenhaus.de

Zur Person

Annegret Dickhoff ist als Dipl.-Ing. Projektleiterin und Fachdozentin im Bereich Krankenhaus tätig. Sie versteht sich als Netzwerkerin im Themenfeld Energieeinsparung, Erneuerbare Energie, Energieeffizienz, Gebäudetechnik, Motivation und Nutzerverhalten. Schwerpunkte liegen auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen.

 

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