Klinikum Darmstadt: Konzentration von Leistungen an einem Standort

Die Klinikum Darmstadt GmbH wird zur langfristigen Qualitäts- und Standortsicherung Leistungen vom Marienhospital Darmstadt künftig am zentralen Innenstadtcampus konzentrieren und dabei den Standort erhalten und künftig mit einem neuem Nutzungskonzept weiterbetreiben.

Dies teilten die Geschäftsführer Clemens Maurer und Prof. Dr. Nawid Khaladj sowie der Aufsichtsratsvorsitzende André Schellenberg nach einem entsprechenden Gesellschafterbeschluss und Aufsichtsratsbeschluss am Montag, 1. April mit. Dazu werden die Geburtshilfe des Marienhospitals sowie dessen Stationen für Innere Medizin und Weaning bis spätestens Ende Juni in das Klinikum Darmstadt mit seinen 1.000 Betten integriert.

Die Klinikleitung reagiert mit der Umstrukturierung darauf, dass Gesetzgeber und Gemeinsamer Bundesausschuss in den vergangenen Jahren mehrfach die Qualitätsanforderungen verschärft und den Kliniken in Deutschland eine strenge Ausrichtung an Qualitätsindikatoren als Planungsgrundlage vorgeschrieben haben. „Mit den geänderten Vorgaben wird letztlich eine Strukturbereinigung vorangetrieben, der wir uns stellen müssen“, erklärte dazu Geschäftsführer Clemens Maurer. „Offensichtlich verfolgt der Gesetzgeber das Ziel, dass kleine Krankenhäuser, die die geforderten Strukturmerkmale nicht erfüllen können, geschlossen werden“, so Maurer. In einem 115-Betten-Haus wie dem Marienhospital könne unter diesen Voraussetzungen der Betrieb der bestehenden Abteilungen nicht regelkonform aufrechterhalten werden.

Als eine Konsequenz daraus nimmt das Haus beispielsweise nicht mehr an der gestuften Notfallversorgungen teil. Auch suchen immer mehr Gebärende Geburtskliniken auf, die – anders als das Marienhospital – eine Frühgeborenen-Intensivstation und eine 24-stündige Anwesenheit von Neonatologen und Anästhesisten vorhalten (Perinatalzentren). Das begrenzte Leistungsspektrum habe zu Einbrüchen bei den Patientenzahlen und zu Fachkräftemangel am Standort Marienhospital geführt, erläutert der medizinische Geschäftsführer Prof. Dr. Nawid Khaladj. Bevor die Situation weiter eskaliere und die Patientenversorgung nicht mehr rund um die Uhr gewährleistet werden kann, müsse die Klinikleitung die Strukturen an die bestehenden Rahmenbedingungen anpassen.

Die Klinikum Darmstadt GmbH hatte das Marienhospital 2015 übernommen und erhebliche Investitionen darauf verwendet, das Krankenhaus als festen und etablierten Bestandteil des medizinischen Versorgungsangebots der südhessischen Stadt zu sichern.

Die Entwicklung hin zu deutlich gestiegenen gesetzlichen Vorgaben sei zu dem Zeitpunkt noch nicht absehbar gewesen, die Konsequenzen nun aber gravierend. „Das hat viele unserer Bemühungen zunichte gemacht“, so Khaladj. Die Konzentration der Leistungen am Klinikum Darmstadt sei daher ein folgerichtiger Schritt, stärke insbesondere die Geburtshilfe und Notfallversorgung und auch die Qualität der Behandlung am Standort Innenstadt insgesamt, der bis zum Jahreswechsel 2020/21 mit einem Zentralen Neubau aufgewertet wird. Als einziges Haus in Südhessen bietet der Maximalversorger die umfassende Versorgungsstufe für Notfallpatienten an. In diesem Umfeld werden sämtliche strukturellen Qualitätsanforderungen für die verlagerten Abteilungen erfüllt. Dieses Niveau werden in Deutschland nach Schätzungen des GKV-Spitzenverbandes nur knapp 100 Kliniken erreichen – Ausdruck des zunehmenden Konzentrationsprozesses zu größeren und leistungsfähigeren Einheiten.

Arbeitsplatzgarantie für alle Mitarbeiter – kein Versorgungsengpass für Geburtshilfe

Die Geschäftsführung der Klinikum Darmstadt GmbH betont ausdrücklich, dass mit der Umstrukturierung kein Stellenabbau einhergehen wird. Im Gegenteil erwartet die Klinikleitung, dass die Stärkung des Darmstädter Hauptstandortes langfristig dazu führen wird, dass neue Arbeitsplätze entstehen können. Allen von der Verlegung betroffenen Beschäftigten des Marienhospitals bietet die Klinikum Darmstadt GmbH einen gleichgestellten Arbeitsplatz im Klinikum an. Es wird durch die Verlagerung auch zu keinem Versorgungsengpass bei den Geburten in der Region Südhessen kommen. Das Klinikum wird kurzfristig sein Platzangebot für Geburten erhöhen und weitere Kreißsäle im Bestand der Frauenklinik einrichten. „Am Klinikum Darmstadt sind insgesamt ausreichend Kapazitäten vorhanden, um die jährlich zuletzt knapp eintausend Geburten im Marienhospital zu übernehmen,“ betont PD Dr. med. Sven Ackermann, Direktor der Frauenklinik im Klinikum.

Früh-Rehabilitationszentrum schafft neues Versorgungsangebot

Der Standort Marienhospital wird vollständig erhalten und nach Sanierung und Umbaumaßnahmen künftig mit neuem Nutzungskonzept weiterbetrieben. Einziehen wird voraussichtlich im Herbst 2020 die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, die sich noch im Stadtteil Eberstadt befindet. Als zweites Standbein für den Klinikstandort Marienhospital ist ein neurologisches Früh-Rehabilitationszentrum geplant, das einen dringenden Bedarf an wohnortnahen Rehabilitations-Plätzen in der Region abdecken soll. „Das Zentrum ist eine ausgezeichnete Ergänzung zum medizinischen Angebot des Klinikums und verbessert die neurologische Versorgung von Schlaganfallpatienten im Klinikum und in der Region Südhessen“, betont der medizinische Geschäftsführer Prof. Dr. Nawid Khaladj. Allein der Bedarf des Klinikums Darmstadt belaufe sich auf mehrere hundert solcher Plätze pro Jahr.

Das neue Nutzungskonzept hat zahlreiche positive Auswirkungen: Der Standort Marienhospital wird langfristig gesichert, das Konzept schafft neue Arbeitsplätze und bringt einen direkten Mehrwert für die Patientinnen und Patienten. Zudem wird eine hochentwickelte neurologische Versorgungskette in Südhessen geschaffen, die für auf diesem Gebiet spezialisierte Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte attraktive Arbeitsmöglichkeiten bietet.

 

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