Raum, Farbe, Gesundheit - Forschungsprojekt: Farbe im Kontext des „Gesundheitsbaus“

  • Farbforschung im Kontext: Der Proband erfährt unterschiedliche Farbkombinationen mittels VR-Technologie direkt auf der Station im Krankenhaus.Farbforschung im Kontext: Der Proband erfährt unterschiedliche Farbkombinationen mittels VR-Technologie direkt auf der Station im Krankenhaus.
  • Farbforschung im Kontext: Der Proband erfährt unterschiedliche Farbkombinationen mittels VR-Technologie direkt auf der Station im Krankenhaus.
  • Maßstabsgetreuer Versuchsaufbau in der Hochschule.
  • Auf Basis der Meta-Analyse erarbeitete Brillux-Vorschläge zur Farbgestaltung

Wie wirkt Farbe im komplexen Kontext von ­Gesundheitsbauten? Was muss bei der Entwicklung von nutzerspezifischen Farbkonzepten in diesem Bereich beachtet werden? Dies untersuchte Brillux in Kooperation mit der Technischen Hochschule Lübeck (TH Lübeck) und dem ­Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH). Ziel des Forschungsprojekts „Raum-Farbe-Gesundheit“ war es, eine Planungsmethode zu entwickeln, mit der die komplexen Parameter bei der Entwicklung von Farbkonzepten im Gesundheitsbau effizient erfasst und ausgewertet werden können. Die Ergebnisse wurden in der Brillux-Akademie in Münster präsentiert.

Farbe steht immer sowohl in einem räumlichen Kontext als auch in einem direkten Bezug zu den Menschen, die diesen Farbraum wahrnehmen. Im Bereich des Gesundheitsbaus ist der Kontext besonders komplex und sollte daher bei der Entwicklung von Farbkonzepten berücksichtigt werden. Doch wie gelingt eine präzise und zugleich anpassungsfähige Planungsmethode im Gesundheitsbau? Dieser Frage ging das Forschungsprojekt „Raum-Farbe-Gesundheit“ nach. 105 Probanden, außenstehende und im Krankenhaus stationär aufgenommene Personen sowie deren Angehörige überprüften mittels Virtual-Reality-basierter Technik Farbtöne in ihrer räumlichen und nutzerspezifischen Umgebung.

„Es ging uns insbesondere um die Fragen, ob sich bisherige Methoden und Entscheidungsgrundlagen erfolgreich im Gesundheitsbau anwenden lassen oder ob mithilfe modernster Technologien eine neue Methode entwickelt werden kann, die dem Betrachter eine bessere und genauere Beurteilung von Farbwirkungen erlaubt, als Farbkarten es bislang konnten“, so Marco Bock, Projektmanager der Farbstudios bei Brillux. „Die Schwierigkeit bei Farbkarten ist, dass hierbei ausschließlich das Vorstellungsvermögen des Betrachters gefordert ist“, ergänzt Lilith Ostholthoff, Interior Designerin im Brillux Farbstudio Münster. „Aber auch die Planungsmethode des realen Musterraums stößt im Kontext des Gesundheitsbaus an ihre Grenzen.

Mit der Virtual-Reality-Technik kann dagegen eine genaue räumliche Darstellung erfolgen, was die Vorstellungskraft entscheidend unterstützt.

Somit können viel mehr Personen erreicht werden.“

Zur Konkretisierung des Aufbaus der Studie „Raum-Farbe-Gesundheit“ wurden Farbangaben übernommen, die das Ergebnis einer vorab vom Masterstudiengang Architektur in Kooperation mit dem ebenfalls an der TH Lübeck verorteten Fachgebiet „Gesundheitswirtschaft“ durchgeführten ausführlichen Meta-Analyse waren. Auf dieser Grundlage wurden von Brillux drei verschiedene Farbkonzepte für ein Patientenzimmer in der Kinderklinik des UKSH entwickelt.

Ziel des Forschungsprojekts
Ziel des Forschungsprojekts war es zum einen, eine Virtual-Reality-basierte Methode zu entwickeln, mit der Farbkonzepte in Gesundheitsbauten insbesondere auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten werden können. Zum anderen sollte ein Forschungstool zur Beurteilung der Farbwirkung im Raum aus dem Projekt resultieren. Als Setting diente ein Patientenzimmer auf der kinderonkologischen Station der Kinderklinik des UKSH Lübeck, das in seinen Abmessungen mitsamt Möblierung in einer dreidimensionalen Virtual-Reality-Version nachgebildet wurde.

Aufbau der Studie
In einer nutzerorientierten Befragung wurden tatsächlich stationär aufgenommene Patienten und deren direkte Kontaktpersonen sowie gesunde, außenstehende Probanden zu den drei verschiedenen Farbvarianten befragt, die im Rahmen des Forschungsprojekts angefertigt wurden. Die gesunde Probandengruppe setzte sich aus Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitern des Fachbereichs Bauwesen der TH Lübeck zusammen. Die unmittelbar mit dem UKSH in Verbindung stehende Probandengruppe bestand aus Patienten ab 14 Jahren, deren Angehörigen und Pflegekräften der Kinderonkologie.

Ergebnisse und Erkenntnisse  
„Es gibt zwei Haupterkenntnisse“, so Prof. Dipl.-Ing. Architekt Stephan Wehrig. „Die Anwendung von Farbkonzepten, deren Farbauswahl auf einer ‚konventionellen‘ Farbenlehre beruht, muss hinterfragt werden und eine Farbsegmentierung sollte in jedem Falle nutzerorientiert sein.“

Da es mit der VR-Methode keine Hürde in der Vorstellungskraft der Probanden gibt, können bei dieser Methode viele Personen mit in die Befragung einbezogen werden. Die Studie zeigte zudem, dass unterschiedliche Zielgruppen unterschiedliche Wahrnehmungen hatten. Direkt bzw. indirekt mit dem Krankenhaus in Berührung kommende Personen und außenstehende Personen reagierten unterschiedlich. Eine Differenzierung in der Wahrnehmung war auch bei Erwachsenen und Kindern zu beobachten sowie innerhalb der Probandengruppe des UKSH Lübeck.

Anwendung in der Praxis
Das entwickelte Forschungstool, bestehend aus den VR-Komponenten, dem Fragebogen zur Dokumentation der Reaktionen, der Datensammlung mitsamt Kategorisierung sowie dem Auswertungsleitfaden wurde als Planungstool an Brillux übergeben. Durch die VR-Technologie können nutzerorientierte Farbkonzepte schneller als mit einem realen Musterraum getestet und ausgewertet werden.

Das Forschungsprojekt stieß bei  Prof. Dr. med. Egbert Herting, Direktor der Klinik für Kinder- u. Jugendmedizin, UKSH Lübeck, und bei Prof. Dr. med. Melchior Lauten, Leiter des Bereichs Kinderonkologie am UKSH in Lübeck, auf so großes Interesse, dass sie den Wunsch äußerten, mithilfe des im Rahmen der Studie entwickelten Forschungstools für die geplante Sanierung der Kinderklink nutzerorientierte Farbkonzepte zu entwickeln. „Oft genug sind wir in der Kinderheilkunde notwendigerweise in der Situation, dass wir Dinge auch unüberprüft tun müssen, um Kindern zu helfen. Wenn sich nun abzeichnet, dass wir durch die Verwendung dieses neuen Ansatzes unsere Räumlichkeiten kindgerechter gestalten können, als wir uns das bislang aus der Erwachsenenperspektive gedacht haben, ist es absolut nachvollziehbar, dass wir diese Chance nutzen!“, so Prof. Dr. med. Melchior Lauten. Kurzerhand wurden daraufhin erneut 40 Probanden, Patienten, Angehörige und Pflegekräfte befragt. Die auf Basis der Antworten erstellten Farbgestaltungen der Patientenzimmer und Flure werden bereits seit Ende Juni 2019 im Zuge der Renovierung von drei Etagen der Kinderklinik in die Praxis umgesetzt
 

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