Hygiene

In der Pandemie braucht es Konzepte für Kultur, Kliniken, Seniorenheime, Kitas und Schulen

13.07.2022 - Forschende des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) entwickeln im Kooperationsprojekt B-FAST unter Federführung der Universitätsmedizin Göttingen und der Universitätsklinik Köln nachhaltige Überwachungsstrategien und Testmethoden für den Einsatz in künftigen Pandemien.

Testmethoden und Überwachungsstrategien sind wertvolle Werkzeuge, um Infektionen bereits frühzeitig zu erkennen und die unkontrollierte Ausbreitung eines Erregers zu verhindern. Zudem können umfassende Hygienekonzepte dazu beitragen, das Ansteckungsrisiko zu reduzieren. Die Erprobung unterschiedlicher Test- und Überwachungskonzepte zur Eindämmung des SARS-CoV-2-Infektionsgeschehens in besonders relevanten Lebensbereichen, wie beispielsweise Seniorenheimen, Kliniken, Schulen und Kitas, war das Ziel des NUM-Teilprojekts B-FAST (Bundesweites Forschungsnetz „Angewandte Surveillance und Testung”). Bis Dezember 2021 erarbeiteten Ärzte und Wissenschaftler aus 26 Universitätskliniken zu-ammen mit circa 50 Partnerinstitutionen aus Industrie, Politik, Wissenschaft und Gesundheitswesen Methoden, Konzepte und Strategien für einen breitgefächerten Ein-satz in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens zur Bewältigung der Pandemie. Das Großvorhaben wurde mit fast 20 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über eine Laufzeit von 16 Monaten gefördert. Koordiniert wurde es gemeinsam von Prof. Dr. Simone Scheithauer, Direktorin des Instituts für Krankenhaushygiene und Infektiologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), und Prof. Dr. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Klinischen Infektiologie an der Uniklinik Köln.

„Die in B-FAST entwickelten Methoden, Strategien und erworbenen Erkenntnisse tragen dazu bei, dass wir auf künftige Bedrohungssituationen durch Pandemien besser vorbereitet sind“, sagt Prof. Dr. Gerd Fätkenheuer und erläutert: „Die Herausforderung lag bei B-FAST in dem sich extrem dynamisch entwickelnden Infektionsgeschehen. Neue Virusvarianten, die sich ändernde Immunitätslage durch Impfungen, aber auch die Einschränkungen durch die Lockdowns erschwerten die Umsetzung einiger Erprobungsstrategien. Deshalb mussten Methoden und Konzepte laufend angepasst werden.“ Die Test- und Überwachungsstrategien wurden in Kooperation mit externen Partnereinrichtungen, wie dem Robert-Koch-Institut in Berlin oder dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig entwickelt. Die Ergebnisse aus B-FAST wurden bisher in rund 100 wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlicht.

Ausgewählte Ergebnisse: Lolli-Methode für Schulen und Kitas

Die „Lolli-Methode“ ist eine kindgerechte Abstrich- und Untersuchungsmethode zur flächendeckenden Testung von Kindern. Sie wurde vorranging von den Kölner Wissenschaftlern entwickelt. Die Methode ist einfach: Jeder Schüler lutscht für jeweils 30 Sekunden an einem Abstrichtupfer. Die Tupfer werden anschließend pro Klassenverband in ein bis zwei Gefäßen zusammengebracht („gepoolt“) und mittels Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) auf SARS-CoV-2 getestet. Bei einem positiven Ergebnis der gesamten Speichelprobe werden die Schüler der entsprechenden Klasse dann noch einmal einzeln getestet und so die infizierten Kinder oder Jugendlichen ausfindig gemacht. Die Lolli-Methode wurde in verschiedenen Bundes-ländern zur Infektionserkennung in Schulen und Kitas eingesetzt.

Zentrale Plattform für molekulare Überwachung

Die Erforschung und Aufschlüsselung des SARS-CoV-2-Erbguts ist die Voraussetzung, um neue Virusvarianten zu erkennen und das Infektionsgeschehen auf molekularer Ebene zu überwachen. Aus diesem Grund hat B-FAST zusammen mit der Deutschen COVID-19 Omics Inititative (DeCOI), die Infrastrukturen und Expertenwissen im Bereich der Genomforschung bündelt, eine zentrale Plattform für die molekulare Überwachung initiiert. „Die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung zeigt sich insbesondere in der Fortsetzung dieser Arbeiten in zwei NUM-Teilprojekten, die 2022 gestartet sind. Beide Projekte werden in enger Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut, dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt und den lokalen Gesundheitsämtern durchgeführt“, sagt Prof. Dr. Simone Scheithauer aus der UMG und ergänzt: „Es ist unser Ziel, die Erfahrungen im Rahmen der Überwachung von SARS-CoV-2 auf andere gesellschaftlich und für Krankenhäuser relevante Erreger, wie zum Beispiel das Grippevirus oder multi-resistente Bakterien, zu übertragen.“

Weitere Ergebnisse

Zudem wurden in B-FAST Sicherheits- und Hygienekonzepte für die Durchführung von Veranstaltungen im Kulturbereich erarbeitet. Mit Hilfe von Informationstechnologie entstanden darüber hinaus Vorhersagemodelle für die Wahrscheinlichkeit positiver Tests. Diese Modelle ermöglichen die schnelle Darstellung von Kontaktnetzwerken bei unerwartet positiven Personen und erlauben Risikoabschätzungen zur Infektionsgefahr in Innenräumen.

Kontakt

Universitätsmedizin Göttingen

Robert-Koch-Str. 42
37075 Göttingen
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