Gesundheitspolitik

Onkologie: Konzeption zur qualitätsgesicherten 3-stufigen Organisationsstruktur

04.05.2012 -

Onkologie: Konzeption zur qualitätsgesicherten 3-stufigen Organisationsstruktur. Weltweit erkranken jährlich 10 Millionen Menschen an Krebs – Tendenz steigend. Die WHO rechnet im Jahr 2020 sogar mit 15 Millionen Neuerkrankungen. In Deutschland wurden im Jahr 2002 allein 425.000 Menschen mit der Diagnose Krebs konfrontiert, rund 210.000 sind daran verstorben. Krebs ist eine Volkskrankheit. Jeder von uns ist direkt im Bekannten- oder Verwandtenkreis von der Krankheit betroffen. Mit der Zunahme von Krebspatienten sind immer größere Herausforderungen an die Gesundheitspolitik und die Gesellschaft verbunden. Gerade vor dem Hintergrund der immer knapper werdenden Ressourcen im Gesundheitssystem müssen jetzt Strukturen geschaffen werden, die auch in Zukunft eine optimale Versorgung aller Patienten sicherstellen.

Dazu gehört zwingend die Organisation einer geregelten Interdisziplinarität zwischen den onkologischen Fachdisziplinen und den niedergelassenen Vertragsärzten. Interne Qualitätsmerkmale bilden dabei die Entwicklung von tumorspezifischen Di- agnosepaketen und -regeln, Festlegung und Dokumentation von Therapieabfolgen durch verbindliche Leitlinien sowie die fürsorgliche Betreuung der Betroffenen in ambulanten oder stationären Nachsorgeeinrichtungen. Beim Brustkrebs haben diese Organtumorzentren zu einer massiven Verbesserung in der Versorgung dieser Patientinnen geführt.

Gegenwärtig entstehen in vielen Regionen unseres Landes Organtumorzentren, die beim Darm-, Prostata-, Lungen- und Hautkrebs die Fachexperten der zuständigen Fachdisziplinen zur engen Kooperation verpflichten. Die geforderte Qualität in den onkologischen Zentren hinsichtlich effizienter Strukturen, optimierter Abläufe und erfolgter Diagnose sowie Therapie muss durch Zertifizierung von unabhängigen Fachexperten nachgewiesen werden. Erst vor wenigen Wochen konnte dem 140. Brustzentrum das Gütesiegel der beiden zuständigen Dachgesellschaften, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie, verliehen werden. Innerhalb eines Jahres konnten ebenso 16 Darmkrebszentren zertifiziert werden. Weitere Zentren sind im Zertifizierungsprozess. Im Verlauf dieses Jahres sind auch die ersten Zertifizierungen für Prostatazentren durch die Deutsche Krebsgesellschaft geplant. Eines der wesentlichen Ziele von Organtumorzentren ist die Verbesserung der Qualität in der onkologischen Versorgung, die durch eine adäquate Diagnostik und eine sinnvolle Therapiereihenfolge erzielt werden soll. Hierfür bildet eine enge Informationskommunikation zwischen den Fachdisziplinen in Krankenhäusern untereinander und insbesondere mit den niedergelassenen Kollegen eine wesentliche Voraussetzung. Die Facharztpraxen, vor allem mit onkologischer Ausrichtung, bilden einen integralen Bestandteil solcher Zentren und sind für das Gelingen der Kooperation zwischen stationärem und ambulantem Bereich entscheidend mit verantwortlich.

Organbezogene Tumorzentren als wichtige Säule

Solche organbezogenen Tumorzentren bilden wichtige Säulen für die Etablierung Onkologischer Zentren, die als regionale Anlaufstellen flächendeckend in Deutschland eine qualitativ hochwertige Versorgung der Krebspatienten sicherstellen sollen. Diese zweite Ebene der Versorgungsstruktur setzt sich aus mehreren Organtumorzentren zusammen. Über die organspezifischen Anforderungskataloge der Organtumorzentren“ hinaus sind weitere Ressourcen vorzuhalten, die organübergreifend organisiert und zentral gebündelt werden können. Dazu gehört die Tumordokumentation, die möglichst für die verschiedenen Tumorentitäten auf einer gemeinsamen Grundlage harmonisiert werden sollte. Unverzichtbar für den medizinischen Fortschritt ist die Durchführung klinischer Studien, die ein entsprechendes Studienmanagement mit den dafür notwendigen Personalressourcen voraussetzen. In den Aufgabenbereich eines onkologischen Zentrums gehört also auch die fachübergreifende Aus- und Fortbildung von Ärzten und Pflegeteams einschließlich Studienassistenten, um den hohen Qualitätsstandard zu sichern und den aktuellen Kenntnisstand in der Onkologie zu vermitteln.

Neben diesen Managementaufgaben prägen auch gemeinsame medizinische Aufgabenbereiche das onkologische Zentrum. Besonders im Vordergrund stehen die Palliativmedizin und die supportive Therapie wie Schmerzbehandlung, Transfusionsmedizin, Ernährungs- und Physiotherapie, die ebenfalls fachübergreifend von der Leitung des Onkologischen Zentrums organisiert werden können. Auch psychosoziale Versorgung einschließlich Rehabilitation und der Psychoonkologie stellen wichtige und durchaus zentral zu steuernde Behandlungsfelder dar. Zunehmend an Bedeutung gewinnen auch die medizinische Genetik in der Beratung von Betroffenen und den Angehörigen sowie eine Analyse generisch definierter Befunde. Nur durch die umfassende Integration aller Bereiche und ihrer qualifizierten Fachvertreter ist eine, sektorübergreifende Versorgung auf höchstem Niveau möglich. Abhängig von örtlichen Gegebenheiten werden Netzwerke aus Einzelpraxen, Großpraxen, Medizinischen Versorgungszentren und Krankenhäusern diese Gesamtstruktur gewährleisten.

Werden neben der klinischen Versorgung zusätzlich wissenschaftliche Projekte, insbesondere der grundlagenorientierten bzw. translationalen Forschung und deren klinische Anwendung verfolgt, entsprechen solche Verbünde der Definition eines Comprehensive- Cancer-Center (CCC). Mit dieser qualitätsgesicherten 3- stufigen Organisationsstruktur soll die flächendeckende Onkologische Versorgung in Deutschland gewährleistet werden. Durch die Zentrenbildung werden sich Synergien ergeben, die neben einer Optimierung der Patientenversorgung und einer Stärkung der interdisziplinären Kooperation auch ökonomisch sein werden. Voraussetzung dafür ist die selbstverständliche Integration aller direkt oder indirekt an der Behandlung der Tumorpatienten beteiligten Berufsgruppen.

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