Der Transport setzt die Grenzen beim Modulbau

  • Prof. Marian DutczakProf. Marian Dutczak

Das Interesse an Krankenhäusern steigt kontinuierlich, teils weil Zwänge dies erfordern, teils weil die Qualität konstruktiv ausgereift ist.

Technisch und architektonisch ist der Modulbau dem konventionellen Bau gleichzusetzen. Das ist das Credo des Dortmunder Architekten Prof. Marian Dutczak, der Firma Bergstermann  +  Dutczak Architekten Ingenieure in Dortmund, der auf langjährige Erfahrungen verweisen kann.

M&K: Ihr Architekturbüro befasst sich zum überwiegenden Teil mit dem Krankenhausbau. Es gibt in Deutschland rund 500.000 Krankenhausbetten. Welche Bedeutung hat dabei heute die Modulbauweise erreicht?

Marian Dutczak: Bereits vor 25 Jahren hat unser Büro angefangen sich mit dem Thema Modulbau zu befassen. Wir waren und sind nach wie vor fest davon überzeugt, dass die traditionelle Bauweise bei vielen Bauaufgaben nicht mehr zeitadäquat ist. Sowohl die Modulbauweise als auch die Leichtbauweise aus vorgefertigten Bauelementen können viele Vorteile für sich verbuchen. Witterungsunabhängige Herstellung in konditionierten Produktionshallen, Wiederverwendung nach Runderneuerung, Recycling etc. Wir können heute feststellen, dass sich die Modulbauweise im Krankenhausbereich im Aufwärtstrend befindet.

Entscheiden sich die Bauherren heute aus Überzeugung für den Modulbau oder beeinflussen Zwänge die Entscheidung?

Dutczak: Die Entscheidung für einen Modulbau resultiert primär immer noch aus standortbedingten Zwängen. Natürlich gibt es aber auch zunehmend Auftraggeber, die vom Modulbau überzeugt sind oder sich von den Architekten entsprechend überzeugen lassen. Hier trägt auch die aktuelle Umweltdiskussion positiv dazu bei, dass gewohnte Wege verlassen werden und eine größere Aufgeschlossenheit dem Neuen gegenüber diagnostiziert werden kann.

„Erst durch die Realisierung qualitativ hochwertiger Modulbauten wurden die meisten Vorurteile abgebaut“, habe sie einmal geschrieben. Welche waren das und welche sind geblieben?

Dutczak: Modulbau wurde lange Zeit mit Containerbau gleichgesetzt. Und Containerbauten sind in erster Linie Zweckbauten ohne einen ausgeprägten architektonischen Anspruch.

Denken wir nur an Baucontainer, temporäre Unterkünfte oder Interimsbauten. Darüber hinaus gab es Bedenken hinsichtlich der Durabilität sowie der Flexibilität bei evtl. zukünftig erforderlichen Umbauten. Wir haben unsere Auftraggeber immer eingeladen, unsere Modulbauten zu besichtigen und mit den Nutzern über deren Erfahrungen zu diskutieren. Die Ergebnisse waren durchgehend positiv. 

Aus den Leitbegriffen der Architektur, „Firmitas, Utilitas, Venustas“ lässt sich die Frage ableiten: Wie erfüllt die Modulbauweise mittlerweile diese Grundbedingungen des Baus? Ist der Modulbau aus dem reinen Zweckbau rausgewachsen?

Dutczak: Ja, inzwischen ist der Modulbau zum vollwertigen Bau aufgestiegen. Dies setzt natürlich voraus, dass die Modulbauten durch qualifizierte Architekten geplant werden.

Und geht das auch in Schönheit und Anmut?

Dutczak: Schönheit und Anmut resultiert primär aus der Fähigkeit der Architekten die richtigen Proportionen, Materialien und Farben zu finden sowie die Übergänge sorgfältig aufeinander abzustimmen. Hinzu kommen die richtige Reaktion auf die spezifischen Anforderungen eines Ortes sowie die zeitgeistbedingten Ausdrucksformen. Die Bauart, ob konventionell oder in Modulen, spielt dabei nur eine marginale Rolle.

Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit ist der Modulbau gegenüber der konventionellen Bauweise im Vorteil?

Dutczak: Zunächst einmal muss der Modulbau alle gesetzlichen Anforderungen im Hinblick auf Umweltverträglichkeit und Energieeinsparung erfüllen. Wesentliche Vorteile entstehen jedoch bei der Erstellung, dem Rückbau, beim Recycling und einer möglichen Wiederverwendung nach Runderneuerung. 

Bei welchen Voraussetzungen für den Krankenhausbau sollten sich die Bauträger für das Thema Modul entscheiden?

Dutczak: Die klassischen Entscheidungsfaktoren sind die Zeit sowie beengte Baustellenverhältnisse. Beides führt zu einer unangemessenen Belastung insbesondere des Pflegepersonals und der Ärzte aber auch der Patienten und deren Besucher. Zu den größten Belastungen zählen der Baulärm, Staub, Abgase sowie Erschütterungen aber auch Provisorien und Umwege. Aufgrund der schnellen Entwicklungen bei den Medizingeräten aber auch aufgrund neuer Erkenntnisse bei der Behandlung von Patienten, sind Krankenhäuser einer permanenten baulichen Anpassung ausgesetzt. Hierzu zählen Umbauten und Sanierungen im Bestand, Erweiterungsbauten und Neubauten. Eine signifikante Reduktion der Gesamtbauzeit ist somit im Interesse aller Beteiligten.

Gibt es die Möglichkeit, eine hybride Bauweise – klassisch und modul – anzugehen? Schließlich bieten sich Module gerade für hochtechnisierte Einheiten wie OPs oder Labore an? Mit welchen Vor- und Nachteilen?

Dutczak: Hybride Bauweisen sind eher die Regel als die Ausnahme. So werden z.B. die Fundamente aber auch ganze Kellergeschosse konventionell erstellt auf die dann die Module aufgelegt werden. Auch werden häufig vertikale Erschließungskerne sowie Räume mit größeren Dimensionen oder Sonderanforderungen konventionell errichtet.

Die Limitierung des Modulbaus liegt bislang in der Anzahl der Geschosse. Zeichnen sich hier Lösungen ab, die mehr als vier Geschosse erlauben?

Dutczak: Die Grenzen des Modulbaus bilden vor allem transporttechnische Restriktionen. Denken wir nur an Unterführungen, Brücken, Straßenbreiten etc. Eine wirtschaftliche Gebäudehöhe liegt inzwischen bei sechs Geschossen.

Beton, Stahlmodul, Holzbauweise: Der Modulbau diversifiziert bei den Materialien. Wo liegen die Eignungen und entscheidenden Unterschiede?

Dutczak: Modulbau ist Leichtbauweise und somit kommen bevorzugt Holz- und Stahlkonstruktionen zur Ausführung. Beton ist aufgrund des Gewichts eher ungeeignet und hat außerdem eine schlechte Ökobilanz. Bei Holzkonstruktionen muss insbesondere der Brandschutz beachtet werden. Dies ist in einigen Bundesländern im Krankenhausbau ein großes Problem. Der Stahlbau dagegen ist eher unproblematisch. Hinzu kommen die Vorteile bei einer möglichen Wiederverwendung. Stahlkonstruktionen sind extrem langlebig. So kann ein Modulbau nach z.B. 25 Jahren im Werk entkernt, neu ausgebaut und als runderneuertes Gebäude wieder in Betrieb genommen werden.

Lassen sich diese spezifischen Eignungen für den Krankenhausbau nutzen?

Ja, wenn ein Gebäude beispielsweise aufgestockt werden soll, dann bieten sich Module aufgrund des geringeren Gesamtgewichts besonders gut an.

Beim Energiebedarf zählen Kliniken zu den energieintensiven Betrieben. Andererseits sind zahlreiche Infrastrukturmaßnahmen, die für einen Passivbau notwendig wären, bereits integriert. Bietet der Modulbau grundlegend bessere Möglichkeiten, die Energiebilanz des KKH signifikant zu verbessern?

Dutczak: Der Gesetzgeber unterscheidet zunächst einmal nicht in welcher Bauweise und mit welchen Materialien ein Gebäude erstellt werden soll. Das bedeutet, dass alle Bauten bestimmte Kriterien erfüllen müssen. Ein Modulbau hat somit zunächst einmal keine signifikanten Vorteile im Hinblick auf die Energiebilanz im laufenden Betrieb. Wünscht der Auftraggeber einen über die gesetzlichen Vorgaben der EnEV gehenden Energiestandard, so sind solche Vorgaben auch im Modulbau realisierbar. Energieeinsparungen entstehen jedoch bei der Herstellung. Durch Rechnerunterstützung und Lasertechnik wird deutlich weniger Verschnitt produziert und das spart Energie bei der Materialherstellung sowie bei der Abfallentsorgung.

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