Gesundheitsökonomie

P.A.R.T.Y.-Programm für mehr Verkehrssicherheit

19.08.2015 -

Handy, Alkohol und Raserei: 18- bis 24-Jährige verunglücken auf deutschen Straßen am häufigsten.

Junge Fahrer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren sind nach wie vor die herausragende Risikogruppe auf deutschen Straßen. Im Jahr 2013 verunglückten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 3.339 Verkehrsteilnehmer tödlich, 493 davon im Alter von 18 – 24 Jahren. Der Bevölkerungsanteil dieser Gruppe beträgt gerade einmal 8 %, ihr Anteil am Unfallgeschehen hingegen ca. 18 %. Obwohl sich beim Unfallgeschehen insgesamt ein positiver Trend feststellen lässt, bleiben die Anteile der jungen Pkw-Fahrer stabil hoch. Der tödliche Verkehrsunfall ist nach wie vor Haupttodesursache für diese Altersgruppe. Das Risiko, tödlich zu verunfallen, ist dabei für die jungen Fahranfänger im Alter von 18–20 Jahren noch um ca. ein Drittel höher als für die 21- bis 24-Jährigen.

Welche Unfälle sind typisch für junge Fahrer?

Sehr oft sind die jungen Pkw-Fahrer auch diejenigen, die den Unfall verursachen. So wurden 2013 über 70 % der Unfälle, an denen 18- bis 20-jährige Pkw-Fahrer beteiligt waren, auch von diesen verursacht. Sonderauswertungen des Statistischen Bundesamtes für die Jahre 2007 – 2008 zeigen Unterschiede in der Unfallstruktur der jungen (18 – 19 Jahre) und der erfahrenen Pkw-Führer (25 – 54 Jahre): Bei jungen Pkw-Fahrern dominieren Unfälle, bei denen der Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert, ohne den direkten Einfluss anderer Verkehrsteilnehmer (26 % junge Fahrer im Gegensatz zu 18% erfahrene Fahrer). Bei erfahrenen Fahrern dominieren dagegen Auffahr- und Überholunfälle. Der Faktor „nicht angepasste Geschwindigkeit“, also die richtige Wahl der Geschwindigkeit in Abhängigkeit von der aktuellen Verkehrssituation, ist die Hauptunfallursache bei jungen Fahrern. Junge Fahrer verunglücken häufiger am Wochenende (25% junge Fahrer, aber nur 14 % erfahrene Fahrer). Junge Fahrer sind öfter an Unfällen bei Dunkelheit beteiligt (22 % gegenüber 12 % bei den erfahrenen Fahrern). Die sog. Disko-Unfälle sind häufig eine Kombination aus Wochenendfahrten und Fahrten bei Dunkelheit. Auswertungen der UDV-eigenen Unfalldatenbank (UDB) zeigen weiterhin: Junge Fahrer sind selten allein unterwegs, im Mittel sind die Fahrzeuge mit zwei gleichaltrigen Mitfahrenden besetzt. Die meisten Unfälle ereignen sich auf Fahrten zu Orten, die für Jugendliche typisch sind, wie Arbeits-/Ausbildungsstätte, Gaststätten, andere Freizeiteinrichtungen.

Unerfahrenheit und Jugendlichkeitsrisiko kommen zusammen

In der Unfallforschung ist man sich einig, dass das Fahrverhalten von Fahranfängern durch die Unerfahrenheit als Pkw-Führer (Anfängerrisiko) und durch ein jugendspezifisches Risikoverhalten (Jugendlichkeitsrisiko) geprägt ist. Aufgrund der noch fehlenden Fahrpraxis sind selbst einfache Fahraufgaben wie beispielsweise Blicke in den Spiegel, ohne dabei das Umfeld aus den Augen zu verlieren, noch kaum automatisiert. Kommen nun noch Alkohol, Drogen oder Ablenkung ins Spiel, wirkt sich das besonders negativ auf das Fahrverhalten aus.

Neuer Ansatz zur Erhöhung der Verkehrssicherheit

In den vergangenen Jahren gab es vermehrt Anstrengungen, das Unfallrisiko der jungen Fahrer zu senken, zum Beispiel durch das Begleitete Fahren mit 17 (BF17) oder die Null-Promille-Grenze für Fahrer unter 21 Jahren oder innerhalb der Probezeit. Trotzdem sind junge Fahrer nach wie vor die Hauptrisikogruppe im Straßenverkehr. Daher müssen hier weitere Anstrengungen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit unternommen werden. Das Unfallpräventionsprogramm P.A.R.T.Y. ist dafür ein viel versprechender Ansatz. Hier werden Jugendliche mit den Folgen eines Unfalls und ihrer eigenen Verletzbarkeit konfrontiert. Die Zielgruppe sind Schüler der 10. Klasse (15- bis 16-Jährige) aller Schulformen. Sie stehen noch vor der eigentlichen „Fahrerkarriere“, treffen aber bereits eigenständige Mobilitätsentscheidungen, beispielsweise als Mitfahrer. Das Ziel ist, sie sehr frühzeitig zu sensibilisieren. Die Erfahrungen der ausländischen P.A.R.T.Y.-Pendants legen nahe, dass das Programm das Potential hat, die Zahl der Unfälle und die Unfallfolgen zu verringern.

Das deutsche P.A.R.T.Y.-Programm wird gegenwärtig von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) wissenschaftlich evaluiert. Mit der Evaluation soll die Wirksamkeit des Programms überprüft, die Wirkungsweise des Programms aufgezeigt und Vorschläge zur Programmoptimierung erarbeitet werden. Mit Ergebnissen wird Ende 2017 gerechnet.

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