Telemedizin: Der persönliche Gesundheitsberater

  • Johannes Dehm, VDE Initiative MikroMedizin, Frankfurt am Main (Bild: Continua Health Alliance, modifiziert J. Dehm).Johannes Dehm, VDE Initiative MikroMedizin, Frankfurt am Main (Bild: Continua Health Alliance, modifiziert J. Dehm).

Telemedizin kann besonders für chronisch kranke Menschen wertvolle Dienste leisten. So lassen sich etwa mit Anwendungen wie Telehomecare und Telemonitoring die Lebensqualität und das Sicherheitsgefühl der Patienten im Alltag erhöhen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in den meisten Staaten der Welt dank neuer Techniken und Verfahren bei Diagnostik und Therapie sowie neuer Arzneimittel erheblich verbessert. Die demografische Entwicklung der Bevölkerung, das damit verbundene Ansteigen altersbedingter Erkrankungen sowie die vor allem auf einer ungesunden Lebensführung beruhende starke Zunahme chronischer Erkrankungen wie Diabetes, Herzkrankheiten und anderen stellten uns nun vor neue Herausforderungen.

Weit über 50 % der deutschen Gesundheitsausgaben werden für die Behandlung chronischer Krankheiten aufgewendet. Allein die Kosten für Diabetes samt Komplikationen und Folgeerkrankungen beliefen sich 2010 auf ca. 70 Mrd. €. Die Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung betrugen im Jahr 2010 ca. 174 Mrd. €.

Eine Begrenzung der Versicherungsbeiträge oder staatlicher Zuschüsse zur Gesundheitsversorgung werden sich unter diesen Umständen ohne wirksame Maßnahmen zur Erhöhung der Effizienz und der Qualität in der Gesundheitsversorgung nicht erreichen lassen. Die Telemedizin in ihren Ausprägungen Telekonsultation, Teleradiologie und Telemonitoring kann hierfür künftig entscheidende Beiträge leisten.

Vor allem Anwendungen wie Telehomecare und Telemonitoring (die Überwachung der Vitalparameter im häuslichen Umfeld) könnten gerade für chronisch Kranke die Lebensqualität und das Sicherheitsgefühl im Alltag erhöhen. Zwar werden diese Verfahren nur in Pilot- und Modellprojekten genutzt, doch aufgrund der inzwischen ausgereiften Technik und ermutigender Projektergebnisse, wie die kommende VDE-Studie „Pro TeleMonitoring" zeigt, rücken sie zunehmend als neues Verfahren für Ärzte, Leistungserbringer und Kostenträger in den Blick.

Beim Telemonitoring erfassen Sensoren kontinuierlich die für die Erkrankung relevanten physiologischen Messparameter. Diese Werte werden entweder automatisiert oder aktiv durch den Patienten an einen Gesundheitsdienst, ein Disease Management, ein Fitness/Wellness-Center, eine elektronische Patientenakte, ein Implantat Monitoring oder eine Pflegeeinrichtung übermittelt und dort ausgewertet.

Werden bestimmte Grenzwerte überschritten, wird automatisiert eine Aktion ausgelöst z.B. ein Alarm, sodass eine vertraute Person, ein Arzt oder Rettungsdienst sofort eingreifen kann. Der Arzt kann das Telemonitoring als zusätzliche Informationsquelle für die Therapieoptimierung nutzen. Die Integration der Daten in eine elektronische Akte ermöglicht die Therapiekontrolle und eine automatisierte medizinische Dokumentation.

Die kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter ermöglicht auch bei längeren Behandlungsintervallen eine genaue Steuerung der Therapie und trägt dazu bei, dass sich die Compliance und der Krankheitszustand des Herzpatienten verbessern. Die Zahl der Krankenhausaufenthalte, Notarzteinsätze und Arztbesuche nimmt darüber hinaus deutlich ab, mit der Folge, dass sich die jährlichen Kosten für die Betreuung erheblich verringern.

Von großem Nutzen, beweisen die Studien, ist das Telemonitoring bei der Versorgung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz. Das Krankheitsbild mit rund 200.000 Neuerkrankungen verursacht jährlich - vor allem durch die häufige Rehospitalisierung der Patienten - hohe Kosten im Gesundheitssystem.

Eine Mission: Ambient Assisted Living

Aus der Verbindung von Gesundheitstelematik mit AAL-Anwendungen („intelligenten", vernetzten Hausgeräten und -einrichtungen) ergeben sich weitere Ansätze, um die Selbstständigkeit Älterer und Pflegebedürftiger möglichst lange zu erhalten. Übergreifende Konzepte und technische Plattformen für Betreuungs-, Sicherheits- und andere Dienstleistungen fehlen jedoch bislang - trotz wachsender Nachfrage. Die heutigen Insellösungen lassen sich erweitern, wenn sie mit anderen Technologien, etwa mit Bewegungsmeldern oder Sensoren für die Sicherheitsüberwachung (z.B. Brand-, Sturz-, Aktivitätsmeldern), kombiniert werden.

Wachsender Markt

Inzwischen werden die Senioren als wichtige Kundengruppe von der Wohnungswirtschaft entdeckt. In Projekten werden „klassische" Wohnungen durch die Integration von Mikrosystemtechnik, Hausvernetzung und Mehrwertdienstleistungen zu „intelligenten" altersgerechten Immobilien umgebaut. Die Bewohner können künftig aus verschiedenen Dienste-Paketen der Bereiche Gesundheit, Sicherheit und Komfort auswählen.

Der demografische Wandel ist auch für andere europäische und außereuropäische Industrieländer, wie etwa Japan, Israel und die USA, eine Herausforderung. So ist unter dem Titel „Ambient Assisted Living" innerhalb des siebten Forschungsrahmenprogramms (2007 bis 2013) eine europäische Initiative in der Umsetzung, mit der unter Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien und Tele-Dienstleistungen übergreifende, bedürfnisorientierte Lösungsansätze für die alternden Gesellschaften und den zunehmenden Pflegebedarf entwickelt werden.

Das Programm umfasst nicht nur technologische Faktoren, wie die Verknüpfung von „Smart-Home"-Anwendungen mit anwendungsfreundlichen Benutzerschnittstellen, Telemedizin und die Einbindung von Kommunikationsmedien, sondern auch sozioökonomische, politische und nicht zuletzt wirtschaftliche Faktoren. Allein der europäische telekardiologische Markt wird nach Prognosen des Marktforschungsunternehmens Frost & Sullivan von 50 Mio. € im Jahr 2005 auf bis zu 400 Mio. € in 2011 wachsen. Der weltweite Markt für intelligente Heimautomationssysteme wird nach Schätzungen des Unternehmens von rund 173 Mio. US-$ im Jahr 2002 auf bis zu 399 Mio. US-$ 2009 steigen.

 

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