Gesundheitsökonomie

Trends in der Qualitätssicherung

Ablösung der BQS durch AQUA – QSR wird zunehmend angewandt

24.03.2010 -

Ein zentrales Thema auf dem 3. Nationalen Qualitätskongress Gesundheit in Berlin war die zu erwartende Änderung in der bundesweiten Zusammenführung von BQS-Qualitätssicherungsdaten durch das AQUA-Institut in Göttingen. Ziel ist es, die bisherigen Indikatoren mit sektorübergreifenden Aspekten zu ergänzen. Die 2008 gegründete Initiative Qualitätsmedizin wird 2010 schon Qualitätssicherung der Stationären Versorgung mit Routinedaten (QSR) für 114 Mitgliedkrankenhäuser und rund 1,5 Mio. Patienten leisten.

Krankenhäuser sind auf der gesetzlichen Grundlage des Sozialgesetzbuches V (§§ 135 und 137) zur Meldung von Qualitätssicherungsdaten verpflichtet. Diese Daten beinhalten Ergebnisse von Leistungsbereichen und Qualitätsindikatoren, die Auskunft über die medizinische Versorgungsqualität geben sollen.
Leistungsbereiche (Module) sind nach Sozialgesetzbuch etwa Brustkrebsoperationen oder Herzkatheteranwendungen; Qualitätsindikatoren z.B. die Häufigkeit von Komplikationen oder die Durchleuchtungsdauer mit Röntgenstrahlen. Die jeweils zuständigen Landesgeschäftsstellen der BQS erhalten in bundeseinheitlicher Form Angaben zu knapp 20% aller stationärer Behandlungsfälle. Bei jeder Gallenblasen- oder Hüftoperation muss das medizinische Personal in allen Kliniken Deutschlands die gleichen Formulare ausfüllen und die gleichen Fragen beantworten. Diese Daten stellen eine wichtige Grundlage für die interne Qualitätssicherung dar und waren die Grundlage für mehrere erfolgreiche regionale Klinikführer (Krankenhausspiegel Hamburg, Berliner Klinikführer des „Tagesspiegels").

Unklare Zukunft mit AQUA

Nachdem der Gemeinsame Bundesausschusses beschlossen hat, mit der bundesweiten Zusammenführung und Auswertung dieser Daten ab 1. Januar 2010 nicht mehr die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung, BQS, sondern das Institut für Angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen, AQUA, zu beauftragen, sind viele Fragen offen. Die Aussage des Leiters von AQUA, Prof. Dr. Joachim Szeczenyi, „dass die bestehenden Verfahren im stationären Bereich nahtlos fortgeführt werden", beruhigt, dennoch sind Änderungen zu erwarten. Nicht ohne Grund kündigt AQUA für Ende Januar 2010 die Präsentation eines sog. Methodenpapiers an, in dem es „seine Herangehensweise und die Verfahren der Qualitätssicherung aufzeigen" wird.

Qualitätssicherung mit Routinedaten (QSR)

Die von der Helios Kliniken Gruppe und dem Wissenschaftlichen Institut der AOK entwickelte QSR-Qualitätssicherung (Qualitätssicherung der stat. Versorgung mit Routinedaten) verändert die Qualitätsinformationen entscheidend: Erstmals stehen für schwere, risikoreiche Krankheitsbilder mit hoher Prävalenz Informationen über die eingesetzten Behandlungsverfahren und die standardisierte 30-Tage-, 90-Tage- und 1-Jahressterblichkeit routinemäßig zur Verfügung, unabhängig davon, ob der Patient in der erstbehandelnden Klinik, nach Verlegung odenach Entlassung verstorben ist. Für Operationen wird erkennbar, ob in standardisierten Zeitabständen schwere Komplikationen auftraten oder gar erneute Operationen erforderlich wurden, auch dann, wenn die Komplikationen von anderen als der erstbehandelnden Klinik versorgt werden mussten. Da das Verfahren auf vorhandenen Daten beruht, ist kein zusätzlicher Erfassungsaufwand erforderlich. Das System umfasst derzeit acht Krankheitsbilder bzw. Operationen (Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Hirninfarkt, Kolon- bzw. Rektum-Operation bei Karzinom, Appendektomie, Implantation von Hüftgelenks-Total­endoprothese bei Coxarthrose bzw. Hüftgelenks-Endoprothese bei Fraktur, Implantation einer Kniegelenks-Totalendoprothese). Es ist auf der Basis der bereits vorhandenen Daten in Zukunft gut ausbaubar. Qualitätsinformationen auf dieser Basis sind nicht mehr von Selbstauskünften bzw. eigenständigen Erfassungssystemen der Leistungserbringer abhängig, sondern können davon unabhängig von den Krankenkassen ermittelt werden. Dadurch verbessern sich die Objektivität und Überprüfbarkeit von Qualitätsdaten erheblich. Erkannt worden ist inzwischen, dass die Todesrate aufgrund der geringen Fallzahlen im jeweiligen Krankenhaus nur bedingt aussagekräftig ist. In der Weiterentwicklung der QSR-Indikatoren werden künftig Remissionen, Wiederaufnahmen und stationäre Komplikationen berücksichtigt werden.

Zu den Gründungsinitiatoren dieser Initiative gehören die Helios Kliniken Gruppe, die Johanniter, die Medizinische Hochschule Hannover, die Malteser, die SRH Kliniken, das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, die Vereinigung Berufsgenossenschaftlicher Kliniken und das Universitätsspital Basel, die Charité Berlin, die Damp Gruppe, die Gesundheit Nordhessen, das ­Klinikum Saarbrücken, das Klinikum St. Elisabeth Straubing und die Ludwig-Maximilians-Universität München. Diese Initiative besteht deutschlandweit und ist offen für alle Trägergruppen. Schon während des Kongresses kündigte Prof. Dr. Thomas Kersting, Sprecher der Geschäftsführung, DRK Kliniken Berlin, an, der Initiative beizutreten. Die Mitglieder der Initiative verpflichten sich, in ihren Kliniken drei Grundsätze anzuwenden: Qualitätsmessung mit Routinedaten, Veröffentlichung der Ergebnisse auf einer trägerübergreifenden Plattform und die Durchführung von „Peer-Review-Verfahren". Bei diesen Peer Reviews werden Behandlungsprozesse mit auffälligen Ergebnissen von internen und externen ärztlichen Fachkollegen auf mögliche Fehler in den Ergebnissen, Abläufen und Strukturen anhand der konkreten Fälle untersucht, analysiert und anschließend konsequent verbessert.

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