Das Water Safety Plan-Konzept

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Bei dem Water Safety Plan-Konzept handelt es sich um einen risikobasierten Management-Prozess der World Health Organisation (WHO).

Angelehnt an das HACCP-Konzept aus der Lebensmittelbranche lässt sich dieses Konzept aber auch auf Trinkwasserinstallationen im Gebäude anwenden. Kernstück ist eine präventive Risikobetrachtung des gesamten Leitungssystems im Gebäude - von der Stelle des Wassereintritts bis zu jedem einzelnen Entnahmepunkt. In medizinischen Einrichtungen sind jedoch neben anlagentechnischen Fragestellungen auch spezielle Hygieneanforderungen zu berücksichtigen.

Gesetzliche Grundlagen

Die Gesetzes-, Verordnungs- und Empfehlungslandschaft hinsichtlich der Erstellung von Water Safety Plänen für den Klinikbereich zeichnet in Deutschland kein eindeutiges Bild. Doch die rechtliche Verankerung des Konzepts ist vorhanden, weshalb sich eine genaue Betrachtung der Situation aus Sicht des Betreibers – insbesondere im Hinblick auf mögliche Konsequenzen von trinkwasserassoziierten, nosokomial erworbenen Patienteninfektionen durchaus lohnt.

Das Umweltbundesamt (UBA) und der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfachs (DVGW) befassen sich seit 2005 näher mit dem Thema „Water Safety Plan“ im Sinne des WHO-Ansatzes. Verschiedene Arbeitskreise haben technische Merkblätter und Normenwerke entwickelt mit Fokus auf ein Gesamtkonzept zur „Sicherheit in der Trinkwasserverordnung“. 2015 wurde das Konzept zudem über die EU-Richtlinie 98/83/EG („Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch“) und die Änderung ihrer Anhänge II und III in die europäische Gesetzgebung überführt. Zudem wird ein Ablauf zum Risikomanagement im Normalbetrieb ausführlich in der Norm EN 15975-2 beschrieben, welche als international anerkannter Grundsatz u.a. gemeinsam mit dem Water Safety Plan-Konzept der WHO einen Anlass für die Änderung der Anhänge der 98/83/EG darstellte.

Über die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) finden sich die Inhalte der EU-Richtlinie 98/83/EG in der deutschen Gesetzgebung wieder. Darüber hinaus werden sowohl in der Trinkwasserverordnung, als auch im Infektionsschutzgesetz das UBA und die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) bzw.

das Robert Koch-Institut als verantwortliche Gremien benannt, um die Anforderungen aus der Gesetzgebung in konkrete Arbeits- und Handlungsempfehlungen zu überführen. Dadurch erhalten die Inhalte der Empfehlungen von UBA und RKI gesetzlichen Charakter und sind für Klinikbetreiber ebenfalls rechtlich bindend.

Ein zentrales Thema in allen Empfehlungen, Richtlinien und Gesetzestexten stellt die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik dar. Die Umsetzung aktueller technischer Normenwerke, Arbeitsblätter des DVGW und technischer Empfehlungen des UBA bekommt somit einen hohen Stellenwert. Eine Herausforderung für den Klinikalltag, da in etwa 300 technische Regeln existieren, die für alle Prozessschritte von der Wassergewinnung bis zur Entnahmestelle beschreiben, was in der Trinkwasserversorgung zu beachten ist.

Für die Bereitstellung von sicherem Trinkwasser sind fundierte Informationen notwendig, die nur durch eine vorherige, ausführliche Analyse und Bewertung, wie im Water Safety Plan vorgesehen, zuverlässig erarbeitet und zusammengestellt werden können.

Bei der Erstellung eines Water Safety Plans sollten zusätzlich zu anlagentechnischen Fragestellungen spezielle Hygieneanforderungen im medizinischen Umfeld berücksichtigt werden. Daher setzt sich ein vollständiges Water Safety Plan-Konzept idealerweise aus verschiedenen Komponenten zusammen: einem wasserhygienebezogenen Raumbuch, einer präventiven Gefährdungsanalyse und einem klinik-spezifischen Trinkwasser-Hygieneplan.

Das Wasserhygiene-Raumbuch – ein raumbezogener Überblick von Wasserentnahmestellen und angeschlossenen Verbrauchsgeräten

Um Mängel und Risiken einer Trinkwasserinstallation identifizieren zu können, ist ein Gesamtüberblick über das System und Wissen zu den individuellen Gegebenheiten erforderlich. Im Wasserhygiene-Raumbuch werden daher alle Wasserentnahmestellen inkl. der angeschlossenen Verbrauchsgeräte dokumentiert und mit möglichen trinkwasserbezogenen Risiken erfasst. Dies bildet eine fundierte Basis, um als kritisch zu bewertende Wasserstellen und Verbrauchsgeräte im Blick zu behalten und verstärkt in Prozesse, wie z.B. Spülpläne, zu integrieren. Eine gut strukturierte Dokumentation schafft zudem Transparenz für die Kommunikation im Alltag zwischen den verschiedenen Bereichen und Abteilungen, die sich mit Trinkwasserhygiene beschäftigen.

Die präventive Gefährdungsanalyse – eine technische Risikobetrachtung des Gesamtsystems mit Fokus auf Patientensicherheit

Laut Gesetzgebung ist hinsichtlich der Keimbelastung im Trinkwasser spätestens nach Überschreitung der gesetzlich festgelegten, zulässigen Grenzwerte die Erstellung einer Gefährdungsanalyse erforderlich. Nach neuesten Normenwerken (VDI 6023, Blatt 2: „Hygiene in Trinkwasserinstallationen – Gefährdungsanalyse“ (01-2018)) ist im Befundfall eine Teilbetrachtung des Systems zur Ursachenanalyse nicht mehr ausreichend. Stets muss eine Gesamtsystembetrachtung erfolgen, um mögliche Keimquellen zu identifizieren und langfristig zu beheben.

Diese Gesamtbetrachtung des Systems im sensiblen Klinikumfeld ist daher unumgänglich, um langfristig die Sicherheit von Patienten und Mitarbeitern zu gewährleisten. Dabei spielt in Krankenhäusern nicht nur der Befundfall, sondern vor allem eine präventive Betrachtungsweise eine zentrale Rolle. Technische Mängel und Risiken werden hierbei rechtzeitig aufgedeckt und können behoben werden, bevor dadurch für das Trinkwassersystem eine akute Gefährdung entstehen kann.

Der Trinkwasser-Hygieneplan – eine strukturierte Zusammenfassung als Ergänzung zum Qualitätsmanagement

Ein Trinkwasser-Hygieneplan fasst sämtliche Informationen zur Trinkwasserhygiene eines Klinikums übersichtlich zusammen - angefangen bei zuständigen Ansprechpartnern, über systembeschreibende Dokumente zur Trinkwasserinstallation aus dem Technik- oder Gebäudebereich, bis hin zu Arbeitsanweisungen, die im Zusammenhang mit der Verwendung des Trinkwassers durch Patienten oder Mitarbeiter stehen. Die Patientensicherheit, insbesondere in Hoch-Risiko-Bereichen, steht dabei im Fokus.

Die Erarbeitung eines Trinkwasser-Hygieneplans erfordert eine vorherige strukturierte Analyse des Trinkwassersystems inklusive angeschlossener Verbraucher. Aus technischer Sicht ist eine präventive Gefährdungsanalyse hierfür eine optimale Methode.

Durch seinen präventiven, ganzheitlichen und langfristigen Ansatz bildet das Water Safety Plan-Konzept eine wichtige Grundlage für die Bereitstellung von sicherem Trinkwasser. Somit verringert es zuverlässig das Risiko für Infektionen, die durch wasserassoziierte Keime verursacht werden können.

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