Trinkwasserhygiene – Für Krankenhäuser eine Herausforderung

  • Trinkwassernetze in Krankenhäusern sind von der hygienisch einwandfreien Installation, den Betrieb bis zur Wartung eine Mammutaufgabe (Quelle: fotalia/Thaut Images).Trinkwassernetze in Krankenhäusern sind von der hygienisch einwandfreien Installation, den Betrieb bis zur Wartung eine Mammutaufgabe (Quelle: fotalia/Thaut Images).

Während ein Einwohner auf dem Land durchschnittlich etwa 50 l Wasser pro Tag verbraucht, liegt dieser Wert für einen stationären Krankenhauspatienten bei 680 l - und gerade Patienten in Krankenhäusern und Pflegeheimen stellen eine Risikogruppe für wasserassoziierte Infektionen dar. Besonders gefährdet sind Ältere, Menschen mit schweren Grunderkrankungen, mit Malignomen, Patienten mit Immundefekt oder unter Immunsuppression, mit offenen Wunden, Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch Lungenkranke sowie Patienten unter einer Kortikosteroidtherapie.

Wasser wird im Krankenhaus zu vielen verschiedenen Zwecken und in ganz unterschiedlichen Zubereitungen verwendet. Leitungswasser dient zum Trinken und in der Pflege, es gibt Hämodialysewasser und Hämodialysierflüssigkeit, Wasser für pharmazeutische Zwecke, Lösungen zur Reinigung und Desinfektion, zur Aufbereitung medizinischer Geräte, Wasser in Therapie- und Gebärbädern sowie Eis. Und Wasser gilt als die am meisten übersehene wichtige, allerdings auch kontrollierbare Quelle nosokomialer Erkrankungen. Dies liegt immer noch an einem Mangel an Informationen, denn Methoden zur Kontrolle sind ausreichend vorhanden.

Nosokomiale Infektionen durch Trinkwasser finden durch Verschlucken, Kontakt oder Einatmen statt. Die häufigsten Erreger sind dabei Bakterien (Salmonellen, Shigellen, Campylobacter, V. cholerae, E. coli), Viren (Hepatitis A, Polio- und Rotaviren) sowie Parasiten (Ascaris, Cryptosporidien u.a.).

Trinkwasser enthält zwar von Natur aus eine große Zahl an Mikroorganismen, sie stellen aber für den Menschen im Allgemeinen keine Gefährdung dar. Problematisch wird es jedoch, wenn diese sich in den Hausinstallationen stark vermehren und es zu hohen Konzentrationen kommt (z. B. von Pseudomonas aeruginosa, Acinetobacter, Legionella pneumophila, Pilze, atypische Mykobakterien, Amöben u.a.).

Einbußen der Wasserqualität sind meistens hausgemacht

Beeinträchtigungen der mikrobiologischen Qualität des Wassers entstehen in der Regel nachträglich in der Trinkwasserverteilung im Krankenhaus. Hier gibt es diverse Schwachstellen wie z. B. die Trinkwassererwärmungsanlagen.

Warmwasserspeicher dürfen in Bezug auf die Verweilzeit des Wassers nicht zu groß dimensioniert sein. Außer dem Behältervolumen betrifft dies auch den Leitungsquerschnitt und die Zapfstellen. Das Wasser soll mindestens auf über 55°C erhitzt werden. Die Reinigungs- und Wartungsintervalle müssen verlässlich eingehalten werden.

Auch das Hausinstallationssystem birgt Risiken, etwa in Bezug auf die Länge, den Verzweigungsgrad (unsystematische Leitungsnetzerweiterungen), etwaige Stagnationsbereiche (Totleitungen), den hydraulischen Abgleich (unzureichende Zirkulationspumpen) sowie die ungenügende thermische Isolierung zwischen Kalt- und Warmwasser.

In der Peripherie lauern Gefahren bei fehlender Reinigung von Perlatoren, durch Biofilmbildung in Duschschläuchen, durch Undichtigkeiten zwischen Warm- und Kaltwasseranschluss bei Mischbatterien.

Für Klimaanlagen wird die Dampfbefeuchtung (Hybrid-Befeuchtung) anstelle von Umlauf-Sprühbefeuchtung empfohlen. In älteren Klimaanlagen sind Luftbefeuchter mit Umwälzbetrieb allerdings noch häufig zu finden und müssen entsprechend den Vorschriften für die Bedienungs- und Wartungsarbeiten kontinuierlich überprüft werden - das Feststellen und Dokumentieren von Bakterienwachstum im Umwälzwasser z.B. monatlich.

Tägliche Kontrolle für Medizinische Bäder

Whirlpool, Medizinische Bäder und Einrichtungen zur Hydrotherapie sind ebenfalls eine Schwachstelle für die mikrobiologische Verunreinigung von Wasser und besonders wartungsintensiv. Täglich ist hier der oxidierbare Biozid-Restwert des Wasserinhalts festzustellen, pH-Wert, Leitfähigkeit und Temperatur zu messen, zweimal pro Woche die Filtereinrichtungen zu kontrollieren, wöchentlich u.a. das Bakterienwachstum im Umwälzwasser zu dokumentieren, monatlich eine Untersuchung auf Legionellen durchzuführen.

Die Wasserqualität im Badebecken hängt von verschiedenen Faktoren ab: zum einen von der Qualität und Menge des Füllwassers, von der Verunreinigung durch den Badenden, den Maßnahmen zur Wasseraufbereitung und von der Beckenhydraulik. Ein einzelner Badender überträgt zwischen 10.000.000 und 1.000.000.000 Bakterien an das Wasser - durch Ausscheidungen wie Harn, Fäkalien und Körpersekrete sowie durch seine Hautoberfläche mit Hautschuppen, Schweiß und Kosmetika. Täglich sollen daher dem Bad mindestens 30-50 l Füllwasser pro Badendem zugesetzt werden, die Umwälzpumpen müssen ohne Unterbrechung laufen.

Qualitätskontrolle durch repräsentative Wasserproben

Für die Bewertung der zentralen Warmwasserversorgung sind repräsentative Wasserproben notwendig, die an verschiedenen Entnahmestellen erfolgen müssen (am Speicher, an Waschbecken und Dusche, an der Einmündung einzelner Stränge in die Zirkulations-Sammelleitung, in den Speicher und nach dem Speicher).

Neben den Entnahmestellen ist auch die Wahl geeigneter Probengefäße wichtig: sterile Gefäße für bakteriologische Parameter, inerte Gefäße für chemische Parameter und Glasgefäße für die Bestimmung von Bakterien-Endotoxinen. Unverzichtbar sind eine ausreichende Probenanzahl sowie eine ausreichende Probenmenge.

Allein diese Beispiele zeigen, dass die Prävention wasserassoziierter Infektionen durch ein einwandfrei funktionierendes Trinkwassernetz eine Mammutaufgabe ist und des Zusammenspiels aller Beteiligten bedarf: angefangen von den Vorschriften der Behörden und deren Kontrolle, der Planung und Errichtung durch Baufirmen, der Finanzierung durch die Betreiber, der internen Untersuchungen durch Mikrobiologie und Pathologie, der Gutachten externer Untersuchungsinstitute, der Beratung durch das Hygieneteam, der Instandhaltung durch die Haustechnik bis zur Information von Personal und Patienten sitzen letztlich alle gemeinsam in einem Boot und sollten sich als Crew verstehen.

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