Verkeimung von Wasserleitungen: Regelmäßige Spülung ist der beste Schutz

Um eine Verkeimung zu vermeiden, sind Krankenhäuser gut beraten, wenn sie ihre Wasserleitungen mehrmals im Jahr prüfen und warten lassen.

„Eine regelmäßige Spülung ist der beste Schutz", so Dr. Walter Dormagen vom TÜV Rheinland. In einer Untersuchung fand er heraus, dass die Trinkwasserqualität in einigen deutschen Krankenhäusern mangelhaft ist.

M&K: Ist gute Trinkwasserqualität in deutschen Kliniken ein grundsätzliches Problem?

Dr. Walter Dormagen: Das hängt u. a. vom Alter der Wasserinstallation und der Hygiene ab. In Krankenhäusern, in denen das Leitungssystem historisch gewachsen ist und demnach nicht dem neuesten Standard entspricht, kann es durchaus ein grundsätzliches Problem sein.

In welchen Bedingungen fühlen sich Keime im Leitungswasser besonders wohl?

Dr. Walter Dormagen: Grundsätzlich hat jede Keimart ihre eigenen Eigenschaften und vermehrt sich bei unterschiedlichen Bedingungen. Keime haben ein besonders leichtes Spiel, wenn sich an den Innenwänden der Rohre Ablagerungen und Biofilme gebildet haben - das ist z.B. dann der Fall, wenn ein Rohr nicht regelmäßig mit Wasser durchspült wird. Sehr hartnäckig ist dabei der Biofilm, der aus Mikroorganismen eine Schicht bildet und sich sehr schlecht abtrennen lässt - meist auch nicht durch eine Desinfektion.

Kann sich ein Krankenhaus überhaupt vor Erregern im Leitungswasser schützen?

Dr. Walter Dormagen: Eine regelmäßige Prüfung und Wartung der Wasserleitungen ist für jedes Krankenhaus ein Muss. Es ist u.a. wichtig, eine Zirkulationsstrategie herauszuarbeiten, damit eine regelmäßige Spülung der Wasserleitungen stattfindet. So kann Keimen am besten vorgebeugt werden.

Damit sprechen Sie schon eine Möglichkeit der Prävention an. Wie kann die Hygiene im Leitungswasser sonst noch verbessert werden?

Dr. Walter Dormagen: Die thermische Desinfektion ist vielfach die bevorzugte Vorgehensweise für den Warmwasserbereich. Dabei wird z.B.

einmal pro Woche das gesamte Leitungssystem für mindestens drei Minuten auf über 70ºC erhitzt. Bei dieser Temperatur werden die meisten Keime abgetötet. Der Nachteil ist jedoch die erhöhte Verbrühungsgefahr an den Entnahmestellen. Hier müssen besondere Vorsichtsmaßnahmen zur Verhinderung von Verletzungen umgesetzt werden.

Allerdings garantiert die thermische Desinfektion nicht, dass das Trinkwasser dauerhaft frei von Keimen ist.

Dr. Walter Dormagen: Das ist richtig, so können aus vorhandenen Biofilmen oder durch Undichtigkeiten im Leitungsnetz auch nach einer thermischen Desinfektion Legionellen im Trinkwasser auftreten. In Kaltwasserleitungen, die z. B. durch Heizungskeller oder im Bereich schlecht isolierter Warmwasserleitungen verlaufen, kann das Kaltwasser durchaus Temperaturen von über 25 ºC erreichen. In diesen Fällen finden Legionellen sogar im sonst ungeliebten Kaltwasser gute Wachstumsbedingungen.

Welche Maßnahmen gibt es neben der thermischen Desinfektion noch?

Dr. Walter Dormagen: Das Leitungssystem kann über sein normales Niveau hinaus gründlich durchgespült werden. Bringt auch das nichts, kann versucht werden, durch eine chemische Desinfektion das Keimproblem zu lösen. Zu diesem Zeitpunkt hat sich oft aber schon ein Biofilm gebildet, der - wie schon gesagt - nur schwer entfernt werden kann. Daher sind die Erfolge von Spülungen oder chemischen Desinfektionen häufig nur von kurzer Dauer. Kurz- bis mittelfristig setzen sich erneut Keime ab, und das Problem beginnt von vorne.

Verändert sich verkeimtes Wasser selbst in Geschmack, Geruch oder Aussehen?

Dr. Walter Dormagen: Eine geringe Verkeimung kann der Mensch dem Wasser nicht anmerken. Erst bei sehr starken Belastungen, die dann auch gesundheitlich sehr bedenklich sind, treten geruchliche und geschmackliche Veränderungen auf.

Legionellen gehören zu den Bakterien, die sich besonders gerne in Wasserinstallationen einnisten.

Dr. Walter Dormagen: Diese Mikroorganismen kommen in allen Oberflächengewässern und im Grundwasser vor und finden im Wasser bei Temperaturen von 25-45ºC ideale Lebens- und Wachstumsbedingungen. Sie können beispielsweise durch das Trinken von befallenem Trinkwasser oder dem Einatmen von Bakterien in Beatmungsschläuchen aufgenommen werden.

Die häufigsten Infektionen durch Legionellen erfolgen durch Einatmen von belasteten Tröpfchen, z.B. im Bereich von Duschen. Während Legionellen für das Immunsystem eines gesunden Menschen keine große Herausforderung darstellen, können sie für immungeschwächte Patienten in einem Krankenhaus durchaus lebensbedrohlich werden.

Die neue Trinkwasserverordnung verpflichtet auch Krankenhäuser, einmal im Jahr ihre Wasserleitungen auf Legionellen prüfen zu lassen. Reicht das als Schutz aus?

Dr. Walter Dormagen: Nein. Wegen der großen Anzahl von Personen, die sich in Krankenhäusern aufhalten und die aufgrund ihres Gesundheitszustands besonders empfindlich auf Keime reagieren, empfehlen wir eine quartalsmäßige Überprüfung des Trinkwassers, insbesondere auf Legionellen.

Zur Person

Dr. Walter Dormagen ist Chemiker und seit über 20 Jahren beim TÜV Rheinland tätig. Er ist verantwortlich für die Themen Gefahrstoffe, Mikrobiologie und Hygiene. Neben den Untersuchungen auf alle möglichen Schadstoffe in Gebäuden gehören auch die Untersuchungen auf Schimmelpilze und Hygieneuntersuchungen zu seinem Spektrum.

In diesen Bereich fällt das Labor für Trinkwasser­untersuchungen und auch der Trinkwasserprobenahmebereich. Über die reinen Probenuntersuchungen hinaus ist der Bereich von Dr. Dormagen auch in der Lage, bei Auffälligkeiten Empfehlungen für die geeignete Vorgehensweise abzugeben.

 

 

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