Big Data in der Medizin: Gemeinsames Projekt mit der Open University of Tanzania

  • Nehmen die datenschutzrechtliche Situation im Gesundheitswesen in Deutschland und Tansania in den Blick: Prof. Benedikt Buchner (links) und Prof. Alex Boniface Makulilo (rechts). Foto: Universität BremenNehmen die datenschutzrechtliche Situation im Gesundheitswesen in Deutschland und Tansania in den Blick: Prof. Benedikt Buchner (links) und Prof. Alex Boniface Makulilo (rechts). Foto: Universität Bremen

Ein Forschungsteam der Universität Bremen und der Open University of Tanzania untersucht in den nächsten drei Jahren die datenschutzrechtlichen Herausforderungen im Gesundheitssektor beider Länder.

Außerdem soll die Einrichtung eines Aufbaustudienprogramms für Gesundheitsrecht an der Open University of Tanzania vorbereitet werden. Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert das Projekt mit rund 48.000 €.

Professor Alex Boniface Makulilo von der Open University of Tanzania und Professor Benedikt Buchner vom Institut für Informations-, Gesundheits- und Medizinrecht der Universität Bremen konzentrieren sich bei ihrer gemeinsamen Forschung vor allem auf die elektronische Gesundheitskarte und die damit verbundenen Herausforderungen für die Datenschutzregulierung in beiden Ländern. Gleichzeitig soll damit auch die Basis für die Einrichtung eines Master of Laws-Programms zum Gesundheitsrecht in Tansania geschaffen werden, das Lehrveranstaltungen von tansanischer und deutscher Seite vorsieht. Eingebunden sind in das Projekt auf beiden Seiten auch Nachwuchsforschende: Dr. Dennis-Kenji Kipker und Merle Freye von der Universität Bremen sowie Dr. Rindstone Ezekiel und Doreen Mwamlangala von der Open University of Tanzania. Das Projekt trägt den Titel „Strengthening protection of personal data in the health sector: a comparative analysis of the Tanzanian and German eHealth System”.

Globale Problemstellung Datenschutz

Mit E-Health-Anwendungen wie der elektronischen Gesundheitskarte halten digitale Technologien weltweit zunehmend auch in das Gesundheitssystem Einzug. E-Health kann eine Unterstützung für ein effektiv funktionierendes und kostensparendes Gesundheitswesen sein, insbesondere auch in ländlichen Gebieten mit geringerer ärztlicher Versorgung. So kommen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Tansania auf einen Arzt 20.000 Patienten, in Deutschland sind es 218 Patienten. Gleichzeitig forciert E-Health das Sammeln von Daten, die verarbeitet und an verschiedenen Stellen bereitgestellt werden.

„Es ist eine besondere Herausforderung, sensible persönliche Gesundheitsdaten durch entsprechende gesetzliche Regulierung zu schützen, ohne das Funktionieren des Gesundheitssystems über Gebühr zu beeinträchtigen“, beschreibt Benedikt Buchner die zentrale Aufgabe des Forschungsprojekts.

Diese Herausforderung für die Datenschutzregulierung besteht gleichermaßen in Deutschland wie in Tansania, wobei die deutsche Seite die elektronische Gesundheitskarte bereits früher eingeführt hat. „Die komplexen Problemstellungen im Bereich E-Health erfordern eine intensive internationale Zusammenarbeit. Beide Seiten können durch die unterschiedlichen Erfahrungswerte und Perspektiven voneinander profitieren“, sagt Alex Boniface Makulilo.

Vergleichende Forschung und Austausch mit Praxis

In rechtsvergleichenden sowie empirischen Studien wollen die Forschenden die datenschutzrechtliche Situation in beiden Ländern untersuchen, dies auch mit Blick auf die Internationalisierung des Datenschutzrechts und die zunehmend erforderliche Angleichung der Datenschutzgesetze an die Europäische Datenschutzgrundverordnung auch in Drittländern. Neben Fachpublikationen soll die geplante Einrichtung eines LL.M.-Programms für Gesundheitsrecht an der Open University of Tanzania vorbereitet werden, hierfür das Curriculum sowie eine Handreichung für Hochschullehrende entwickelt werden. Vier Workshops, wechselweise in Bremen und Dar es Salaam, sind geplant. Der erste Workshop fand vom 5. bis zum 12. August an der Open University of Tanzania in Dar es Salaam und auf Sansibar statt. Alle Projektbeteiligten sowie Experten aus Tansania nahmen teil.

Research Ambassador der Universität Bremen

Die Förderung des gemeinsamen Forschungsprojekts durch die Alexander von Humboldt-Stiftung ist zugleich eine Bestätigung der Idee hinter dem Research Ambassador-Programm der Universität Bremen. Prof. Alex Boniface Makulilo ist vor kurzem zu einem von zehn Research Ambassadors der Universität Bremen ernannt worden. Research Ambassadors sollen die Universität Bremen im Ausland repräsentieren, Ansprechpartner für Interessierte an einem Studien-, Lehr- oder Forschungsaufenthalt in Bremen sein und dabei helfen, ein Netzwerk ehemaliger Studierender und Forschender der Universität Bremen aufzubauen. Die Universität Bremen unterstützt die Research Ambassadors dabei finanziell und ideell. Alex Boniface Makulilo hat 2012 als DAAD-Stipendiat bei Benedikt Buchner promoviert und 2014 bis 2016 sowie 2017 als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung am Institut für Informations-, Gesundheits- und Medizinrecht (IGMR) insbesondere zum Datenschutzrecht in Afrika geforscht.

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Universität Bremen
Bibliothekstraße 1
28359 Bremen

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