Cloud Computing: Die Wolke zieht Richtung Krankenhaus

  • Cloud Computing ist in 2011 ein Megathema der IT-Branche: Für 62% der vom IT-Branchenverband Bitkom Befragten ist Cloud Computing der Trend des Jahres 2011.Cloud Computing ist in 2011 ein Megathema der IT-Branche: Für 62% der vom IT-Branchenverband Bitkom Befragten ist Cloud Computing der Trend des Jahres 2011.

Cloud Computing ist in 2011 ein Megathema der IT-Branche: Für 62% der vom IT-Branchenverband Bitkom Befragten ist Cloud Computing der Trend des Jahres 2011 und soll allein in Deutschland in diesem Jahr für 1,9 Mrd. € Umsatz sorgen. 2015 rechnet man bereits mit 8,5 Mrd. €. Die Branche wittert einen neuen Wachstumsmarkt. Geld ausgeben und trotzdem sparen, scheint demnach das Verkaufsargument gegenüber den Anwendern zu sein. Die sehen Unternehmen wie Microsoft vor allem hierzulande, wie Deutschland-Geschäftsführer Ralph Haupter verkündete: „Wir haben die Chance, Deutschland zur führenden Cloud-Nation Europas zu machen." Eine neue Innovationskultur müsse dafür her.

Auch zur diesjähriegen CeBIT euphorisierte die virtuelle Wolke die Branche. „Cloud Computing hat Fahrt aufgenommen und ist auf dem besten Weg, die IT zu revolutionieren", gab sich seinerzeit Ernst Raue, Vorstand der Deutschen Messe AG, überzeugt. Doch nicht alle rennen mit Feuereifer dem Mega-Trend hinterher, sondern sehen Innovation auch anderswo: „Die Cloud wir die IT-Welt nicht komplett auf den Kopf stellen", holte SAPs Co-CEO Jim Hagemann Snabe mit seinem Kommentar die wieder herunter, die auf zu hohen Wolken schweben.

Technologieprogramm „Trusted Cloud"

Glaubt nun das Gesundheitswesen, es könne sich zurücklegen und erst einmal abwarten, täuscht es sich. Konzentriert sich Microsoft mit dem von dem Softwarehersteller unterstützten Projekt der „persönlichen Gesundheitskarte" mehr auf den Endverbraucher, hat sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) nicht nur ein Projekt zur Förderung von Cloud Computing im Krankenhausumfeld vorgenommen. Mit 50 Mio.  € soll in den nächsten drei Jahren im Rahmen des neuen Technologieprogramms „Trusted Cloud" die Entwicklung und Erprobung sicherer und rechtskonformer Cloud-Lösungen gefördert werden.

„Frühzeitig sollen so die Fragen der IT-Sicherheit und des Datenschutzes in diesem wichtigen Zukunftsfeld aufgegriffen und Deutschland als attraktiver Standort für Cloud Computing im weltweiten Wettbewerb etabliert werden. Cloud Computing biete insbesondere für den Mittelstand und den öffentlichen Sektor zukunftsweisende Perspektiven", so das BMWi.

Die beteiligten Projektpartner legen noch einmal die gleiche Summe als Eigenbeteiligung dazu. Zwölf Projekten wird die Förderung zugute kommen, darunter drei, die sich mit dem Themenbereich Gesundheit beschäftigen. Für Krankenhäuser relevant dürften die beiden Projekte „HealthCloud" und „Tresor" sein.

„HealthCloud" erschließt medizinische Rohdatenbestände

Die „HealthCloud" wird ein Konsortium aus Industrie und öffentlichen Einrichtungen entwickeln. Dazu gehören das Freiburger Software-Unternehmen Averbis, das Forschungsinstitut Fraunhofer SCAI, die TMF - Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sowie das Rhön-Klinikum. „Die Rhön-Klinikum AG ist stets an der Erschließung von medizinischem Wissen zur Verbesserung der Patientenversorgung interessiert. Das Healthcloud-Projekt wird hier Voraussetzungen schaffen, um aus den vielen bestehenden Datenbeständen Wissen zu generieren und nutzbar zu machen. Die Rhön-Klinikum AG wird ihre medizinische Kompetenz in die Bewertung der Retrival-Prozesse und die Validierung der Daten einbringen", begründet IT-Leiter Prof. Dr. das Engagement seines Hauses.

„HealthCloud" erschließt große medizinische Rohdatenbestände zur datenschutzgerechten Auswertung von vielfältigen Fragestellungen aus Forschung, Entwicklung und Gesundheits-Ökonomie. Der Ansatz kombiniert Textanalyse- und Data-Warehouse-Technologien und kann je nach Bedarf als private oder öffentliche Cloud bereitgestellt werden. Insgesamt sind drei Anwendungsszenarien angedacht: die Extraktion und Auswertung von Informationen aus anonymisierten Patientendaten über die operative Behandlung von Hüftgelenken, die Entwicklung von Verfahren zur automatisierten Plausibilitäts- und Wirtschaftlichkeitsprüfung medizinischer Behandlungen sowie die frühzeitige Identifizierung unerwünschter Nebenwirkungen neu eingeführter Medikamente mithilfe automatisierter Verfahren.

Averbis stellt dabei als der Konsortialführer eine Cloud-basierte Textanalyse-Software bereit, das Fraunhofer Institut SCAI übernimmt neben Text-Mining-Technologien auch das Host¬ing der Cloud-Infrastruktur. Die TMF steht als Trusted Partner für die Cloud-Infrastruktur zur Verfügung und erstellt hierzu die notwendigen Datenschutzkonzepte. Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) entwickelt Werkzeuge zur Auswertung medizinischer Daten weiter und erprobt im Umfeld des Universitätsklinikums Erlangen die Cloud-Anwendungen. Die Rhön-Klinikum AG beteiligt sich mit seinen über 50 Kliniken an der Realisierung der Anwendungsszenarien und überprüft, ob sich die Ergebnisse zur Standardisierung und Optimierung von Behandlungsprozessen eignen.

Dr. Philipp Daumke, Geschäftsführer von Averbis: „Die Einbeziehung der TMF als unabhängige Non-Profit-Organisation gewährleistet ein hohes Schutzniveau der sensiblen medizinischen Daten. Hierdurch soll das Vertrauen des Gesundheitssektors in Cloud Computing gestärkt und damit die Möglichkeit eröffnet werden, zukünftig auch datensensible Anwendungen in der Cloud anzubieten. Gerade bei der Sekundärnutzung klinischer Routinedaten bestätigen aktuelle Marktstudien der Cloud ein enormes Marktpotential und sehen allein bei der Verwendung von klinischen Primärdaten in der pharmakologischen Forschung einen Milliardenmarkt."

Das sieht auch Prof. Dr. Ulli Prokosch, CIO des Universitätsklinikums Erlangen, so: „Die Sekundärnutzung von Daten aus der Elektronischen Krankenakte ist bisher fast ausschließlich auf die Nutzung strukturierter Daten beschränkt. Der größte Teil medizinischer Informationen liegt aber elektronisch immer noch nur als Freitext in Befunden und Arztbriefen vor. Die HealthCloud eröffnet völlig neue Möglichkeiten, auch diese Informationen aus elektronischen Krankenakten zu nutzen und zur Generierung neuen medizinischen Wissens zu erschließen." Das ebenfalls geförderte Projekt „Tresor" und der Koordination der medisite Systemhaus GmbH plant dagegen den Aufbau eines Cloud-Ecosystems, um medizinische Verlaufsdokumentationen zu analysieren und effizient zu nutzen.

Datensicherheit hat Priorität

Schon allein am Projektthema „Trusted Cloud" zeigt sich, auf was es beim neuen Trend vor allem ankommt: die Datensicherheit. Das Dr. Wolfgang Martin Team hat die Sicherheit und die Vertraulichkeit der Daten in seiner XAAS-Studie 2010 als größte Hindernisse für das Cloud Computing eingestuft. Allerdings ist nicht jede Cloud gleich. Eine private interne Cloud, die hinter einem gesicherten Firewall residiert, ist schon per se sicherer als eine hybride oder öffentliche Cloud. Da scheint es geradezu natürlich, dass der privaten Cloud der Studie zufolge die größte Bedeutung beigemessen wird. „Das ist zwar eine konservative Sicht auf die Cloud, aber im Unternehmen in einer sicheren und besser kontrollierbaren Umgebung zu beginnen, ist eine durchaus vernünftige Strategie", so Dr. Wolfgang Martin.

Momentan werden vor allem Software-as-a-Service-Anwendungen im Bereich Marketing, Vertrieb und CRM gerne mit der Cloud in Verbindung gebracht, weil hier die Datensicherheitsbedenken am geringsten erscheinen. Anders sieht es mit der Archivierung und Datenspeicherung in der Wolke aus, vor allem, wenn sich die Daten in einer hybriden Cloud befinden, die interne und externe Services verbinden. Cloud-Storage oder Storage-as-a-Service (StaaS) wird nach Experteneinschätzungen auch in diesem Jahr ein Trendthema bleiben, wobei Experten den hybriden Clouds die größten Wachstumsraten bescheinigen. Vor allem Backup, Archivierung und Disaster-Recovery seien für StaaS momentan am besten geeignet, so eine aktuelle Studie der Marktforscher von IDC.

Datenspeicher in der Wolke

Die Storage-Branche steht schon lange in den Startlöchern, entsprechend präsentieren sich die Anbieter mit Lösungen, die das Cloud-Label tragen. Darunter, um nur einige davon herauszugreifen, Concat und Isilon Systems, die beispielsweise für die Hochschulen des Landes Niedersachsen eine gemeinsame Speicherinfrastruktur im Cloud-Verbund aufbauen sollen. Bei Acronis steht u. a. die um eine Option für Cloud-Backup erweiterte Unternehmenslösung Acronis Backup & Recovery 10 im Focus.

Mit dem Offsite-Backup- und -Recovery-Dienst sollen Unternehmen die Vorteile eines zusätzlichen Speicherplatzes für Daten und Systeme nutzen können, ohne in eigene Hardware investieren zu müssen. EMC setzt z. B. auf TeraCloud Storage in Zusammenarbeit mit TeraGate, eine auf der EMC Atmos-Plattform basierende Private-Cloud-Storage-Lösung oder als Management-Lösung den EMC Ionix Unified Infrastructure Manager (UIM). Mit dem Universitätsklinikum Leipzig führt das Unternehmen auch ein Krankenhaus in seiner Kundenliste, das zusammen mit der Universität Leipzig ein Cloud-Konzept plant, das die Rechenzentren virtualisiert miteinander verbindet und gleichzeitig die Daten der Klinik und der Universität strikt voneinander getrennt halten soll.

Die virtuelle Wolke zieht also bereits flott in Richtung Gesundheitswesen. „Der Erfolg hängt letztlich davon ab, inwieweit die Anbieter von Cloud-Diensten die Bedenken der Nutzer ausräumen können", konstatiert Markus Vehlow, der Cloud-Experte bei PwC.

 

Authors

Jetzt registrieren!

Die neusten Informationen direkt per Newsletter.

To prevent automated spam submissions leave this field empty.