TI-Feldtest: "Notfalldatensatz ist schnell erstellt und hilft im Einsatz enorm"

  • Dr. med. Thorsten Klüsener Foto: Dr. KlüsenerDr. med. Thorsten Klüsener Foto: Dr. Klüsener

Rund 70 Arztpraxen, eine Notfallpraxis, einige Apotheken sowie ein Krankenhaus erproben das Notfalldatenmanagement (NFDM) und den elektronischen Medikationsplan (eMP).

Zu den Testteilnehmern zählt auch Dr. med. Thorsten Klüsener, leitender Notarzt im Kreis Steinfurt und Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin sowie für Anästhesiologie.

Die hausärztliche Gemeinschaftspraxis im münsterländischen Altenberge, in der Dr. Klüsener seit 2006 tätig ist, und die Filiale in Billerbeck haben der bekennende Computer-Nerd und seine Kollegen schon vor vielen Jahren auf papierlose Prozesse umgestellt. Seit knapp zwei Jahren ist die Praxis, die das Praxisverwaltungssystem (PVS) InterARZT der InterData Praxiscomputer GmbH einsetzt, mit dem Ausstattungspaket des DGN an die Telematikinfrastruktur (TI) angebunden. Im Feldtest wird der darin enthaltene eHealth-Konnektor von secunet vor dem flächendeckenden Rollout erprobt.

Bereits in Konzeption eingebracht

Als InterData wegen der Feldtest-Teilnahme bei Dr. Klüsener anfragte, musste dieser nicht lange überlegen: "Als Notarzt bin ich natürlich sehr daran interessiert, die wichtigen und lebensrettenden Notfalldaten auf der elektronischen Gesundheitskarte zu hinterlegen." Aus seiner Sicht hätte der Chip auf der Karte schon viel früher dafür genutzt werden sollen anstatt nur für die Versichertenstammdaten. Deshalb hatte er sich bereits 2016, als das NFDM – zunächst in papiergebundener Form – entwickelt wurde, aktiv in die inhaltliche Ausgestaltung und Erprobung mit eingebracht.

Fehlbehandlungen und Zeitverlust vermeiden

Vor allem bei bewusstlosen Patienten tragen die Notfalldaten auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) dazu bei, im Einsatz eine schnelle und bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. "Wenn ich auf einen Blick sehe, welche chronischen Diagnosen und Allergien vorliegen, kann ich Fehlbehandlungen aufgrund von Unkenntnis vermeiden", erklärt der erfahrene Notarzt. "Sind zudem die Angehörigen, die im Notfall benachrichtigt werden sollen, der Hausarzt sowie das Vorliegen einer Patientenverfügung im Datensatz vermerkt, muss ich nicht mehr auf die Suche nach den entsprechenden Unterlagen gehen und spare so wichtige Zeit."

Der Notfalldatensatz speist sich aus der im PVS hinterlegten Patientenkartei.

"Ist diese bei langjährigen Patienten mit persönlichen Daten, aktuellen Diagnosen und verschriebenen Medikamenten gut gepflegt, ist der Notfalldatensatz innerhalb von nur ein bis zwei Minuten angelegt", berichtet Dr. Klüsener. Bei neuen Patienten müsse er etwas mehr Zeit investieren, um die entsprechenden Informationen zu erfragen.

Funktionierender Workflow

In einem Arbeitsgang wird auch gleich der Medikationsplan ohne großen zusätzlichen Aufwand mit angelegt. "Nach ein paar Startschwierigkeiten funktioniert der gesamte Workflow inzwischen einwandfrei", zeigt sich Dr. Klüsener zufrieden. "Der Feldtest gibt mir die Möglichkeit herauszufinden, ob das, was man sich theoretisch vorgestellt hat, in der Praxis auch wirklich läuft." Wichtig sei das reibungslose Zusammenspiel von Konnektor und PVS. Dank der engen Abstimmung mit InterData, für die technische Betreuung zuständig, konnten Fehlermeldungen und Probleme schnell behoben und Abläufe optimiert werden.

Eine Hürde gilt es allerdings noch zu überwinden: Um die Notfalldaten und den Medikationsplan auf die eGK des Patienten zu schreiben, muss sich Dr. Klüsener mit seinem elektronischen Arztausweis per PIN-Eingabe am Kartenlesegerät legitimieren. Auch der Patient muss als Zeichen seines Einverständnisses die PIN seiner eGK eingeben – und genau hier liegt das Problem: Viele Patienten kennen ihre PIN gar nicht und auch spontane Nachfragen bei der Krankenkasse helfen oft nicht weiter. Grundsätzlich kann aber jeder Patient die PIN bei seiner Kasse neu anfordern.

Patienten sind überzeugt

Vor allem zu Beginn wurde der Feldtest zudem durch die Coronakrise erschwert. "Zeitweise kamen nur wenige Patienten in die Praxis, so dass wir dementsprechend wenige Notfalldatensätze und Medikationspläne anlegen konnten", erinnert sich Dr. Klüsener. Das habe sich inzwischen aber wieder normalisiert. Bislang sind seine Patienten von der Möglichkeit, ihre Daten auf der eGK zu hinterlegen, durchweg begeistert: "Es war tatsächlich kein Patient dabei, der dies aufgrund von Datenschutz-Bedenken nicht wollte." Was die Angst vor Datenmissbrauch betreffe, gebe es wirklich eine große Diskrepanz zwischen der medialen Berichterstattung und dem, was er im Umgang mit seinen Patienten erlebe.

Nun hofft der Hausarzt, dass die beiden TI-Anwendungen möglichst bald flächendeckend zum Einsatz kommen. "Vor allem wünsche ich mir, dass die Rettungsfahrzeuge hier im Kreis ganz schnell mit einer Software zum Auslesen des Notfalldatensatzes ausgestattet werden", so Dr. Klüsener. "Dann wird diese nützliche neue Anwendung meinen Arbeitsalltag als Notarzt wesentlich erleichtern."

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