„Wir gehen heute schon neue Wege“

  • Enrico Jensch Foto: Thomas Oberländer, Helios KlinikenEnrico Jensch Foto: Thomas Oberländer, Helios Kliniken

Helios hat seine Angebote im Bereich ambulante Vorsorge und Behandlung neu aufgestellt.

Damit reagiert das Unternehmen auf einen sich wandelnden Krankenhausmarkt, der vor großen Herausforderungen steht. Seit Juli 2019 verantwortet Enrico Jensch, Helios Chief Operating Officer (COO), zusätzlich die Geschäftsbereiche „Ambulante Medizin“ und „Neue Geschäftsmodelle“, letztere beinhalten die Präventions- und Arbeitsmedizin und das große Thema E-Health. M&K mit ihm darüber, was die Helios Kliniken damit anstreben und wie die digitale Zukunft aussieht.

M&K: Was kann man sich unter den beiden neu gegründeten Geschäftsbereichen genau vorstellen?

Enrico Jensch: Grundsätzlich sind es unsere Angebote, die auf Prävention und ambulante Behandlung fokussiert sind. Dazu zählen derzeit sieben moderne Präventionszentren für medizinische Check-ups, viele arbeitsmedizinische Niederlassungen, ein Service-Center für die Facharzt-Terminvergabe, die 126 Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und der große Bereich der Telemedizin.

Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Jensch: Wir wollen alle diese Bereiche in ganz Deutschland schrittweise mit unserem Versorgungsangebot abdecken. Dazu lenken wir bewusst unsere Aufmerksamkeit über die Akutmedizin hinaus in den Bereich der Vorsorge und ambulante Behandlung. Auch wollen wir damit die bestehenden Schnittstellen zwischen den einzelnen medizinischen Sektoren glätten und dem Patienten das Gefühl der sektorenübergreifenden Versorgung vermitteln.“

Sind die Angebote im Bereich ambulante Vorsorge neu?

Jensch: In dieser kumulierten Form: ja. Wir haben hier die Chance gesehen, uns über die stationäre Akutmedizin hinaus entwickeln zu können. Eine zunehmende Regulation, intensiver Wettbewerb am Markt und die „Ambulantisierung“ haben dazu geführt, dass wir neue Wege beschreiten. Indem wir den Fokus auf Prävention legen und digitale Angebote entwickeln, können wir uns in der individuellen Krankheitsgeschichte des Patienten viel früher um ihn kümmern und ihn dann über alle Sektoren hinweg – sektorenübergreifend – länger begleiten.

360 Grad Gesundheit ist unser Anspruch.

Welche Rolle spielt die kürzlich gelaunchte Facharzt-Hotline?

Jensch: Am Telefon vermitteln speziell geschulte Mitarbeiter zeitnah und verbindlich Facharzttermine in unseren Kliniken oder den MVZ. Damit reagieren wir auf die wichtige Erkenntnis der vergangenen Jahre, dass Service für die Patienten eine immer wichtigere Rolle spielt, gerade in Zeiten, in denen Qualität als normal vorausgesetzt wird. Auch hier möchten wir Vorreiter werden. Der Patient, der uns anruft, beendet das Telefonat mit dem nächstmöglichen Termin. Vor Kurzem konnten wir in vier Bundesländern mit kompletter Abdeckung starten. Mit unseren digitalen Angeboten gehen wir heute schon neue Wege.

Und wie sieht die digitale Zukunft aus?

Jensch: Gemeinsam mit dem kanadischen Marktführer in der Telemedizin arbeiten wir mit Hochdruck an einer digitalen Gesundheitsplattform. Darauf werden wir hierzulande alle unsere telemedizinischen Angebote bündeln. Die oder der Behandelte wird über die Plattform betreut und bei Bedarf an die jeweils passende Stelle im Gesundheitssystem weitergeleitet.

Wie muss man sich das vorstellen?

Jensch: Wir denken dabei strikt aus Nutzerperspektive. Patienten greifen über eine App auf ihrem Smartphone oder am Computer auf das digitale Angebot zu. Zunächst durchlaufen sie eine künstliche Intelligenz-gestützte Anamnese. Dann schaltet sich eine medizinische Fachkraft zu, die den Patienten an die jeweils richtige Stelle im Gesundheitssystem lotst.

Das kann eine Videosprechstunde sein, die ebenfalls über die App abgehalten wird, oder ein Termin beim Allgemein- oder beim Facharzt. Es kann aber genauso die Einweisung in die Notaufnahme daraus folgen. Wir bewegen uns hier genau an den Schnittstellen zu unserem Helios-Netzwerk. Um deutschlandweit erfolgreich zu sein, wollen wir unser System langfristig aber auch für andere Ärzte und Kliniken öffnen, um den größten Mehrwert für unsere Behandelten bieten zu können.“ 

Was wollen Sie mit dem Vorstoß in die Telemedizin erreichen?

Jensch: Wir möchten Patienten einen schnelleren und leichteren Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglichen. Das ist gerade in ländlichen Gebieten dringend nötig, wo es in manchen Gegenden keine ausreichenden Versorgungsstrukturen mehr gibt. Zum anderen möchten wir immer noch existente Sektorengrenzen aufbrechen: zwischen Allgemeinmediziner und Facharzt oder zwischen Land und Stadt. Die digitale Gesundheitsplattform soll allen jederzeit zur Verfügung stehen, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Gleichzeitig können diese Angebote die Notaufnahmen entlasten. Aktuell sind hier noch zu viele Kranke, denen auf andere Art und Weise geholfen werden könnte. An der Entlastung der Notfallversorgung arbeitet der Gesetzgeber aktuell ja ebenfalls unter Gesundheitsminister Jens Spahn.

Wann soll die Plattform gelauncht werden und für wen ist die gedacht?

Jensch: Der Launch ist für Anfang des kommenden Jahres geplant. Zunächst soll das Angebot für ausgewählte Versicherungen und Firmen verfügbar sein. Diese können die Plattform ihren Mitgliedern, Mitarbeitern und Versicherten anbieten.

Zur Person

Enrico Jensch, 50, Chief Operating Officer (COO) bei Helios, wechselte nach dem Studium der Rechtswissenschaften in den Krankenhausbereich. Er leitete als Personalleiter die Integrationsphase der Humaine-Kliniken in den Helios-Verbund. Nach seiner Tätigkeit als Klinikgeschäftsführer war er sechs Jahre als Helios Regionalgeschäftsführer tätig bevor er ab 2015 Managing Director International wurde. Seit März 2018 verantwortet er als COO das internationale Geschäft und für Helios Deutschland seit 2019 als COO zusätzlich neben dem operativen Geschäft auch die neuen Geschäftsmodelle.

Kontaktieren

Helios Preventive Health
Schwanebecker Chaussee 50 , Haus 210
13125 Berlin

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