Die „innere Strahlentherapie“ bei Brustkrebs

Eine innere Strahlentherapie, (Brachytherapie) kann Vorteile gegenüber einer äußeren (perkutanen) Bestrahlung bieten.

Die Therapiedauer ist kürzer, auch ist die Technik gewebe- und hautschonender. Bisher kam die Brachytherapie bei Patientinnen mit hohem Rückfallrisiko zusätzlich zur herkömmlichen Strahlentherapie oder bei Patientinnen mit Rückfällen zum Einsatz. Neuerdings wird sie auch alternativ zur perkutanen Strahlentherapie bei Patientinnen mit Niedrigrisikopatientinnen durchgeführt. „Für die Patientinnen liegen die Vorteile klar auf der Hand: Kürzere Behandlungszeit und bessere Schonung von Haut und umliegenden Gewebe“, so Prof. Dr. Stephanie E. Combs, Sprecherin der DEGRO.

Heute wird bei Brustkrebs, wann immer möglich, brusterhaltend („im Gesunden“) operiert. Dies ist nicht nur aus kosmetischen Gründen wünschenswert, sondern auch sinnvoll, da über 90% der lokalen Rückfälle (Rezidive) im Bereich des ehemaligen Tumorbettes auftreten und nur selten in einer anderen Region. Nach einer brusterhaltenden Operation gehört eine adjuvante Strahlentherapie, meist als Ganzbrustbestrahlung („external beam radiotherapy“) mit Dosiserhöhung (Boost) im ehemaligen Tumorgebiet zur Standardtherapie. Durch dieses Vorgehen haben sich die lokale Rezidivrate und das Gesamtüberleben deutlich verbessert.

Neben der Bestrahlung von außen gibt es auch die „innere“ Strahlentherapie (Brachytherapie bzw. Kurzdistanztherapie). „Bei Brustkrebs kommt meist die Multikatheter-Brachytherapie zur Anwendung, bei der mehrere dünne Plastikschläuche in die Brust im Bereich des ehemaligen Tumors (Tumorbett) eingeführt werden“, erklärt Frau Prof. Dr. Katja Lindel, Direktorin der Klinik für Radioonkologie am Städtischen Klinikum Karlsruhe / MVZ Strahlentherapie.

„Dieser Eingriff dauert 30-45 Minuten – je nach Situation kann das in Vollnarkose oder in der Regel in Lokalanästhesie durchgeführt werden. Die Patientinnen spüren das Implantat normalerweise nicht sehr und können sich frei bewegen.“ Wie bei der Bestrahlung von außen erfolgt nach dem Eingriff eine CT- gestützte Bestrahlungsplanung zur Dosisberechnung.

Für die eigentliche Bestrahlung, die nur wenige Minuten dauert, werden die Katheterschläuche gleichzeitig an ein spezielles Brachytherapie-Gerät angeschlossen.

Durch die Katheter wird eine umschlossene Strahlenquelle direkt bis vor Ort in das Gewebe eingeführt und danach wieder entfernt. Die Applikations-Katheter verbleiben bei der Boostbestrahlung für 1-2 Tage und bei der alleinigen Teilbrustbestrahlung für 4-5 Tage in der Brust, damit die Bestrahlung wiederholt erfolgen kann. Vor der Entlassung werden die Katheter wieder entfernt.
„Der große Vorteil der Brachytherapie ist, dass das Tumorbett präzise vor Ort bestrahlt und gleichzeitig benachbartes Gewebe (gesunde Restbrust, Brustwand, Lunge, Haut) besonders geschont wird“, erläutert Prof. Lindel weiter. Gegenüber einer perkutanen Bestrahlung verkürzt sich die Zeit, in der die erforderliche Strahlendosis appliziert werden kann von mehreren (3-4) Wochen auf maximal eine Woche (4-5 Tage).

Bislang vornehmlich bei zwei Patientinnengruppen

Zum einen bei Patientinnen mit hohem Lokalrezidivrisiko, also Patientinnen mit größeren oder brustwandnahen Tumoren oder mit aggressiveren Krebstypen. Bei diesen Frauen kann die Brachytherapie im Anschluss an die konventionelle Bestrahlung (von außen durch die Haut, Fachbegriff: perkutan) von Vorteil sein. „Die Multikatheter-Brachytherapie eignet sich besonders gut zur Dosisaufsättigung (Boost) des Tumorbettes“, erklärt Frau Prof. Lindel. Diese Therapie dient dazu, die ehemalige Tumorregion zusätzlich besonders intensiv zu bestrahlen. Mit dieser Methode werden können bessere lokale Tumorkontrollraten erreicht werden als mit externer Bestrahlung allein.

Eine zweite Gruppe, die von der Technik profitieren kann, sind Frauen mit örtlichem Brustkrebsrückfall, bei denen erneut eine brusterhaltenden Therapie angesterbt angestrebt wird. „Diese Patientinnen hatten bereits eine Strahlentherapie bei Ersterkrankung erhalten, daher ist die maximale Gewebeschonung, besonders der Haut, extrem wichtig“, so rof. Dr. Stephanie E. Combs, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). „Die Brachytherapie ermöglicht somit Patientinnen mit einem lokalen Rückfall, nochmals individuell brusterhaltend behandelt zu werden und dabei die akuten und späteren Therapienebenwirkungen so gering wie möglich zu halten.“

Relativ neu ist der Einsatz bei Patientinnen mit niedrigem Risiko für einen örtlichen Rückfall. Hier gilt inzwischen laut S3-Leitlinie die alleinige Brachytherapie als Alternative zur Gesamtbrustbestrahlung, da sie hinsichtlich des Therapieergebnisses bei diesen Patientinnen gleichwertig ist. Im Rahmen einer großen Studie wurden Brustkrebspatientinnen mit kleinen Tumoren (max. 3 cm) entweder mit einer Multikatheter-Brachytherapie über 4-5 Tage oder mit der konventionellen Ganzbrustbestrahlung über 6 Wochen behandelt. Der Vergleich zeigte: Es gab keinen statistisch signifikanten Unterschied hinsichtlich der lokalen Rückfallrate, dem krankheitsfreien sowie dem Gesamtüberleben zwischen den Gruppen. „Für die Patientinnen liegen die Vorteile der Brachytherapie klar auf der Hand: Kürzere Behandlungszeit und bessere Schonung von Haut und umliegenden Gewebe“, so Prof. Dr. Stephanie E. Combs.
 

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Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V.


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