Medizin & Technik

Hybrid-OP im Fokus

12.11.2010 -

Neben klinischen Aspekten wie der Verbesserung der Patientenversorgung stand besonders die planerische und bauliche Realisierung des Hybrid-OPs im Fokus der Veranstaltung. Über den Mehrwert, die Herausforderungen bei der Umsetzung und Teamarbeit sprach Ulrike Goßmann mit Andreas Lauinger, Technischer Leiter und Prokurist der Klinik für Herzchirurgie Karlsruhe.

Ulrike Goßmann: Mit 2.500 Eingriffen pro Jahr gehört die Klinik für Herzchirurgie Karlsruhe zu den etablierten Einrichtungen in der Region. Seit Frühjahr 2009 operieren Ihre Chirurgen jetzt - neben vier konventionellen OPs - auch im Hybrid-OP. Warum haben Sie sich für den Bau eines solchen entschieden?

Andreas Lauinger: Ein wesentliches Argument war für uns die Erweiterung unseres Behandlungsspektrums. Ganz generell werden in der Herzchirurgie rückläufige Patientenzahlen verzeichnet. Da liegt es nahe, sich mit neuen, innovativen und Patienten schonenden Therapieoptionen, wie der minimal-invasiven Klappenrekonstruktion oder der Herz-OP am schlagenden Herzen ohne Herz-Lungen-Maschine, zu beschäftigen.

Wird dieses angenommen?

Lauinger: Ja, absolut. Wir haben relativ schnell gemerkt, dass die Patientenströme sich verändern. Wir bekommen jetzt auch Patienten von ganz anderen Zuweisern als bisher. Dabei handelt es sich besonders um ältere Personen, denen konventionell nicht mehr geholfen werden kann. Das ist natürlich auch für die Krankenkassen interessant: Mit den neuen Behandlungsmethoden können diese Patienten aus dem Bett mobilisiert werden. Langwierige Aufenthalte auf der Intensivstation - die eine Therapie sehr teuer und für den Patienten sehr anstrengend machen - werden so reduziert. Es geht hier also um Lebensqualität und Kosteneinsparungen.

Wie groß sind die Herausforderungen für ein Krankenhaus, einen Hybrid-OP zu installieren?

Lauinger: Da darf man sich nichts vormachen - es handelt sich schon um ein großes Projekt, bei dem es vieler Abstimmungen bedarf. Technische Gesichtspunkte sind z. B. die Raumgröße. Meistens sind die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten zu klein. Das kann größere Umbauarbeiten nach sich ziehen, gegebenenfalls mit längeren OP-Ausfallzeiten. Die Herausforderung für den Architekten bedeutet in diesem Fall die Planung maximaler Fläche bei minimalem Aufwand. Auch die Raumklassifizierung und die damit zu berücksichtigende Größe der Lüftungsdecke haben großen Einfluss auf die gesamte Planung.

Und aus klinischer Sicht?

Lauinger: Ein ganz wichtiger Punkt: Der Hybrid-OP kombiniert den herzchirurgischen und kardiologischen Arbeitsplatz. Die Arbeitsbedingungen müssen für beide Disziplinen möglichst beibehalten werden. Entsprechend sollten auch die Anforderungen an die Ausstattung definiert sein. Zum Beispiel muss ich die Platzierung von OP-Tisch und Systemen, aber auch die Arbeitspositionen der Akteure im OP genau berücksichtigen.

Von der ersten Überlegung über die Planung und Umsetzung - das alles hat bei Ihnen lediglich 15 Monate gedauert. Optimale Voraussetzungen oder gute Vorbereitung?

Lauinger: Eine gute Projektvorbereitung ist das A und O. Die Bedarfsermittlung, das Festlegen der Projektziele und der Projektorganisation sind die ersten Schritte. Die Planung erfordert viele Ressourcen, die möglichst optimal eingesetzt werden sollten. Zu unserem interdisziplinären Projektteam gehörten Vertreter von OP- und Anästhesiepflege, Kardiotechnik, der ärztlichen Seite: Anästhesisten, Chirurgen, Kardiologen und die IT- und Medizintechnikabteilung. Darüber hinaus konnten wir uns im Vorfeld ausführlich über Umsetzung und Herausforderungen bei unserem Schwesterunternehmen, dem Herzzentrum Leipzig, informieren. Inspiration lieferte uns auch ein Besuch bei den Gefäßchirurgen der Uniklinik Köln. Diese Expertise hat uns sehr geholfen, und ich kann nur empfehlen: Wer einen Hybrid-OP plant, sollte sich die Möglichkeiten live und vor Ort ansehen.

Wie haben Sie die Auswahl für den OP-Tisch und die Systeme getroffen?

Lauinger: Wir haben uns über verschiedene Möglichkeiten informiert, uns aber letztendlich für eine Lösung von Maquet in Kombination mit der Angiografieanlage Allura Xper FD 20 von Philips Healthcare entschieden. Da spielten auch ganz pragmatische Gründe eine Rolle: Die Bestand-OPs waren bereits mit Maquet-Tischsäulen ausgestattet. Hinzu kam, dass bereits eine Schnittstelle zur Angiografieanlage lieferbar war.

Ihr Fazit?

Lauinger: Abgesehen von den technischen und planerischen Gesichtspunkten ist die Koordination und Zusammenführung aller Gewerke in ein funktionierendes Gesamtsystem die größte Herausforderung. Da kommt es auf jeden einzelnen Mitstreiter an - egal ob Lieferant oder Projektmitarbeiter. Bei uns war das Engagement in der Zusammenarbeit schon außergewöhnlich. Das hat mich wirklich gefreut, das war Teamwork.

Kontakt

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